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Alt 17.11.17, 18:18   #1
KOTZFISCH
Kritischer Rationalist
 
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Standard Story des Tages.

Acta Diurna:

In den "sozialen Netzwerken" ist man "gerührt" vom Fall der 14jährigen Hannah aus Pinneberg bei Hamburg. Hannah ist eine Schülerin mit Down-Syndrom, und sie mag das Wort "Schwerbehindertenausweis" nicht, weshalb sie sich einen "Schwer-in-Ordnung-Ausweis" gebastelt hat. Ein Junge gleicher Artung fand ihre Idee gut und beantragte einen solchen Ausweis beim Hamburger Versorgungsamt. Offenbar will die Behörde das Dokument ausstellen.

Das Down-Syndrom (oder Trisomie 21) entsteht durch eine Genommutation. Menschen mit Down-Syndrom sind in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt und gelten als geistig behindert. Früher nannte man sie halb abschätzig, halb mitleidig "Mongos", das war die Kurzform der offiziellen Bezeichnung "Mongolismus". Er oder sie sei "mongoloid", lautete die gängige Formulierung, die aufgrund der typischen Augen- und Gesichtsform jedermann einleuchtete, heute aber aus taktvoller Rücksichtnahme auf das Reiter- und Steppenvolk ungebräuchlich ist.

In meiner Jugend waren "Mongos" ein normaler Anblick. Wenn ich zur Berufsschule fuhr, saßen immer einige von ihnen im Bus – die Sonderschule befand sich in direkter Nachbarschaft der von mir frequentierten sozialistischen Baukaderschmiede. Ich erinnere mich speziell an einen, der sich stets auf den Platz hinter dem Fahrer setzte, während der Fahrt an seinem imaginierten Lenkrad mitsteuerte und abgeklärt die entgegenkommenden Busfahrer grüßte. Richtig "down" sind die "Downies" (so lautet heute die saloppe Bezeichnung) ja nicht, sondern im Gegenteil fast immer gut gelaunt. Der Begriff hat auch nichts mit Niedergeschlagenheit zu tun, sondern folgt aus dem Namen des Arztes, der das Syndrom als erster beschrieb. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der Menschenwesen, dass ein niedriger IQ in der Regel mit einer höheren Daseinszufriedenheit verbunden ist, was ja insofern stimmig erscheint, als intelligente Menschen inmitten jenes Ozeans von Problemen, in dem unsere Gattung zu schwimmen versucht, ein paar drohende Gefahren mehr identifizieren können (oder müssen) als weniger intelligente. Das mag auch einer der Gründe sein, weshalb in Umfragen die Gesamtzufriedenheit in Drittweltländern trotz der elenden Verhältnisse dort regelmäßig höher ausfällt als in sogenannten Industriestaaten.

Menschen mit Down-Syndrom gehörten früher, wie gesagt, zum normalen Stadtbild, heute sind sie selten, und bald wird es sie in der westlichen Welt wohl nicht mehr geben. Dafür sorgt die Pränataldiagnostik. Trisomie 21 ist ein häufiger Abtreibungsgrund. In den sozialen Netzwerken ist das kein Thema (und ich gestehe frank und frei, dass ich kein Kind mit dieser Behinderung bekommen hätte). Nur in christlichen Milieus, wo Abtreibung, egal in welchem "Stadium", als Todsünde gilt, werden solche Kinder geboren oder adoptiert. Besagte Milieus gelten bekanntlich als ewiggestrig und bekämpfenswert. Demonstrationen von "Lebensschützern" rufen verlässlich die geschmacklosesten Proteste hervor. Desto mehr ist das Netz gerührt, wenn einigen Überlebenden der gängigen Praxis "Schwer-in-Ordnung-Ausweise" ausgestellt werden.

Wunderlich verlogene Welt. Und mittendrin Hannah, 14, Vertreterin einer aussterbenden Spezies.
__________________
„Kultur ist, wenn Sie Ihrem Nachbarn den Kopf abschlagen und daraus eine Blumenvase machen. Zivilisation ist, wenn Sie dafür ins Gefängnis müssen und nie wieder rauskommen.“

H.Broder
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Alt 17.11.17, 18:35   #2
dscheipi
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Beiträge: 18.207
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Zitat:
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Acta Diurna:

In den "sozialen Netzwerken" ist man "gerührt" vom Fall der 14jährigen Hannah aus Pinneberg bei Hamburg. Hannah ist eine Schülerin mit Down-Syndrom, und sie mag das Wort "Schwerbehindertenausweis" nicht, weshalb sie sich einen "Schwer-in-Ordnung-Ausweis" gebastelt hat. Ein Junge gleicher Artung fand ihre Idee gut und beantragte einen solchen Ausweis beim Hamburger Versorgungsamt. Offenbar will die Behörde das Dokument ausstellen.

Das Down-Syndrom (oder Trisomie 21) entsteht durch eine Genommutation. Menschen mit Down-Syndrom sind in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt und gelten als geistig behindert. Früher nannte man sie halb abschätzig, halb mitleidig "Mongos", das war die Kurzform der offiziellen Bezeichnung "Mongolismus". Er oder sie sei "mongoloid", lautete die gängige Formulierung, die aufgrund der typischen Augen- und Gesichtsform jedermann einleuchtete, heute aber aus taktvoller Rücksichtnahme auf das Reiter- und Steppenvolk ungebräuchlich ist.

In meiner Jugend waren "Mongos" ein normaler Anblick. Wenn ich zur Berufsschule fuhr, saßen immer einige von ihnen im Bus – die Sonderschule befand sich in direkter Nachbarschaft der von mir frequentierten sozialistischen Baukaderschmiede. Ich erinnere mich speziell an einen, der sich stets auf den Platz hinter dem Fahrer setzte, während der Fahrt an seinem imaginierten Lenkrad mitsteuerte und abgeklärt die entgegenkommenden Busfahrer grüßte. Richtig "down" sind die "Downies" (so lautet heute die saloppe Bezeichnung) ja nicht, sondern im Gegenteil fast immer gut gelaunt. Der Begriff hat auch nichts mit Niedergeschlagenheit zu tun, sondern folgt aus dem Namen des Arztes, der das Syndrom als erster beschrieb. Es gehört zu den Merkwürdigkeiten der Menschenwesen, dass ein niedriger IQ in der Regel mit einer höheren Daseinszufriedenheit verbunden ist, was ja insofern stimmig erscheint, als intelligente Menschen inmitten jenes Ozeans von Problemen, in dem unsere Gattung zu schwimmen versucht, ein paar drohende Gefahren mehr identifizieren können (oder müssen) als weniger intelligente. Das mag auch einer der Gründe sein, weshalb in Umfragen die Gesamtzufriedenheit in Drittweltländern trotz der elenden Verhältnisse dort regelmäßig höher ausfällt als in sogenannten Industriestaaten.

Menschen mit Down-Syndrom gehörten früher, wie gesagt, zum normalen Stadtbild, heute sind sie selten, und bald wird es sie in der westlichen Welt wohl nicht mehr geben. Dafür sorgt die Pränataldiagnostik. Trisomie 21 ist ein häufiger Abtreibungsgrund. In den sozialen Netzwerken ist das kein Thema (und ich gestehe frank und frei, dass ich kein Kind mit dieser Behinderung bekommen hätte). Nur in christlichen Milieus, wo Abtreibung, egal in welchem "Stadium", als Todsünde gilt, werden solche Kinder geboren oder adoptiert. Besagte Milieus gelten bekanntlich als ewiggestrig und bekämpfenswert. Demonstrationen von "Lebensschützern" rufen verlässlich die geschmacklosesten Proteste hervor. Desto mehr ist das Netz gerührt, wenn einigen Überlebenden der gängigen Praxis "Schwer-in-Ordnung-Ausweise" ausgestellt werden.

Wunderlich verlogene Welt. Und mittendrin Hannah, 14, Vertreterin einer aussterbenden Spezies.



wenn du in dem behindertenbereich arbeitest, "retten" dich die vorbeschreibenen tag für tag, jeden tag, mehrmals.

so wie ich damalige zusammensetzungen kenne, einige mit zustände nach schädel-hirn-traumen, infarkten (hirn hinüber), korsakov, ein paar ausgesteuerte tropf-schizos dazwischen, von denen kriegst so gut wie nix retour... wenns pech hast, hast noch 1 oder 2 spastiker, die dich beim reden ständig anspucken und wennst glück hast, eben downies, die auf der gefühlsebene ganz genau checken, wer ihnen gutes tut und dir das vielfach zurück geben, meist sehr ausgeglichen sind, völlig ohne jeden anflug von blues durch die gegend gehen, freude an den erlernten fähigkeiten haben und auch meistens sehr lernfähig sind und spass dran haben.


früher wurden die nicht alt, da häufig mit herzfehlern und nierenschäden geboren - das wird heute korrigiert, wenn vorhanden - kenn einen beispielsweise, der ist über 70, das wär vor 50 jahren kaum möglich gewesen.


ja, es hat eben jedes ding mindestens 2 seiten (nach karl valentin 3 = plus der komischen).



p.s. schwer in ordnung ist immer gut, wenn jemand denn schwer in ordnung ist in bezug auf charakterqualitäten - das seh ich ganz unverkrampft.
__________________
lachende melancholiker zürnen nicht.


bin weder am bandenwesen noch am königsspiel interessiert, bitte von entspr. abstand nehmen

meine beiträge sind ausschließl. mein geistiges eigentum. fehlinterpretationen gehen ausschl. zu lasten des lesers


Neolib ist scheisse, raus aus der EU
www.youtube.com/watch?v=RtypgSOZUIc


Durch Gottes Gnaden mit chron. vaginaler Überlegenheit ausgestattet


stille treppe: praia61


bitte keine freundschaftsanfragen
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