*JM*
22.08.09, 17:23
Ich habe selten, wirklich selten, einen derartig stimmigen Artikel gelesen, der unsere Probleme mit Xenophobie so krachend auf den Punkt bringt.
Nach dem Familiendrama in Schwalmtal
Der Mainstream-Täter
Ein 71-jähriger Rentner erschießt in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt drei Menschen. Warum? Die gängigsten Erklärungsversuche scheitern bei dieser Tat.
....
Kann es auch mir passieren? Kann ich die Wut des Täters nachempfinden? Gibt es vielleicht Umstände, für die auch ich verantwortlich bin?
Am einfachsten lässt sich das ausschließen, indem die Verantwortung eingegrenzt und ausgelagert wird - an das Fremde: wahlweise an Andersgläubige, als primitiv empfundene Menschen mit nichtdeutscher Herkunft, Ostdeutsche - man denke nur an Jörg Schönbohms Babymorderklärung - oder die Jugend und ihre seltsamen Zeitvertreibe. In der Mehrheitsgesellschaft kommen vor allem zwei Dinge an: Bei denen musste es ja mal so weit kommen. Und: Das hat mit uns nichts zu tun. Nur diesmal funktioniert das nicht.
Westdeutsch, weiß, Rentner - mehr Mainstream geht kaum. Damit fällt die Lieblingsbeschäftigung der Mediengesellschaft - das Antwortgeben - wohl erst einmal aus. Stattdessen muss die Öffentlichkeit hier das hinnehmen, was sie sonst nicht hinnehmen mag: offene Fragen.
Anbetungswürdiger Artikel (http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/die-not-der-erklaerung/)
Ehrenmord? - Nein.
Ego-Shooter? - Nein.
Satanist? - Nein.
Moslem? - Nein.
Paintballer? - Nein.
Russlanddeutscher? - Nein.
Ossi? - Nein.
Nazi? - Nein.
Ein Mainstreamtäter. Vorher auffällig gewesen, ja. Aber etwas, was auf so einen Run hindeuten würde? Nein.
Diese irrsinnige Tat wirft all das über den Haufen, was aus gewissen Kreisen der Politik und des gesellschaftlichen Randes stets gepredigt wird. Und es lässt den Schluss zu, dass auch bei Taten, die vielleicht in das gerne genommene Raster passen, nicht alles so einfach ist, wie man es sich gerne machen würde, nur weil es einen selbst des Nachdenkens entbindet, bedient man sich der Schubladen.
Nach dem Familiendrama in Schwalmtal
Der Mainstream-Täter
Ein 71-jähriger Rentner erschießt in der nordrhein-westfälischen Kleinstadt drei Menschen. Warum? Die gängigsten Erklärungsversuche scheitern bei dieser Tat.
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Kann es auch mir passieren? Kann ich die Wut des Täters nachempfinden? Gibt es vielleicht Umstände, für die auch ich verantwortlich bin?
Am einfachsten lässt sich das ausschließen, indem die Verantwortung eingegrenzt und ausgelagert wird - an das Fremde: wahlweise an Andersgläubige, als primitiv empfundene Menschen mit nichtdeutscher Herkunft, Ostdeutsche - man denke nur an Jörg Schönbohms Babymorderklärung - oder die Jugend und ihre seltsamen Zeitvertreibe. In der Mehrheitsgesellschaft kommen vor allem zwei Dinge an: Bei denen musste es ja mal so weit kommen. Und: Das hat mit uns nichts zu tun. Nur diesmal funktioniert das nicht.
Westdeutsch, weiß, Rentner - mehr Mainstream geht kaum. Damit fällt die Lieblingsbeschäftigung der Mediengesellschaft - das Antwortgeben - wohl erst einmal aus. Stattdessen muss die Öffentlichkeit hier das hinnehmen, was sie sonst nicht hinnehmen mag: offene Fragen.
Anbetungswürdiger Artikel (http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/die-not-der-erklaerung/)
Ehrenmord? - Nein.
Ego-Shooter? - Nein.
Satanist? - Nein.
Moslem? - Nein.
Paintballer? - Nein.
Russlanddeutscher? - Nein.
Ossi? - Nein.
Nazi? - Nein.
Ein Mainstreamtäter. Vorher auffällig gewesen, ja. Aber etwas, was auf so einen Run hindeuten würde? Nein.
Diese irrsinnige Tat wirft all das über den Haufen, was aus gewissen Kreisen der Politik und des gesellschaftlichen Randes stets gepredigt wird. Und es lässt den Schluss zu, dass auch bei Taten, die vielleicht in das gerne genommene Raster passen, nicht alles so einfach ist, wie man es sich gerne machen würde, nur weil es einen selbst des Nachdenkens entbindet, bedient man sich der Schubladen.