Blue Max
21.08.09, 06:20
"Die PC wirkt stets zugunsten der Sieger der beiden Weltkriege - spiegelbildlich wirkt sie stets zuungunsten der Deutschen, manchmal schon der Deutschen seit Luther, meist aber zuungunsten der Deutschen etwa seit Bismarck." ( Franz Uhle-Wettler)
Auch Historiker sind Kinder ihrer Zeit; mithin werden auch ihre Wertungen von den Werten ihrer Zeit beeinflußt. Deshalb ist das, was gelegentlich als "political correctness" - kurz PC - abgewertet wird, nicht unbedingt negativ zu beurteilen. Wertungen aus demokratischer Sicht sollten heute eher selbstverständlich sein. Fragwürdig wird die PC erst, wenn Historiker ihre Darstellungen nach dem politisch gewünschten Urteil ausrichten, also unbequeme Quellen manipulieren, essentielle Tatsachen übergehen, weil sie dem politisch gewünschten Urteil widersprechen, und aus dem gleichen Grund wichtige Fragen nicht mehr stellen. Das aber geschieht häufiger, als wünschenswert ist. Hieraus ergibt sich der Einfluß der political correctness auf das in der Bundesrepublik vorherrschende Geschichtsbild.
(...)
Beim Nürnberger Prozeß gegen die "Südost-Generale" verwendete die Anklage nur "ausgewählte" Dokumente, gestattete der Verteidigung aber keinen Einblick in die Gesamtheit der ihr vorliegenden deutschen Dokumente. Als die Briten später die Akten zurückgaben, hatten sie zahlreiche Namen unkenntlich gemacht. Besonders wichtige Akten wurden erst später zurückgegeben - und niemand weiß, ob die Akten dann wieder vollständig waren. Aus dem umfangreichen Archivgut der Wehrmacht-Untersuchungsstelle für deutsche und alliierte Kriegsverbrechen wurden vor der Rückgabe die westalliierten Fälle herausgenommen. Schließlich scheinen auch die belgischen (oder die französischen?) Archive gelegentlich gesäubert worden zu sein. Interessant ist bei alledem heute nur noch die Frage, wer diese "Dokumente" produziert hat. Man darf wohl vermuten, daß nicht zufällige Sekretärinnen oder Amtsboten, sondern stärkere Kräfte am Werke waren, und niemand weiß, was sie sonst noch veranlaßt haben.
(...)
Zur Beurteilung des PC-Niveaus deutscher Geschichtswissenschaft gehört die Tatsache, daß eine Untersuchung deutscher Akten auf Vollständigkeit und "Ergänzungen" schwer vorstellbar ist. Es gibt deshalb nur Zufallsfunde.
Die zeitweilige Herrschaft über die Archive hat eine zusätzliche negative Wirkung: Die "Waffengleichheit" zwischen "Anklage" und "Verteidigung" ist zerstört. Das aber ist bedeutsam. Nach dem Ersten Weltkrieg mußte ein bedenkenloser Ankläger damit rechnen, daß die Gegenseite Akten vorlegte, die ihn widerlegten. Das setzte seinem Erfindungsreichtum Grenzen. Zudem konnte jeder Angeklagte sicher sein, daß wenigstens seine eigenen Akten nicht negativ manipuliert worden waren. Diese wesentlichen Bedingungen jedes fairen geschichtlichen ("Gerichts")-Verfahrens sind unwiederbringlich verloren.
Insgesamt ergibt sich die Folgerung, daß die erst nach Jahrzehnten zurückgegebenen deutschen Akten nicht über jeden vernünftigen Zweifel erhaben sind, zumal die zeitweiligen alliierten Besitzer ein essentielles Interesse an deren Aussagen hatten. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang Robert Kempner, der amerikanische Anklagevertreter im Nürnberger Prozeß. Obwohl Jurist, eignete er sich "zwei Überseekoffer und 21 Kisten voller Nazi- und Wehrmachtsdokumente" an, die nach seinem Tode und Auflösung seines Haushalts bei einem Müllhändler landeten. Als die amerikanische Justiz 2003 von dem Vorfall erfuhr, griff sie ein und setzte einen Vergleich durch: Die Hälfte der Dokumente bleibt zum gewinnbringenden Verkauf beim Müllhändler, die andere Hälfte geht "ans amerikanische Holocaust-Museum oder ans Nationalarchiv in Washington"; vom Eigentümer, der Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches, war dabei keine Rede. Zur Beurteilung des PC-Niveaus der deutschen Geschichtswissenschaft gehört die Tatsache, daß eine Untersuchung der deutschen Akten auf Vollständigkeit und "Ergänzungen" schwer vorstellbar ist. Es gibt deshalb nur Zufallsfunde. Vielleicht läßt auch hier George Orwells Wahrheitsministerium grüßen.
(...)
Zweifel an dieser Darstellung kommt allerdings sofort auf, wenn man betrachtet, wie die Wehrmacht den Krieg gegen Griechenland zu führen versucht und auf dem Festland tatsächlich geführt hat: nachweislich mit fast unglaublicher Ritterlichkeit. Als die griechischen Festungen an der bulgarischen Grenze nach tapferstem Widerstand kapitulierten, stellten die deutschen Truppen der abziehenden griechischen Truppe häufig eine Ehrenkompanie und hißten die deutsche Flagge erst, als die abziehenden Griechen außer Sichtweite waren. Die Kapitulationsverhandlungen wurden noch in den alten, überlieferten Formen geführt: Die Wehrmacht beließ allen kriegsgefangenen Offizieren den Degen - uraltes Symbol der Achtung vor dem Besiegten -, und nach Abschluß der Verhandlungen bat Generalfeldmarschall List die griechische Delegation demonstrativ zu einem Essen; eine solche Geste wäre schon 1918 in Compiégne undenkbar gewesen. Sicherlich noch wichtiger: Sämtliche Kriegsgefangenen wurden sofort nach Hause entlassen, mitten im Kriege! Zur Beurteilung genügt der Hinweis auf das Datum, zu dem die Westalliierten ihre letzten Gefangenen entlassen haben: nach dem Ersten Weltkrieg 1920, nach dem Zweiten Weltkrieg - entgegen der Genfer Konvention von 1929 - erst Ende 1948, von Ostblockstaaten nicht zu reden. Doch diesen ersten Akt des Griechenlandfeldzugs erwähnen Weinberg und viele andere Autoren nicht.
Der zweite Akt: Auf dem griechischen Kreta hatte der britische Geheimdienst Zeit gehabt, die Zivilbevölkerung zu bewaffnen und zum völkerrechtswidrigen Partisanenkampf aufzurufen. Er wiederbelebte so eine Kampfform, von der ein anderer Brite, Lord Wellington, aufgrund seiner Erfahrungen im spanischen Guerillakrieg 1809-1813 geurteilt hatte, wer einen solchen Krieg beginne, der öffne die "Tore der Hölle".
(...)
Als letztes ist die starke, aber verborgene indirekte Wirkung der political correctness darzustellen. Wiederum nur ein Beispiel, geschildert nach der wohl unverdächtigen New York Times und der International Herald Tribune. 1993 veröffentlichte ein Amerikaner, John Sack, ein Buch über die furchtbaren Lager, die Polen 1945 für Deutsche errichteten und deren Kommandanten oft Juden waren. Der Münchener Piper-Verlag kaufte die Rechte, ließ das Buch übersetzen und 6.000 Exemplare drucken. Doch dann wurde er darauf aufmerksam gemacht, daß Neonazis das Buch ausbeuten könnten.
(...)
Je bekannter ein Historiker ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß er politisch korrekt schreibt und urteilt.
Junge Freiheit 42/05, 14. Oktober 2005, S. 16 von Franz Uhle-Wettler
Auch Historiker sind Kinder ihrer Zeit; mithin werden auch ihre Wertungen von den Werten ihrer Zeit beeinflußt. Deshalb ist das, was gelegentlich als "political correctness" - kurz PC - abgewertet wird, nicht unbedingt negativ zu beurteilen. Wertungen aus demokratischer Sicht sollten heute eher selbstverständlich sein. Fragwürdig wird die PC erst, wenn Historiker ihre Darstellungen nach dem politisch gewünschten Urteil ausrichten, also unbequeme Quellen manipulieren, essentielle Tatsachen übergehen, weil sie dem politisch gewünschten Urteil widersprechen, und aus dem gleichen Grund wichtige Fragen nicht mehr stellen. Das aber geschieht häufiger, als wünschenswert ist. Hieraus ergibt sich der Einfluß der political correctness auf das in der Bundesrepublik vorherrschende Geschichtsbild.
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Beim Nürnberger Prozeß gegen die "Südost-Generale" verwendete die Anklage nur "ausgewählte" Dokumente, gestattete der Verteidigung aber keinen Einblick in die Gesamtheit der ihr vorliegenden deutschen Dokumente. Als die Briten später die Akten zurückgaben, hatten sie zahlreiche Namen unkenntlich gemacht. Besonders wichtige Akten wurden erst später zurückgegeben - und niemand weiß, ob die Akten dann wieder vollständig waren. Aus dem umfangreichen Archivgut der Wehrmacht-Untersuchungsstelle für deutsche und alliierte Kriegsverbrechen wurden vor der Rückgabe die westalliierten Fälle herausgenommen. Schließlich scheinen auch die belgischen (oder die französischen?) Archive gelegentlich gesäubert worden zu sein. Interessant ist bei alledem heute nur noch die Frage, wer diese "Dokumente" produziert hat. Man darf wohl vermuten, daß nicht zufällige Sekretärinnen oder Amtsboten, sondern stärkere Kräfte am Werke waren, und niemand weiß, was sie sonst noch veranlaßt haben.
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Zur Beurteilung des PC-Niveaus deutscher Geschichtswissenschaft gehört die Tatsache, daß eine Untersuchung deutscher Akten auf Vollständigkeit und "Ergänzungen" schwer vorstellbar ist. Es gibt deshalb nur Zufallsfunde.
Die zeitweilige Herrschaft über die Archive hat eine zusätzliche negative Wirkung: Die "Waffengleichheit" zwischen "Anklage" und "Verteidigung" ist zerstört. Das aber ist bedeutsam. Nach dem Ersten Weltkrieg mußte ein bedenkenloser Ankläger damit rechnen, daß die Gegenseite Akten vorlegte, die ihn widerlegten. Das setzte seinem Erfindungsreichtum Grenzen. Zudem konnte jeder Angeklagte sicher sein, daß wenigstens seine eigenen Akten nicht negativ manipuliert worden waren. Diese wesentlichen Bedingungen jedes fairen geschichtlichen ("Gerichts")-Verfahrens sind unwiederbringlich verloren.
Insgesamt ergibt sich die Folgerung, daß die erst nach Jahrzehnten zurückgegebenen deutschen Akten nicht über jeden vernünftigen Zweifel erhaben sind, zumal die zeitweiligen alliierten Besitzer ein essentielles Interesse an deren Aussagen hatten. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang Robert Kempner, der amerikanische Anklagevertreter im Nürnberger Prozeß. Obwohl Jurist, eignete er sich "zwei Überseekoffer und 21 Kisten voller Nazi- und Wehrmachtsdokumente" an, die nach seinem Tode und Auflösung seines Haushalts bei einem Müllhändler landeten. Als die amerikanische Justiz 2003 von dem Vorfall erfuhr, griff sie ein und setzte einen Vergleich durch: Die Hälfte der Dokumente bleibt zum gewinnbringenden Verkauf beim Müllhändler, die andere Hälfte geht "ans amerikanische Holocaust-Museum oder ans Nationalarchiv in Washington"; vom Eigentümer, der Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches, war dabei keine Rede. Zur Beurteilung des PC-Niveaus der deutschen Geschichtswissenschaft gehört die Tatsache, daß eine Untersuchung der deutschen Akten auf Vollständigkeit und "Ergänzungen" schwer vorstellbar ist. Es gibt deshalb nur Zufallsfunde. Vielleicht läßt auch hier George Orwells Wahrheitsministerium grüßen.
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Zweifel an dieser Darstellung kommt allerdings sofort auf, wenn man betrachtet, wie die Wehrmacht den Krieg gegen Griechenland zu führen versucht und auf dem Festland tatsächlich geführt hat: nachweislich mit fast unglaublicher Ritterlichkeit. Als die griechischen Festungen an der bulgarischen Grenze nach tapferstem Widerstand kapitulierten, stellten die deutschen Truppen der abziehenden griechischen Truppe häufig eine Ehrenkompanie und hißten die deutsche Flagge erst, als die abziehenden Griechen außer Sichtweite waren. Die Kapitulationsverhandlungen wurden noch in den alten, überlieferten Formen geführt: Die Wehrmacht beließ allen kriegsgefangenen Offizieren den Degen - uraltes Symbol der Achtung vor dem Besiegten -, und nach Abschluß der Verhandlungen bat Generalfeldmarschall List die griechische Delegation demonstrativ zu einem Essen; eine solche Geste wäre schon 1918 in Compiégne undenkbar gewesen. Sicherlich noch wichtiger: Sämtliche Kriegsgefangenen wurden sofort nach Hause entlassen, mitten im Kriege! Zur Beurteilung genügt der Hinweis auf das Datum, zu dem die Westalliierten ihre letzten Gefangenen entlassen haben: nach dem Ersten Weltkrieg 1920, nach dem Zweiten Weltkrieg - entgegen der Genfer Konvention von 1929 - erst Ende 1948, von Ostblockstaaten nicht zu reden. Doch diesen ersten Akt des Griechenlandfeldzugs erwähnen Weinberg und viele andere Autoren nicht.
Der zweite Akt: Auf dem griechischen Kreta hatte der britische Geheimdienst Zeit gehabt, die Zivilbevölkerung zu bewaffnen und zum völkerrechtswidrigen Partisanenkampf aufzurufen. Er wiederbelebte so eine Kampfform, von der ein anderer Brite, Lord Wellington, aufgrund seiner Erfahrungen im spanischen Guerillakrieg 1809-1813 geurteilt hatte, wer einen solchen Krieg beginne, der öffne die "Tore der Hölle".
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Als letztes ist die starke, aber verborgene indirekte Wirkung der political correctness darzustellen. Wiederum nur ein Beispiel, geschildert nach der wohl unverdächtigen New York Times und der International Herald Tribune. 1993 veröffentlichte ein Amerikaner, John Sack, ein Buch über die furchtbaren Lager, die Polen 1945 für Deutsche errichteten und deren Kommandanten oft Juden waren. Der Münchener Piper-Verlag kaufte die Rechte, ließ das Buch übersetzen und 6.000 Exemplare drucken. Doch dann wurde er darauf aufmerksam gemacht, daß Neonazis das Buch ausbeuten könnten.
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Je bekannter ein Historiker ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß er politisch korrekt schreibt und urteilt.
Junge Freiheit 42/05, 14. Oktober 2005, S. 16 von Franz Uhle-Wettler