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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rückt das Ende des Ölzeitalters näher?


K.-H. Hirmer
31.05.10, 10:08
Bekanntlich ist die BP beim Verschließen der Bohrlöcher im Golf von Mexiko gescheitert. Mehr noch: Selbst die Ingenieure der BP erschreckt es inzwischen, dass dieser Verschluss nicht gelingen will. Angst vor einer "ewigen Ölpest" macht sich breit.

Nach Medienberichten sind inzwischen bis zu 150.000.000 Liter Rohöl freigesetzt worden. Multipliziert mit einem angenommenen Gewicht von 0,8Kg/Liter sind das bis zu 120.000.000 Kg oder 120.000 t! Die größte Tankerkatastrophe, die sich bisher ereignete (Exxon Valdez (http://de.wikipedia.org/wiki/Exxon_Valdez) 1989 in Alaska) setzte "nur" 40.000 t Rohöl frei. Und deren Schäden sind bis heute nicht vollständig beseitigt.

Und ein Ende des Ölaustritts im Golf von Mexiko ist ja gar nicht absehbar.

Die Umgebungsbedingungen sind auch atemberaubend schlecht für Hilfsmaßnahmen. In 1.500m Tiefe herrscht ein Umgebungsdruck von 150 Atü. Dagegen sprudeln nach Medienberichten drei Ölquellen an. Deren Austrittsdruck dürfte bei 160 bis 170 Atü liegen. Sonst könnten bei einem Gegendruck von 150 Atü nicht solche Mengen Öl ausströmen.

170 Atü aus einem Bohrloch von 18cm Durchmesser entsprechen in Gewicht umgerechnet mehr als 43t! Und 43t wollen erst mal aufgehalten werden. Die blasen alles zur Seite, was sich in den Weg stellt.

Sollten tatsächlich erst die Entlastungsbohrungen, die im August fertig werden sollen, den Ölstrom stoppen, wäre allein das eine Ölkatastrophe von wahrhaft globalen Dimensionen.

Was aber, wenn diese Bohrungen nicht klappen? Wenn Bohrgestänge brechen oder Hurricanes die Bohrungen unterbrechen oder ganz verhindern?

Wann wird so viel Öl ausgetreten sein, dass selbst dessen hohe Temperatur es nicht mehr schnell genug an die Oberfläche steigen lässt und die Umgebung der offenen Quellen so mit Öl verseucht wird, dass man keine Roboter mehr einsetzen kann, weil deren Kameras verklebt sind? Was will man dann tun?

Ist es wirklich unvorstellbar, dass zum ersten Mal eine Öllagerstätte geöffnet wurde, die bis zur Erschöpfung ihres Inhalts Öl ins Meer austreten lässt?

Wer hat diese Katastrophe verursacht?

Die BP? Die USA mit ihrem Hunger nach Öl?

Sicher, in erster Näherung schon. Da sind die Verantwortlichkeiten noch klar.

Aber müssen wir nicht erkennen, dass es der Hunger nach preiswertem Öl der gesamten westlichen Welt ist, der die Ölgesellschaften veranlasst, immer weiter auf die Meere hinauszugehen, um bisher unerreichbare Lagerstätten zu erschließen?

Nach Medienberichten bohrt man inzwischen sogar in 3000m Wassertiefe. Wenn bei 1.500m Tiefe schon alles versagt, was man gegen einen Unfall unternehmen kann, was funktioniert dann wohl in der doppelten Tiefe?

Tschernobyl hat weltweit zu einem Umdenken in Sachen Kernenergie geführt.

Ich bin sicher:

Diese Ölkatastrophe wird ebenfalls zu einem Umdenken in der westlichen Welt führen. Hier werden neue Konzepte erforderlich, wie wir unser aller Mobilität ohne einen immensen Verbrauch von Öl sicherstellen können. Für den Nahverkehr hatte ich bereits eine Lösung vorgeschlagen:

Die Nutzung von ÖPNV, Fahrrad und Elektrofahrrad. :)

Angesichts der Bilder aus dem Golf von Mexiko gefällt mir mein Vorschlag noch viel besser als ohnehin schon.

In allem schlechten kann auch etwas Gutes liegen. Das gute hier:

Diese Katastrophe wird das Ende des Ölzeitalters entscheidend näher bringen.

Oder wie seht Ihr das?

Gideon
31.05.10, 14:19
Das Ende des Ölzeitalters ist dann, wenn die Förderung von Öl teurer ist als der Marktwert.
Und das ist noch lange nicht in Sicht.

K.-H. Hirmer
31.05.10, 14:22
Das Ende des Ölzeitalters ist dann, wenn die Förderung von Öl teurer ist als der Marktwert.
Und das ist noch lange nicht in Sicht.

Ich sprach ja auch davon, dass das Ende des Ölzeitalters entscheidend näher kommen wird. Nicht davon, dass es von Heute auf Morgen zu Ende ist.

herberger
31.05.10, 15:16
Finanzkrise,Ölpest Katastrophe,irgend wie ist das mit den USA wie mit der UDSSR erst die Wirtschaftskrise dann Tschernobyl.

opppa
31.05.10, 16:16
Ich habe schon in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in der Schule gelernt, daß die Ölvorräte der Erde bei dem damligen Verbrauch nur noch für 25 Jahre reichen.

Ich weiß zwar nicht genau, wofür mich meine Tankstelle wöchentlich abzockt, aber das Auto fährt damit.

Ich tue also das, was ich bei derartigen Prophezeiungen immer tue, ich warte ab ob das Ende kommt! Hoffentlich verpasse ich dieses Ende nicht!

:banana:

K.-H. Hirmer
31.05.10, 16:42
Ich habe schon in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts in der Schule gelernt, daß die Ölvorräte der Erde bei dem damligen Verbrauch nur noch für 25 Jahre reichen.

Ich weiß zwar nicht genau, wofür mich meine Tankstelle wöchentlich abzockt, aber das Auto fährt damit.

Ich tue also das, was ich bei derartigen Prophezeiungen immer tue, ich warte ab ob das Ende kommt! Hoffentlich verpasse ich dieses Ende nicht!

:banana:

Ich habe nicht geschrieben, dass uns das Öl ausgeht.

Ich gehe vielmehr davon aus, dass die Risiken der Ölförderung die Nutzung dieses Rohstoffes so verteuern werden, dass dessen Nutzung im heutigen Umfang nicht fortgesetzt werden kann.

Itchy
31.05.10, 17:56
Erstmal nicht, später vielleicht.

Itchy
31.05.10, 17:57
Finanzkrise,Ölpest Katastrophe,irgend wie ist das mit den USA wie mit der UDSSR erst die Wirtschaftskrise dann Tschernobyl.

Tschernobyl hatte einen systemischen "Fehler". Hatte nichts mit fehlender Kohle oder anderen wirtschaftsbedingten Schludrigkeiten zu tun.

K.-H. Hirmer
01.06.10, 11:06
War ich zu pessimistisch?

Nochmal meine Befürchtungen:

Die Bohrlöcher können über Monate nicht geschlossen werden. Daraus folgt eine Ölpest von wahrhaft apokalyptischen Ausmaßen.

Das wiederum führt dazu, dass diese Tiefsee-Bohrungen gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert und deshalb verboten werden.

Daraus folgt, dass sich die westliche Welt noch weniger als ohnehin schon mit Öl versorgen kann.

Was einen immensen Preisanstieg für Rohöl zur Folge haben wird. Ein Preis von 2,00 bis 2,50€ für einen Liter Benzin in zwei bis drei Jahren halte ich für realistisch.

Die Konsequenzen für den Kraftfahrzeugmarkt kann sich jeder ausmalen. Dummerweise ist in Deutschland aber - soweit ich weis - jeder sechste Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Auto abhängig. Das wird uns Probleme machen.

Mal ganz abgesehen von anderen Märkten wie z. B. dem Tourismus. Weis jemand, wie viel Milliarden Euro jedes Jahr mit dem Tourismus (Flugreisen, Kreuzfahrten, etc.) in dem Gebiet verdient werden, welches gerade damit bedroht ist, unabsehbare Verschmutzungen zu erleiden? Das soll in der Branche in Europa folgenlos bleiben?

Wie auch immer: Wenn die diese Löcher nicht zubekommen, wird sich die Welt in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren so stark verändern, wie wir es wohl noch nicht gesehen haben.

Nachsatz: Ich hörte gerade von einem Arbeitskollegen, dass die Quellen noch bis zu drei Jahre Öl freisetzen können, wenn man sie nicht dicht bekommt. Ich schau' mal, ob dafür irgendwo eine Quelle finde.

Gandolf
01.06.10, 11:56
War ich zu pessimistisch?

Nochmal meine Befürchtungen:

Die Bohrlöcher können über Monate nicht geschlossen werden. Daraus folgt eine Ölpest von wahrhaft apokalyptischen Ausmaßen.

Das wiederum führt dazu, dass diese Tiefsee-Bohrungen gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert und deshalb verboten werden.

....

Ich glaube eher, du denkst noch zu optimistisch. Den Nutzungsgrad (...ich meine hierbei die Energieausbeute -keine Ahnung wie ich das anders nennen sollte) von Öl ist meines Wissens unerreicht und kann von keinem anderen Rohstoff ersetzt werden. Weiterhin, sollte eine für alle sichtbare Verknappung dieser Ressource einsetzten, werden die Kriege welche heutzutage zur Erlangung dieses Rohstoffes geführt werden, wie halbherzige Kloppereien im Kindergarten aussehen. Und egal unter welchem Risiko, man wird dann auf jeden Fall versuchen es auch aus der Tiefsee zu fördern. Denn merke: In der Not trinkt der Seemann auch Salzwasser.

K.-H. Hirmer
01.06.10, 16:59
Ich glaube eher, du denkst noch zu optimistisch. Den Nutzungsgrad (...ich meine hierbei die Energieausbeute -keine Ahnung wie ich das anders nennen sollte) von Öl ist meines Wissens unerreicht und kann von keinem anderen Rohstoff ersetzt werden.
Der Energiegehalt von Erdöl ist tatsächlich sehr hoch. Allerdings kann man mit Öl besseres tun, als es einfach nur zu verbrennen. Denke nur mal an die Wichtigkeit von Öl für die Kunststoff-Industrie.

Weiterhin, sollte eine für alle sichtbare Verknappung dieser Ressource einsetzten, werden die Kriege welche heutzutage zur Erlangung dieses Rohstoffes geführt werden, wie halbherzige Kloppereien im Kindergarten aussehen.
Ich halte Kriege zur Erlangung von Öl für ausgeschlossen. Gegen wen sollten die geführt werden? Öl liegt überwiegend in islamischen Ländern. Sieh' Dir nur an, welche Schwierigkeiten die Amerikaner heute im Irak haben. Und da klauen die noch nicht mal Öl. Wie sollte da ein erfolgreicher Krieg zur Ölgewinnung gegen die ganze islamische Welt erfolgreich durchführbar sein?

Und wer sollte diesen Krieg führen? Die westliche Welt? Diese Kriege würden eine Brutalität erfordern, die es jedem Menschen in der westlichen Welt zur Pflicht machen würde, die eigene Regierung in ihrem verwerflichen Vorgehen zu stoppen. Bevor so etwas gehen würde, müssten die Demokratien erst wieder Diktaturen weichen.

Und egal unter welchem Risiko, man wird dann auf jeden Fall versuchen es auch aus der Tiefsee zu fördern.
Noch sind die westlichen Gesellschaften bereit, den Ölförderfirmen die Eingehung dieses Risikos zu gestatten. Schließlich weis man "instinktiv", dass eine Einschränkung der Fördermengen die eigene Bequemlichkeit (Pkw, Flugreisen, Ölheizungen, etc.) beeinträchtigt. Diese Katastrophe hat meiner Ansicht nach zumindest das Potential, noch unbequemer zu werden, als eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Öl. In diesem Fall wird sich die öffentliche Meinung ändern.

Denn merke: In der Not trinkt der Seemann auch Salzwasser.
Nein, tut er nicht. Jeder Schluck Salzwasser vergrößert nur den Durst. Ein Seemann der so etwas tut, müsste bekloppt sein.

Gideon
01.06.10, 17:50
War ich zu pessimistisch?

Nochmal meine Befürchtungen:

Die Bohrlöcher können über Monate nicht geschlossen werden. Daraus folgt eine Ölpest von wahrhaft apokalyptischen Ausmaßen.

Das wiederum führt dazu, dass diese Tiefsee-Bohrungen gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert und deshalb verboten werden.

Daraus folgt, dass sich die westliche Welt noch weniger als ohnehin schon mit Öl versorgen kann.

Was einen immensen Preisanstieg für Rohöl zur Folge haben wird. Ein Preis von 2,00 bis 2,50€ für einen Liter Benzin in zwei bis drei Jahren halte ich für realistisch.

Die Konsequenzen für den Kraftfahrzeugmarkt kann sich jeder ausmalen. Dummerweise ist in Deutschland aber - soweit ich weis - jeder sechste Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Auto abhängig. Das wird uns Probleme machen.

Mal ganz abgesehen von anderen Märkten wie z. B. dem Tourismus. Weis jemand, wie viel Milliarden Euro jedes Jahr mit dem Tourismus (Flugreisen, Kreuzfahrten, etc.) in dem Gebiet verdient werden, welches gerade damit bedroht ist, unabsehbare Verschmutzungen zu erleiden? Das soll in der Branche in Europa folgenlos bleiben?

Wie auch immer: Wenn die diese Löcher nicht zubekommen, wird sich die Welt in einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren so stark verändern, wie wir es wohl noch nicht gesehen haben.

Nachsatz: Ich hörte gerade von einem Arbeitskollegen, dass die Quellen noch bis zu drei Jahre Öl freisetzen können, wenn man sie nicht dicht bekommt. Ich schau' mal, ob dafür irgendwo eine Quelle finde.

Die Gesellschaft und etwas nicht akzeptieren ?
Die Gesellschaft akzeptiert alles solange sie gefüttert wird.

el spartaco
01.06.10, 18:42
Das Ende des Ölzeitalters ist dann, wenn die Förderung von Öl teurer ist als der Marktwert.
Und das ist noch lange nicht in Sicht. Na, du kennst dich ja aus. Vielleicht doch mal ein bisschen bei Kalle nachlesen, tun Bänker ja auch. Einen Marktwert gbt es nicht, sondern einen Gebrauchs- und einen Tauschwert, also den Preis. Der bestimmt sich nach Angebot und Nachfrage - am Markt. Richtig wäre, solange die Nachfrage noch so groß ist und das Angebot noch soviel Profit verspricht, wird es weiter gehen. Allerdings nähern sich soweit ich informiert bin, die Ressourcen dem Ende zu - dann machen wir munter auf Elektro weiter.


mi

opppa
04.06.10, 22:22
Na, du kennst dich ja aus. Vielleicht doch mal ein bisschen bei Kalle nachlesen, tun Bänker ja auch. Einen Marktwert gbt es nicht, sondern einen Gebrauchs- und einen Tauschwert, also den Preis. Der bestimmt sich nach Angebot und Nachfrage - am Markt. Richtig wäre, solange die Nachfrage noch so groß ist und das Angebot noch soviel Profit verspricht, wird es weiter gehen. Allerdings nähern sich soweit ich informiert bin, die Ressourcen dem Ende zu - dann machen wir munter auf Elektro weiter.


mi

Na ja, dann wird es wohl dazu kommen, daß man an dem, was man heute Tankstelle nennt, einfach die leeren Batterien seines Autos gegen volla austauscht.

Damit wären die Probleme mit der langen Ladezeit und die mit den (im Vergleich zu Erdölprodukten) niedrigen Strompreisen gelöst!

herberger
04.06.10, 22:34
Frage woher kommt der Strom für die Elektro Autos,aus Windmühlen,Atom oder Kohle und Öl?

opppa
09.06.10, 16:40
Frage woher kommt der Strom für die Elektro Autos,aus Windmühlen,Atom oder Kohle und Öl?

Wenn Du so direkt fragst, werden wir - zumindest für eine Übergangszeit - noch auf Atomstrom angewiesen sein.
Langfristig wird es uns wohl irgendwann gelingen, auf Atomstrom zu verzichten, weil das Gesamtrisiko und die Folgekosten bei der Endlagerung der Brennstäbe nicht auf ewig von den Konzernen auf den Staat umgelagert werden können, um die Gewinne der Konzerne zu "schonen".

KOTZFISCH
11.06.10, 21:56
Atomstrom einsetzen, Kohle zu Benzin verflüssigen,Auto fahren,500 Jahre lang mit heimischer Kohle.In dem Idiotenland geht das aber nicht.