Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [Sammelstrang] Libertarianismus
Der Libertarianismus als politische Idee besitzt tief reichende Wurzeln; nicht nur in ökonomischen und gesellschaftstheoretischen Spektren, sondern gerade auch in weniger beachteten Wissenschaften wie der Moralphilosophie, der Psychoanalyse oder auch der utopischen sowie der Technikphilosophie. Um diesbezüglich Ideen für künftige Diskussionsmöglichkeiten einzufangen, würde ich gern einige grundlegende Fragen stellen:
1. Was sind die generellen Vorteile eines strikt deregulierten Marktes; wo erkennt Ihr dessen Problematiken?
2. Welche ethischen Beschaffenheiten benötigt eine Entität, um in libertären sozialen Netzwerken bestehen bzw. erfolgreich interagieren zu können?
3. Welche Organisationsformen industrieller bzw. wirtschaftsstruktureller Markteinheiten könnten sich bewähren, welche würden scheitern? Ich denke hierbei vor allem an die mit dem individualanarchistischen System konkurrierenden Lehren des Anarchosyndikalismus oder auch Chestertons Distributismus.
Auf vielseitige Antworten hoffend,
NukNuk
Ach Archi, du solltest kein Lehrer sein, sehr trockene Thematik.
Zur Frage 1: Das Problem des Monopols, das Problem der Geldhortung.
Ach Archi, du solltest kein Lehrer sein, sehr trockene Thematik.
Hätte ich noch'n paar Musels erwähnen sollen?
^^
NukNuk
Häte ich noch'n paar Musels erwähnen sollen?
^^
NukNuk
Nein, aber ein Bezug zur staatlichen Realität wäre nett gewesen.
Nein, aber ein Bezug zur staatlichen Realität wäre nett gewesen.
Staatliche Institutionen zu beachten ist unnötig. Libertarianismus kann auch gut im Schatten grösserer Systeme blühen. Oder sich von deren faulenden Wurzeln nähren.
; )
NukNuk
Ich hatte letztens einen faszinierenden Artikel zum Thema ausgegraben.
Leider weiss ich nicht, da ich eben las, von Heise dürfe nicht zitiert werden, ob denn zumindest eine Verlinkung statthaft sei. Sollte dies nicht erwünscht sein, bitte den Beitrag wieder löschen.
; )
Hier isser... (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4221/1.html)
NukNuk
Staatliche Institutionen zu beachten ist unnötig. Libertarianismus kann auch gut im Schatten grösserer Systeme blühen. Oder sich von deren faulenden Wurzeln nähren.
; )
NukNuk
Das hört sich ja fast mafiös an ....
Das hört sich ja fast mafiös an ....
Das ist libertär...
:D
Aber es stimmt; da Libertäre das Steuersystem als institutionalisierten Diebstahl individuell erwirtschafteten Eigentums betrachten, kommt von etatistischer Seite sehr gern der Vorwurf, man agiere - da man zum Wohle der Freiheit des Einzelnen gegen die staatlich vernormte Nächstenliebe verstösse - kriminell.
Von daher auch eine interessante Frage:
Unter welchen Umständen - wenn überhaupt - ist die absolute Freiheit des Individuums einzuschränken und wer darf hierbei an der Entscheidung mitarbeiten?
Acheiropoietos
mentecaptus
26.07.09, 16:50
Ich hatte letztens einen faszinierenden Artikel zum Thema ausgegraben.
Leider weiss ich nicht, da ich eben las, von Heise dürfe nicht zitiert werden, ob denn zumindest eine Verlinkung statthaft sei. Sollte dies nicht erwünscht sein, bitte den Beitrag wieder löschen.
; )
Hier isser... (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4221/1.html)
NukNuk
Teil 1 von 10. Aber gerade Teil 10 klingt interessant: "Monopol und Copyright: Die Sollbruchstellen libertärer Ideologie", denn bei Bestehen eines Monopols hat sich der Markt zu Tode gesiegt. Und mit dieser eigenen "Apokalypse" muss sich eine Theorie eben auch auseinandersetzen, wenn sie denn als praxistauglich gelten will und soll. Und wie der Author des Artikels bereits gleich am Anfang feststellt, findet bei den libertären Apologethen eine Auseinandersetzung mit den Fehlern und Schwächen ihrer Ideologie selten bis gar nicht statt.
Das ist libertär...
:D
Aber es stimmt; da Libertäre das Steuersystem als institutionalisierten Diebstahl individuell erwirtschafteten Eigentums betrachten, kommt von etatistischer Seite sehr gern der Vorwurf, man agiere - da man zum Wohle der Freiheit des Einzelnen gegen die staatlich vernormte Nächstenliebe verstösse - kriminell.
Von daher auch eine interessante Frage:
Unter welchen Umständen - wenn überhaupt - ist die absolute Freiheit des Individuums einzuschränken und wer darf hierbei an der Entscheidung mitarbeiten?
Acheiropoietos
Nun, die Entscheidung sollte bei jedem selbst liegen.
Die eigene Freiheit für das allgemeine Wohl einzuschränken ist eine große Tugend, Solidarität.
Sie hat nichts mit dem Sozialismus zu tun, der sie befiehlt, sondern sie ist höchst liberal.
Die freie Entscheidung für das größere Wohl selbst zu verzichten.
So sehe ich Leute, die eine Freiheit jedem aufzwingen wollen, auch wenn er auf diese verzichtet auf einer gleichen Stufe mit den Sozialisten, die eine Unfreiheit den Leuten aufdrängen wollen.
So ist wohl nicht die Frage, ob libertär, oder sozialistisch, sondern eher, ob man einer liberalen Gesellschafts und Wirtschaftsform eher eine sozialistische Komponente mit höheren Steuern etc aufdrängt, oder die Gemeinschaft vernachlässigt.
Nach Überlegungen habe ich mich für den eher sozialistischen Zwang im liberalen entschieden, da der Mensch wohl in seiner Art so beschaffen ist, das er umsorgt werden muss und selbst sorgt und noch nicht weit genug ist, sich selbst alleine zu versorgen.
Jemanden zur Freiheit zu zwingen, ist natürlich ein Widerspruch in sich. Denn niemand kann gezwungen werden, sich in ein Nichtsystem zu involvieren. Denn die Freiheit als Idee ist ja kein System, sondern einfach nur vorschriftsleerer Raum. Und in diesem bestimmt schliesslich niemand - schon per definitionem - dass Du Dir Deine eigenen Vorschriften bzw. moralischen Grundhaltungen nicht selbst festsetzen darfst. Du kannst also frei sein und gleichzeitig in sozialistischem Habitus Deiner Umwelt dienen.
Das Problem liegt eher im Gegenteil - einmal systemisiert, wird es schier unmöglich, den Raum der Freiheit wieder zu betreten, ohne gegen etatistisch bestimmte Vorschriften zu verstossen (und hierfür sanktioniert zu werden). Ich verweise hierbei auf die gesellschaftsvertraglichen Ideen des Hobbes. Einmal einen solchen umnterzeichnet, besitzt dieser auch noch für die Nachgeborenen Gültigkeit. Er wird generell nicht von Individuum zu Individuum neu verhandelt; er wird oktroyiert.
Deinen Satz
Die eigene Freiheit für das allgemeine Wohl einzuschränken ist eine große Tugend, Solidarität.
kann ich so jedoch gern unterzeichnen.
Libertarier sind ja nicht per se kaltschnäutzig.
; )
bei Bestehen eines Monopols hat sich der Markt zu Tode gesiegt
Das mag richtig sein, geht man von einem Modell der Energieäquivalenz aus. Betrachtet man jedoch, dass Produktion und Handel gerade immer neue Werte erschaffen, so schlussfolgert sich hieraus automatisch, dass keine Scheitelpunkte existieren und somit keine Monopole entstehen können.
NukNuk
Duc de Blangis
28.07.09, 10:11
Hm. Ich habe mir die Beiträge dieses Stranges eben durchgelesen und meine eigenen Gedankengänge darin teils wiedergefunden, die Hauptpunkte jener wurden hier bereits im Wesentlichen abgearbeitet.
Abseits von Grundsatzdebatten über die ökonomische Funktionalität des Libertarismus hat mich, nicht zuletzt warf sich der Wunsch nach gründlicher Auseinandersetzung mit diesem Thema seit dem Antritt meines Präsenzdienstes auf, das Gefühl völliger Emanzipation von meinen Mitmenschen und der gesellschaftlichen Herrschaftsform und dem Hierarchiesystem an sich schon immer auf gewisse Weise fasziniert. Es ist das Ausgeliefertsein gegenüber Fremdherrschaft, also die pure empfundene Widerwärtigkeit der Fremdbestimmung, auf das das Fundament meiner Sympathie für den Libertarismus und mehr noch den Individualanarchismus baut. Konsequent weitergedacht resultierte diese Ablehnung völliger erzwungener Verpflichtung in der Ablehnung jeglichen Staates, der Pflichten auferlegt, was natürlich zur Folge haben muss, dass man dem Staate auch keine Pflichten, außer die Wahrung einer Pflichtfreiheit natürlich, auferlegen darf und kann.
Allerdings möchte ich diesen Gedanken gar nicht weiterverfolgen, da der Libertarismus an sich im Angesicht der generellen Unfreiheit des Menschen von Geburt an - uns seien es nur die familiären Bande, die ihn von Geburt an binden - lächerlich scheint. Unvoreingenommen betrachtet ist der Mensch seit jeher unfrei, das ist die Wahrheit, geknechtet und geliebt zugleich von der Gemeinschaft. Tja. Alles in allem...die Freiheit, sie ist etwas unmenschliches.
Aber für den Misanthropen, den Soziopathen, der ich bin, muss sie das höchste Ziel sein, ein Synonym für die völlige Emanzipation von seinen Mitmenschen. Aber bedenkt man, dass die Freiheit nun also etwas unmenschliches ist, so muss sie gleichsam auch etwas für den Menschen zutiefst unvernünftiges sein und eher ein Zustand, den man in äußerster Rage und Flucht vor der Gesellschaft anstrebt und, freilich, nie erreichen wird.
Bezüglich des ökonmischen Liberalismus bietet der Stern ein interessantes Extra-Heft. Sehr informativ und keineswegs trocken.
Libertäre Wirtschaft führt letzlich zu einer konsumorientierten, materialistischen Gesellschaft, das sind nicht ganz meine Ideale. ;)
Geistlichkeit wird dem Fortschritt geopfert. Alles dreht sich um Wachstum und Geld. Dabei wurde niemand jemals durch Geld reich.
0PaN9M4WwHw
:thumbsup:
NukNuk
M. F. fasziniert mich immer wieder. Danke für den Beitrag.:-)
M. F. fasziniert mich immer wieder. Danke für den Beitrag.
Ich muss mich anstrengen.
Fast schon hab ich es geschafft, einen befreundeten Abgeordneten zu überreden, seine parteipolitischen Begrifflichkeiten (im Konsens des Programms natürlich) libertär zu restrukturieren. Er möchte lediglich ungern die soziale Komponente nullifizieren, da er befürchtet, es koste ihn Wählerstimmen, obwohl es vernünftig ist.
:-D
NukNuk
... es koste ihn Wählerstimmen
In Deutschland? Das meinst Du doch nicht ernst, oder?:-D
In Deutschland?
Du lieber Himmel...
ja!
:-D
Wie wir sehen, besitzt Deutschland ein gewaltiges Demokratiedefizit: Die Wähler. Die gehören zu ihrem eigenen besten abgeschafft. Bestenfalls bis zu einer gewissen Bildungs- und Einkommensgrenze.
NukNuk
Die gehören zu ihrem eigenen besten abgeschafft. Bestenfalls bis zu einer gewissen Bildungs- und Einkommensgrenze.
Die Sozialdemokraten aller Parteien arbeiten doch schon daran.:-D
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