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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die militärische "Ruhmeshalle"


ThiloS
18.08.09, 11:16
Wir fangen mal mit einem an:

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Sir Aylmer Gould Hunter-Weston * 1864; † 18. März 1940 in Hunterston, Ayrshire

In den Schickeria-Kreisen des Londoner Militärs galt General Aylmer Hunter-Weston als ganz reizender und umgänglicher Herr – nur, sobald jener Herr an einen Kartentisch gestellt wurde, zog Hunter-Weston eine Art „Dr. Jekyll and Mister Hyde“-Nummer ab und bemühte sich nach Kräften, ein Maximum an Verlusten sicherzustellen. Und zwar bei den eigenen Truppen.

Hunter-Weston, bei seinen Soldaten auch „Hunter-Bunter“ genannt, weil er sie mit seiner Leibesfülle an den fetten Komiker Billy Bunter erinnerte, bekam von den Historikern den „Ehrentitel“ „Schlächter von Helles“, nachdem er im ersten Weltkrieg gemeinsam mit anderen an einer richtigen Front nicht verwendbaren Generalsresteposten zu der unseligen „Invasion“ von Gallipoli entsandt worden war.

Hunter-Weston hatte man das Kommando über die Speerspitze der Landung anvertraut, die britische 29ste Division, eigentlich eine Elitetruppen, die, im Gegensatz zu den britischen Freiwilligenbataillonen des ersten Weltkrieges, aus hartgesottenen Berufssoldaten bestand – aber nicht hartgesotten genug für einen Befehlshaber wie Hunter-Bunter.

Bereits vor der Landung trat Hunter-Weston, ganz Motivator, vor seine Männer und erklärte ihnen, sie hätten „schwere Verluste durch Kugeln, Minen, Granaten und Ertrinken“ zu erwarten und ich könnte mir bei einem Typen wie Hunter-Bunter durchaus vorstellen, dass er ein „bei Problemen findet Ihr mich im Offizierssalon des Flaggschiffs“ hinzufügte.

Natürlich hielt es Sir Hunter-Weston für unter seiner Würde, sich so etwas wie Landkarten der Landungszone zu beschaffen oder sich wenigstens einen Standpunkt zu suchen, der ihm zumindest ansatzweise einen Überblick über das Geschehen am Strand hätte geben können. Und so wurde bereits die Landung zu einem blutigen Desaster.

Mangels geeigneter Gefährte – Elitetruppen benötigen so etwas natürlich nicht – wurde die 29ste auf Ruderbooten, die von Dampfbarkassen, von denen wiederum wenigstens zwei von 13-jährigen Seekadetten gesteuert wurden, direkt vor den Maschinengewehren der türkischen Verteidiger angelandet, die gar nicht groß zu zielen brauchten, um ihren Gegner zu dezimieren.

Während Hunter-Weston noch darüber schwadronierte, dass er „froh sei, die jungen Hunde an Blut gewöhnt zu haben“, verloren seine Brigaden an vier der fünf Landeabschnitte bis zu 70% ihrer Mannstärken.

Doch damit nicht genug: Hunter-Weston, der seinen paar restlichen Soldaten funkte, dass er erwarte, „jeder Mann solle eher auf seinem Posten sterben, als sich zurückzuziehen“, ignorierte in seiner kernigen Aufregung völlig, dass die Landung am fünften Abschnitt aus Versehen komplett und total gelungen war, schlicht, weil es keine türkischen Verteidiger dort gab.

Nun wäre ja Hunter-Bunter nicht wirklich ein blutiger Komiker gewesen, wenn er nun die einfachste Sache der Welt getan hätte, die sogar einem seiner dreizehnjährigen Dampfbootfahrer eingefallen wäre: nämlich mit den Truppen der fünften Landezone die Türken im Rücken zu fassen, um die paar panischen und zusammengeschossenen Hanseln an den anderen Landezonen zu entlasten. Nein, Sir Hunter-Weston entschied sich für die einfachste aller Lösungen: er tat gar nichts.

Und während die Truppen des fünften Landeabschnitts sich mangels Befehl in der Gegend herumtrieben und so ein wenig an ihren Verteidigungsanlagen herumbastelten, blieben die anderen Truppen unter Feuer.

Nachdem sich die Soldaten des fünften Landeabschnitts schließlich aufgrund der unklaren Befehlslage und einiger mittlerweile einigermaßen halbherzigen Gegenangriffe der im Verhältnis 1:3 unterlegenen Türken wieder zurückzogen und ihre Landezone in völliger Auflösung räumten, entschloss sich Hunter-Weston zur originellen Idee einer Reihe von Frontalangriffen bei hellichtem Tage auf die Stellungen von Achi Baba und Krithia, in die sich die Türken, die wohl das Gemetzel am Strand satt hatten, zurückgezogen hatten.

Diese wahnwitzige Art von Angriffen verschlang konsequenterweise satte drei Divisionen und Hunter-Weston erlitt als eine Art „Heimatschuss“ einen Nervenzusammenbruch, wahrscheinlich, weil es beispielsweise von den 1.100 Mann des in die 29ste Division integrierten 1st Royal Dublin Fusiliers Bataillon immerhin 11 Mann gab, die Hunter-Bunters unsorgfältig geplante Kaspereien völlig unversehrt überstanden.

Das englische Oberkommando, dem die konsequente Vernichtung der britischen Arbeiterklasse wohl sehr imponiert hatte, beförderte in der Zwischenzeit den in England von einem bösen Sonnenstich genesenden Hunter-Weston zum Oberkommandierenden des noch auf Gallipoli stehenden VIII. Korps, nur um dieses wenig später abzuziehen und zur Abwechslung an die Westfront, speziell dort die Somme zu verlegen.

Hunter-Weston, nach seiner Rekonvaleszens wieder ganz der Alte, konnte es gar nicht erwarten, sein altes Korps wieder zu übernehmen, um auch die letzten 11 Mann, die er nicht hatte killen können, endgültig kaltzumachen. Die Wiedersehensfreude war sicher nur sehr einseitig.

Sein Oberbefehlshaber, Sir Douglas Haig, hatte die keineswegs neue Idee, einfach Hunderte von Geschützen zusammenzuziehen und auf engstem Raume auf die deutschen Stellungen zu ballern, gleich anschließend die Infanterie stürmen zu lassen und damit ein Loch in die deutsche Front zu hauen.
Wenn dieser dämliche Plan von vorneherein auch nur die allergeringste Chance auf Erfolg gehabt hätte, so verstand es Hunter-Bunter, selbst diese winzige Chance zu vermasseln, indem er mal wieder sein eigenes Ding durchzog.

Das Schlachtfeld an der Somme war sowieso schon ein matschiges Sumpfgelände, aber Haigs und Hunter-Westons witzige Strategien machten es vollends unbegehbar.

Hunter-Weston, gebrieft durch seine Erfahrungen auf Gallipoli, erzählte den armen Schweinen, die ihn schon wieder als Hauptgewinn gezogen hatten, diesmal würde alles ganz leicht: die Artillerie würde die Stacheldrähte derart zerreißen und die deutschen Stellungen zerschmettern, dass der Angriff quasi ein Spaziergang werden würde. Wurde er auch: in den Tod.

Immerhin: 6 Tage dauerte das Trommelfeuer, insgesamt fielen auf 24 Kilometer Frontabschnitt 1,5 Millionen Granaten, pro Stunde und Frontkilometer fast 400 Einschläge.

In Hunter-Westons Frontabschnitt endete am 1.7.1916 der letzte Feuerorkan von 3500 Granaten pro Minute auf seinen Befehl 10 Minuten früher als geplant, wahrscheinlich, damit die paar überlebenden Deutschen genug Zeit hätten, ihre Unterstände zu verlassen und ihre MG gegen die Engländer in Stellung zu bringen

Durch ihre Ferngläser konnten die englischen Offiziere des VIII. Korps erkennen, dass die Stacheldrahtverhaue der Deutschen keineswegs durchtrennt waren, aber Hunter-Weston bestand darauf, dass dies sogar ganz sicher der Fall sei und befahl, während er seinen Untergebenen ganz offensichtlich ins Gesicht log, den Angriff bei hellichtem Tag, frontal und auch noch „Schulter an Schulter“, um wirklich allerbeste Voraussetzungen für einen neuen Verlusterekord zu schaffen.

So quollen im prasselnden Regeln Hunter-Westons arme Soldaten bei den Pfiffen ihrer Unteroffiziere aus den Gräben und taumelten im Schlamm, aufgereiht wie die Puppen, den deutschen Linien, Maschinengewehren und Stacheldrahtverhauen entgegen.

Nur etwa 2/3 von Hunter-Westons Truppen erreichten überhaupt die Drahtverhaue, die durch den Beschuss noch undurchdringlicher waren als das Dickicht am Amazonas, irrten dort auf der Suche nach begehbaren Gassen umher und wurden reihenweise von ihrem Gegner niedergemäht.

Hunter-Weston, der mittlerweile mitbekommen hatte, dass man ihm das frühe Einstellen des Artilleriefeuers krummnehmen könnte, war unterdessen damit beschäftigt, die diversen Stäbe anzurufen und sich bitterlich über die Artillerie zu beschweren, die ihn „im Stich gelassen“ hätte.

Mittlerweile stauten sich auch die Angreifer der zweiten und dritten Welle vor dem deutschen Stacheldraht, es war taghell, die Sicht perfekt und es gab kaum Deckung und die deutschen MG-Schützen hatten mittlerweile mehr Angst vor Munitionsmangel als vor ihrem hilflosen Gegner.

Angeekelt von dem Gemetzel stellten sie, wahrscheinlich sehr zum Ärger vom Hunter-Weston, schließlich sogar das Feuer und damit ihre Mitarbeit ein, um den Überlebenden und Verwundeten des neuerlichen Rekordversuchs die Gelegenheit zu geben, zu den eigenen Linien zurück zu kriechen, deren Verbandplätze katastrophal überlastet waren.

Als sich eine gnädige Nacht über das grundlose Schlachtfeld senkte, hatten die Engländer 57.000 Soldaten verloren, von diesen gingen allein 14.000 Tote und Verwundete auf das hohe Überziehungskonto von Hunter-Bunter.

Aber immerhin: Diesmal hatte er es geschafft und seine persönliche Bestleistung von Elf Überlebenden getoppt! Erstmalig überhaupt in der Militärgeschichte waren ganze Bataillone bei einem einzigen Angriff bis zum buchstäblich allerletzten Mann vernichtet worden. Hunter-Westons Korps hatte kein einziges seiner Ziele erreicht, dafür aber die höchsten Verluste überhaupt zu verzeichnen. Der Tag ging als „schwarzer Tag des britischen Heeres“ in die Geschichte ein.

Hunter-Weston sollte trotzdem noch oft Gelegenheit haben, durch seine blutige Stümperei seine Soldaten zu killen und wäre der Krieg nicht 1918 beendet gewesen, so hätte Hunter-Bunter garantiert das komplette britische Heer ausgerottet.

Seiner politischen Karriere tat seine Blutsäuferei übrigens keinen Abbruch. Er saß in einem angenehmen Unterhaus-Sessel noch 27 Jahre im Parlament, bevor er unter ungeklärten Umständen im Jahr 1940 nach einem Sturz von einem Türmchen seines Hauses verstarb und böse Zungen behaupten bis heute, das englische Oberkommando hätte ihn da sicherheitshalber heruntergeschubst, bevor er als reaktivierter General den zweiten Weltkrieg zugunsten der Deutschen entscheidet.