Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Geschichte der Zuwanderung von 1950 bis heute
K.-H. Hirmer
20.01.10, 21:48
(In einem anderen PF hatte ich schon mal versucht, dieses Geschichtsthema zu diskutieren. Hat aus Zeitgründen nicht geklappt. Vielleicht gelingt es ja diesmal. Dieser Beitrag befasst sich zunächst mit den 50er Jahren.)
Vermutlich hat kein anderes Industrieland der Welt durch Einwanderung so einschneidende Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur erfahren, wie Deutschland seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts.
Eine Gesamtbetrachtung seit 1950
Mehr als 3,5 Millionen Menschen wurden eingebürgert (1). Dazu kamen 4,5 Millionen Aussiedler/Spätaussiedler(2), die zwar nominell Deutsche sind, aber als Fremde empfunden wurden. 3,25 Millionen Menschen stellten in Deutschland einen Asyl-Erstantrag (3), von denen ca. 250.000 genehmigt wurden. Ebensoviele Personen erhielten sog. subsidiären Schutz (4) und leben mit ihren Familien unter uns. Seriöse Schätzungen gehen von 500.000 bis 1.000.000 illegal aufhältigen Personen aus (5). Und last but not least leben nach dem Ausländer-Zentralregister knapp sieben Millionen registrierte Ausländer in Deutschland.
Die Ursachen
Für diese Entwicklung gibt es geschichtlich gesehen im Wesentlichen zwei Ursachen.
Erstens muss man die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes betrachten. Die erste große Welle von Einwanderern wurde auf Drängen der Wirtschaft und der Politik ins Land geholt. Und damit eine wesentliche Basis für weitere Einwanderung geschaffen.
Zweitens spielt bei dieser Entwicklung die Teilung unseres Landes eine große Rolle. Durch die Abriegelung der innerdeutschen Grenze 1961 entfiel der Zustrom von deutschen Arbeitnehmern aus der DDR. Diesen Ausfall glaubte man durch die Anwerbung von Arbeitskräften im Ausland kompensieren zu können.Gehen wir dazu an die Anfänge zurück.
Die Deutschen unter sich - Ausländerzahlen der fünfziger Jahre
Die Deutschen waren in den fünfziger Jahren nach dem Abzug der 7,7 Millionen Zwangs- und "Fremdarbeiter", die im Dritten Reich in Deutschland gearbeitet hatten, weitgehend unter sich. Im Jahr 1950 lebten 567.900 Ausländer in Deutschland. Das entsprach 1,14% der Bevölkerung. Diese Zahl fiel bis 1955 sogar auf 484.800. Die Wirtschaft konnte Anfang bis Mitte der fünfziger Jahre ihren Bedarf an Arbeitskräften fast vollständig aus dem enormen Reservoir der Rückkehrer aus Kriegsgefangenschaft und dem Zustrom von Heimatvertriebenen decken. So dass eine Beschäftigung von Ausländern auch nicht erforderlich war. Dazu kam der Zustrom von deutschen Arbeitnehmern aus der sowjetischen Besatzungszone (SBZ), die als Interzonenflüchtlinge nach Westdeutschland umsiedelten. (6)
Aber bereits Mitte der fünfziger Jahre wurden in der Landwirtschaft die Arbeitskräfte knapp. Die Deutschen zogen es vor, die besser bezahlten Jobs in der Industrie und dem Bergbau anzunehmen und dafür auch umzuziehen. Dazu kam, dass viele Industriebetriebe sowie der Bergbau Wohnungen für ihre Arbeitskräfte bereitstellten, die bei günstigen Mieten für die damalige Zeit einen hohen Komfort boten. In diesen Jahren war günstiger Wohnraum ohnehin knapp. Die Zerstörungen durch den Bombenkrieg waren trotz großer Wohnungsbau-Programme längst noch nicht überwunden.
Die Industrie konnte sich zu der Zeit großzügige Angebote an Löhnen und das Locken mit Werkswohnungen auch leisten. 1953 setzte der sog. "Korea-Boom" ein, der für einige Jahre Deutschlands Industrie Rekordabsätze brachte. Die Amerikaner brauchten für den Korea-Krieg alles an Stahl, was auf der Welt noch gefertigt werden konnte. Deutschland war eines der wenigen Länder, die entsprechende Kapazitäten noch aus der Kriegszeit zur Verfügung hatten. Kurzerhand wurden von den Amerikanern - sehr zum Ärger der Franzosen - sämtliche bis dahin noch geltenden Fertigungs-Höchstgrenzen für die deutschen Industrien abgeschafft. Die deutsche Wirtschaft brummte und man schaffte die sog. "goldenen 50er Jahre". Aus diesen Gründen setzte eine Binnenmigration innerhalb Deutschlands ein, in der die Deutschen aus den Landwirtschaftsgegenden in die Industriereviere umsiedelten.
Um Ersatz-Arbeitskräfte, vornehmlich im Bereich der Landwirtschaft, zu beschaffen, schloß die junge Bundesrepublik im Jahr 1955 zunächst mit Italien ein Anwerbeabkommen ab. Dieses Anwerbeabkommen mit Italien ist dafür verantwortlich, dass die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer ab Mitte der fünfziger Jahre überhaupt eine - geringe - Steigerung erfuhr. Die Zahl der Italiener stieg dadurch von 25.800 im Jahr 1955 auf 196.700 im Jahr 1961. Man kann also sagen, dass fast der gesamte Zuwachs der ausländischen Wohnbevölkerung von 1955 bis 1961 auf dieses Abkommen mit Italien zurückzuführen ist. Im Jahr 1961, betrug die Zahl aller in Deutschland lebenden Ausländer 686.200. Und damit gerade mal 1,22% der Bevölkerung. (6)
Zusammengefasst kann man über die 50er Jahre sagen:
Deutschland war - nahezu - "ausländerfrei". Durch den Korea-Boom, immenser Binnennachfrage durch Beseitigung von Kriegschäden, der Rückkehr zu den Weltmärkten und einer weitgehend noch ohne Automatisierung betriebenen Produktion, schaffte es Deutschland Millionen von Vertriebenen, Flüchtlingen und Heimkehrern aus der Kriegsgefangenschaft in ein Arbeitsverhältnis zu bringen und dabei bescheidenen Wohlstand wieder herzustellen. Eine Notwendigkeit Ausländer zu beschäftigen gab es nur in Randbereichen, da im großen und ganzen genügend eigene Kräfte zur Verfügung standen.
Quellen:
(1): Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Working Paper 17, Die Einbürgerung von Ausländern in Deutschland, (http://www.bamf.de/cln_092/nn_444062/SharedDocs/Anlagen/DE/Migration/Publikationen/Forschung/WorkingPapers/wp17-einbuergerung.html) zweite aktualisierte Auflage, Seite 23, Nürnberg, Oktober 2008
(2): Eigene Berechnung. Datenbasis aus:
Bundesministerium des Innern (BMI), Info-Dienst Deutsche Aussiedler Nr. 116, September 2003, Seite 10, ISSN: 0942-7252 (nur als Printversion vorliegend)
BAMF, Migration, Integration und Asyl in Zahlen (http://www.bamf.de/cln_101/nn_443728/SharedDocs/Anlagen/DE/DasBAMF/Publikationen/broschuere-statistik-2005.html) , 14. Auflage, Seite 65, Nürnberg, 31.12.2005
BAMF, Abschlußbericht Zuwanderung und Intgeration von (Spät-)Aussiedlern - Ermittlung und Bewertung der Auswirkungen des Wohnortzuweisungsgesetzes (http://www.bamf.de/cln_101/nn_441806/SharedDocs/Anlagen/DE/Migration/Publikationen/Forschung/Forschungsberichte/fb3-wohnortzuweisungsgesetz.html?__nnn=true) , Seite 21, Nürnberg 2007, ISBN: 3-9807743-7-6
(3): BAMF, Asyl in Zahlen 2008 (http://www.bamf.de/cln_101/nn_442110/SharedDocs/Anlagen/DE/DasBAMF/Publikationen/broschuere-asyl-in-zahlen-2008.html), Seite 9, Nürnberg, Juli 2009
(4): Eigene Schätzungen auf der Basis der Daten o. g. Quellen, sowie der Migrationsberichte der Bundesregierung
(5): BAMF, Working Paper 2, Illegalität von Migranten in Deutschland (http://www.bamf.de/cln_092/nn_441806/sid_B5B40819B39BC2BC850863D75C0571E1/SharedDocs/Anlagen/DE/Migration/Publikationen/Forschung/WorkingPapers/wp2-Illegalitaet.html?__nnn=true), Seite 7, Nürnberg, 2005
(6): Zu allen Zahlenangaben dieser Absätze vgl.
Ulrich Herbert, Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland (http://www.bpb.de/publikationen/2WSDX8,,0,Geschichte_der_Ausl%E4nderpolitik_in_Deu tschland.html), Seiten 192 - 201, Verlag C. H. Beck, München 2001, Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, ISBN: 3-89331-499-7,
Die Ausländer haben die BRD nach dem Krieg wieder aufgebaut.
Mei Rent is da
Dank Ausländer wunnebar
Danke danke liebe liebe Ausländer.
Stolzdeutscher
21.01.10, 18:57
Die Ausländer haben die BRD nach dem Krieg wieder aufgebaut.
Mei Rent is da
Dank Ausländer wunnebar
Danke danke liebe liebe Ausländer.
Huch,wir tun dem Ausländer Unrecht:Er ist der Retter der Nation,seine Trümmerfrauen haben die Trümmer beseitigt,seine Männer haben Deutschland wie Phoenix aus der Asche auferstehen lassen,Halleluja!
Der deutsche lag währendessen faul im Gras und vergnügte sich mit anderen Sachen!Hoch leben die Retter Deutschlands!
Freibeuter
21.01.10, 19:00
Wie viele Ausländer haben wir jetzt in der BRD ? 19 Millionen ?:eek:
K.-H. Hirmer
21.01.10, 19:29
Betrachtet man die Einwanderungspolitik, muss auch der Blick auf die Aussiedler/Spätaussiedler fallen. Zwar sind diese Menschen nominell Deutsche, wurden und werden noch häufig als Fremde wahrgenommen. Wenn auch der Zuzug von Aussiedlern im großen Rahmen erst in den 80er/90er Jahren stattfand, so lassen sich doch die Anfänge des Aussiedler-Zuzuges in den 50er Jahren erkennen. Davon handelt dieser Beitrag.
Aussiedler in den fünfziger Jahren
Von 1950 bis 1959 kamen 438.000 Menschen als Aussiedler nach Deutschland. Mit 292.000 Personen steht Polen in den fünfziger Jahren als Herkunftsland deutlich an Spitze. Das ehemalige Jugoslawien belegt mit 57.000 Aussiedlern den zweiten Platz. Die ehemalige UdSSR (13.500) spielt in diesem Zeitraum als Herkunftsland noch keine besondere Rolle. Sehen wir uns deswegen die Nachkriegssituation in Polen an.
Im polnischen Staat lebten nach den Grenzziehungen des Ersten Weltkrieges bereits erhebliche deutsche Minderheiten, die dort durch jahrhundertealte Ostsiedlung der Deutschen ansässig waren. Diese Gruppen waren in der Regel zweisprachig und noch nicht vollständig assimiliert. Man sprach auch von einem "schwebenden Volkstum" um die Identitätsunsicherheiten durch den Gegensatz zwischem deutschen Selbstverständnis und polnischen kulturellen Traditionen zu kennzeichnen.
Ausweisungen und Vertreibungen
Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde bekanntlich der polnische Staat von den Sowjets nach Westen verschoben. Die UdSSR behielt die östlichen Landesteile Polens und entschädigte die Polen mit den deutschen Ostgebieten jenseits der Oder und der Lausitzer Neiße. Aus diesem Grund kamen zur Gruppe der "alteingesessenen" am Ende des Zweiten Weltkrieges 8,8 Millionen Deutsche hinzu. Die teilten sich wie folgt auf:
Ostpreußen:_______1,3 Millionen
Pommern: _________1,8 Millionen
Ostbrandenburg:____0,6 Millionen
Niederschlesien:____3,0 Millionen
Oberschlesien:_____1,7 Millionen
Freie Stadt Danzig__0,4 Millionen
Von diesen 8,8 Millionen Menschen in den deutschen Ostgebieten waren bis Kriegsende 3,6 Millionen vor der heranrückenden Roten Armee geflohen. In den Jahren 1945 bis 1950 wurden weitere 3,5 Millionen Deutsche aus den neuen polnischen Grenzen ausgewiesen und/oder vertrieben, da man sie als mitschuldig an den Verbrechen der Nazis ansah.
Das führte dazu, dass 1950 nur noch ca. 1,7 Millionen Deutsche im neu entstandenen Polen lebten. Als Gründe für das Bleiben dieser Deutschen lassen sich im wesentlichen angeben, dass viele Deutsche hofften, es werde zu einer Wiederherstellung eines vereinigten Deutschlands in den Grenzen von1937 kommen. Man wollte Haus und Hof nicht vorzeitig aufgeben und hoffte in den Jahren der Rechtlosigkeit in der angestammten Heimat "überwintern" zu können. Ein weiterer Grund war, dass es z. B. im Gebiet Oberschlesien noch relativ große und geschlossene deutsche Minderheiten gab. Das bot zumindest einen gewissen Schutz innerhalb der eigenen Gemeinschaft.
Außerdem machten die Polen bei der Ausweisung und Vertreibung einen Unterschied. Die "alteingesessenen" Deutschen, die vormals bereits die polnische Staatsangehörigkeit hatten, konnten die sog. "Rehabilitierung" beantragen. Verifizierungskommissionen prüften die polnische Abstammung der Antragsteller, wobei oft schon ein polnisch klingender Familienname und eine Treueerklärung für Polen ausreichten, um anerkannt zu werden. Diesen Weg der "Verifizierung" wählten ungefähr eine Million Deutsche, um unter erträglichen Bedingungen in der angestammten Heimat bleiben zu können.
1950/51: Der Wandel in der polnischen Politik gegenüber den Deutschen
Im Jahr 1949 stellte Polen die Ausweisungen der Deutschen ein. Man erkannte, dass die noch im Land verbliebenen Deutschen wertvolle Arbeitskräfte für den Aufbau des Landes waren und änderte die Politik ihnen gegenüber. In den neu zu Polen gekommenen Oder/Neiße-Gebieten wurden 250.000 Deutsche als Minderheit anerkannt, die gesetzlichen Diskriminierungen beendet und eine - bescheidene - Minderheitenpolitik initiiert. Die restlichen in Polen lebenden Deutschen waren entweder durch die "Verifizierung" zu Polen geworden, oder es wurde ihnen von Amts wegen bis 1951 die polnische Staatsangehörigkeit verliehen. In der anerkannten deutschen Minderheit entstand ein deutsches Kulturleben mit deutschen Schulen, Bibliotheken, Gesangsvereinen und deutschsprachigen Zeitungen. Das wurde zunächst vom polnischen Staat gefördert.
Da diese Deutschen aber in den Oder/Neiße-Gebieten lebten, also ehemals deutsches Gebiet, bestanden entsprechend vielfältige Verwandschaftsbeziehungen zu den Deutschen in der DDR und der Bundesrepublik. Die Verwandschaften begründeten sich nicht zuletzt dadurch, dass ja die Bundesrepublik und die DDR die der Vertriebenen/Ausgewiesenen aus Polen aufgenommen hatten. 1955 gelang es dem Roten Kreuz eine Familienzusammenführung zu erreichen, in deren Verlauf bis 1959 ca. 40.000 Deutsche in die DDR übersiedelten und ca. 250.000 in die Bundesrepublik.
Damit war für Polen das Problem einer deutschen Minderheit weitgehend "gelöst". Die einst anerkannte Minderheit war ausgewandert, die verbliebenen "Deutschen" nominell Polen geworden. Das führte zur Einstellung der Minderheitenpolitik und -föderung und auch dazu, dass Polen als einziges Ostblockland bis 1989 die Existenz einer deutschen Minderheit leugnete.
Diese "Lösung" erwies sich allerdings als Trugschluß. Die verbliebenen Deutschen widerstanden dem "Polonisierungsdruck" und versuchten zumindest einiges an deutscher Kultur aufrechtzuerhalten. Da sie ihre deutsche Kultur in Polen nicht leben konnten, nutzten sie den Zusammenbruch des Ostblocks, um als Aussiedler nach Detuschland zu gehen. Das erklärt auch die hohen Aussiedlerzahlen aus Polen gegen Ende der achtziger Jahre. Dazu aber später mehr.
Grafik Aussiedlerzahlen 1950 - 1959 (http://www.pictureupload.de/originals/pictures/160809141056_Aussiedler.JPG)
Quellen:
Bundesministerium des Innern (BMI), Info-Dienst Deutsche Aussiedler Nr. 116, September 2003, ISSN: 0942-7252
Themenheft Aussiedler (http://www.bpb.de/publikationen/09920097607434969424015569020083,0,Aussiedler.html ) aus der Schriftenreihe "Informationen zur politischen Bildung" der Bundeszentrale für politische Bildung.
Wie viele Ausländer haben wir jetzt in der BRD ? 19 Millionen ?:eek:
Mit Aussiedlern, welche die größte Gruppe stellen (mit gewaltigem Abstand) und Menschen, die den deutschen Paß haben, aber einen Migrantenhintergrund, kommst du auf rund 17 Mio.
Freibeuter
21.01.10, 19:42
Mit Aussiedlern, welche die größte Gruppe stellen (mit gewaltigem Abstand) und Menschen, die den deutschen Paß haben, aber einen Migrantenhintergrund, kommst du auf rund 17 Mio.
Wie kommst du auf diese Zahl?
Wie kommst du auf diese Zahl?
Schauen und 3 Jahre drauf rechnen (http://www.migration-info.de/mub_artikel.php?Id=060502)
Freibeuter
21.01.10, 19:57
Schauen und 3 Jahre drauf rechnen (http://www.migration-info.de/mub_artikel.php?Id=060502)
Bei Netzwerkprojekten der Bundeszentrale für politische Verblödung...upps ...politische Bildung muß ich bestimmt noch so das eine oder andere Milliönchen mehr dazu rechnen, diesem Laden vertraue ich nicht .:kurt::nenene:
K.-H. Hirmer
23.01.10, 10:43
Jüdische Einwanderung in Deutschland
Auch wenn die Zahlen jüdischer Einwanderer aus der ehemaligen UdSSR stark zurückgegangen sind, so sind doch seit 1991 mehr als 220.000 jüdische Einwanderer nach Deutschland gekommen. Diese Einwanderung basierte auf einer Sonderregelung der DDR-Volkskammer, die vom wiedervereinigten Deutschland übernommen und fortgeführt wurde. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland (ZdJ) meldet sich in Fragen der Einwanderung und des Umganges mit Flüchtlingen gelegentlich zu Wort.
Grund genug, auch die Situation der Juden in Deutschland in den fünfziger Jahren zu beleuchten, denn sowohl der ZdJ als auch die jüdischen Gemeinden wurden in dieser Zeit gegründet und/oder neu aufgebaut. Allerdings werde ich zum besseren Verständnis die Entwicklung ab 1945 schildern.
1945: Kriegsende
Im Jahr 1933 lebten nach einer Volkszählung ziemlich genau 500.000 Juden im Deutschen Reich. Als am 8. Mai 1945 der Krieg zu Ende ging und das NS-Regime beseitigt war, gab es davon noch ca. 12 - 15.000 Menschen, welche die NS-Zeit in Deutschland überlebt hatten. Viele davon im Schutz ihrer nichtjüdischen Ehegatten (sog. "privelegierte Mischehen") oder auch in Verstecken. Ein prominentes Beispiel für das Überleben in Verstecken ist z. B. der spätere Fernsehmoderator Hans Rosenthal.
Bereits im Juli 1945 wurden in München, Frankfurt am Main und in anderen Städten neue jüdische Gemeinden ins Leben gerufen. Im Februar 1946 folgte die jüdische Gemeinde in Berlin. Diese Phase der Neugründungen jüdischer Gemeinden war bis Ende 1946 weitgehend abgeschlossen. In keiner der Gemeinden verstand man sich als Nachfolger der ehemaligen Gemeinden. Man wollte zunächst auch keinen Neuanfang für jüdisches Leben in Deutschland. Man ging davon aus, dass diese Gemeinden den Juden bis zu ihrer endgültigen Auswanderung eine religiöse Heimat bieten würden. Mitglieder waren einerseits diejenigen, die in Deutschland überlebt hatten, sowie Juden, welche in den KZ's der Nazis überlebt hatten und nach deren Befreiung in ihre Heimatorte zurückgingen. Aus dem Lager Theresienstadt kamen beispielsweise regelrechte Sammeltransporte in die drei westlichen Besatzungszonen.
Aber auch jüdische Remigranten kamen dazu, welche aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrten. Im Laufe der Jahre kehrten ungefähr 10 - 15.000 Juden aus dem Exil nach Deutschland zurück. Etliche davon allerdings nicht, um in Deutschland zu bleiben. Für diese Rückkehr wurden in Interviews verschiedene Gründe angegeben. Einerseits machten fortgeschrittenes Alter einen Neuanfang in der Fremde schwer, andererseits war aber auch das Erreichen der Fremde manchmal unmöglich. Die USA - durchaus ein beliebtes Auswandererziel - hatte bis Anfang der fünfziger Jahre noch ausgesprochen strenge Einwanderungsregelungen. Auch für die Juden Europas. Wieder andere waren im Exil völlig mittellos und hofften, wenigstens einen Teil dessen, was ihre Familien in Deutschland besessen hatten, zurückzubekommen. Damit war es dann natürlich entschieden leichter, sich nach der endgültigen Auswanderung in der Fremde eine neue Existenz aufzubauen. Nicht zuletzt das heiße Klima und die harte und entbehrungsreiche Arbeit im neuen Staat Israel (gegr.: 18. Mai 1948) machten einigen der Rückkehrer körperlich so zu schaffen, dass ein dauerhaftes Bleiben in Israel nicht in Frage zu kommen schien.
Noch eine weitere Gruppe von Juden kamen nach dem Kriegsende nach Deutschland: Flüchtlinge aus Osteuropa. Nachdem die Lager der Nazis befreit waren, versuchten viele osteuropäische Juden in ihre Heimatländer und -orte zurückzugehen um dort ihren ehemaligen Besitz (Häuser, Wohnungen, Land, etc.) wiederzuerlangen. Dieser Wunsch der Rückkehrer führte in einem Klima des ohnehin schon vorhandenen Antisemitismus zu Pogromen und pogromartigen Ausschreitungen gegen die zurückkehrenden Juden. Das führte dazu, dass sich hunderttausende osteuropäischer Juden in die westlichen Besatzungszonen Deutschlands flüchteten, wo sie sich durch die Herrschaft der Westalliierten ein einigermaßen sicheres Leben erhofften. Die allermeisten lebten in abgezäunten Lagern und warteten darauf, in die USA oder nach Israel weiterwandern zu können. Das letzte dieser Lager wurde übrigens erst 1957 aufgelöst.
Aus all den Zuwanderungen und Auswanderungen von Juden ergab sich die Situation, dass Mitte der fünfziger Jahre ca. 15.000 Juden dauerhaft in Deutschland lebten. Diese Zahl vergrößerte sich, auch durch kleinere "Einwanderungswellen" auf 25 - 28.000 Personen am Ende der achtziger Jahre, als die DDR-Volkskammer den Beschluß zur Zuwanderung osteuropäischer Juden fasste. Natürlich war es psychologisch außerordentlich schwer und problematisch, im "Land der Täter" zu leben. So zog man sich bis Anfang der achtziger Jahre überwiegend in die eigene Gemeinde zurück und lebte weitgehend und Abschluß von der deutschen Öffentlichkeit. Erst Mitte der achtziger Jahre kam es dann zu einer größeren Offenheit gegenüber der deutschen Umgebung.
Der Zentralrat der Juden in Deutschland (ZdJ)
Der ZdJ wurde 1950 ursprünglich als "Abwicklungsorganisation" für jüdische Gemeinden in Deutschland gegründet. Man dachte daran, Juden bis zur endgültigen Auswanderung zu betreuen und natürlich deren Rechte in Deutschland zu vertreten.
Allerdings entwickelte sich aus der Übergangssituation Anfang der fünfziger Jahre auch für etliche Juden eine neue Lebensperspektive in Deutschland. Dadurch veränderten sich auch die Aufgaben des ZdJ. Die Förderung jüdischer Kultur gehörte ebenso dazu wie die Förderung der Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden. Heute vertritt der ZdJ etwas mehr als 100.000 Mitglieder der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Als Hauptaufgabe ist Anfang der neunziger Jahre die Integration der jüdischen Einwanderer aus Osteuropa in die Gemeinden dazu gekommen. Diese Aufgabe wird übrigens lautlos und sehr erfolgreich gelöst.
Quellen:
Multimedia-CD Familie Chotzen - Jüdisches Leben in Deutschland 1914 bis 2006, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006
Multimedia-CD Zurück ins Leben, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2007,
Wer etwas über den Zentralrat der Juden in Deutschland lesen will, dem empfehle ich das Heft "Innenpolitik 1/2006", Bundesministerium des Innern
K.-H. Hirmer
24.01.10, 13:14
Asylzuwanderung in den fünfziger Jahren
Als eine Konsequenz aus den Verfolgungen regimekritischer Menschen im Dritten Reich schrieben die Väter und Mütter des Grundgesetzes den Artikel 16 in unsere Verfassung: "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht."
Damit wurde die Besonderheit geschaffen, dass ein Staat ein Recht im Verfassungsrang hat, welche ausschließlich von Ausländern in Anspruch genommen werden kann. Und auch der Verfassungsrang selbst stellt eine Besonderheit dar. Bis heute ist mir kein zweites Land bekannt geworden, welches ein Anrecht auf Asyl in seiner Verfassung stehen hat.
Bereits wenige Jahre nach ihrer Gründung ließ die junge Bundesrepublik Deutschland diesem hehren Versprechen Taten folgen. Am 6. Januar 1953 schuf man zur praktischen Umsetzung der Genfer Konvention eine Asylverordnung zur Anerkennung und Verteilung von ausländischen Flüchtlingen. Die Durchführung des Flüchtlingsschutzes wurde damit zu einer originären Aufgabe des Staates. Die praktische Ausführung delegierte man an eine speziell geschaffene Behörde. Aus dieser Behörde entstand nach vielen Wandlungen das heutige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.
Die Führung einer amtlichen Asylbewerberstatistik beginnt im Jahr 1953 zeitgleich mit der Schaffung des Bundesamtes für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge (BAFl). Niemand hat damals vorausgesehen, welche Bedeutung dieses Thema einmal haben wird. Das Anerkennungsverfahren wurde seinerzeit von einem Ausschuss der aus einem Vorsitzenden und zwei Beisitzern durchgeführt. Weil niemand glaubte, dass man mal größeren Entscheidungsbedarf haben würde, hat man lediglich in die Asylverordnung geschrieben, dass "bei Bedarf mehrere solche Ausschüsse gebildet werden können". Die Asylbewerberzahlen für 1953 bis 1955 sind auch recht klein.
1953: 1.906
1954: 2.174
1955: 1.926
Da die meisten Flüchtlinge aus dem Machtbereich der Sowjetunion kamen, waren die Anerkennungsquoten entsprechend hoch. Zwar konnte ich keine genauen Zahlen mehr finden, an an mehreren Stellen sprach man von 80 - 90%.
Der Ungarn-Aufstand 1956 änderte das Bild erstmals. In dem Jahr verachtfachte sich die Zahl der Asylbewerber auf 16.284. Das sind natürlich gemessen an den heutigen Zahlen recht wenig, aber man darf auch nicht außer Acht lassen, dass der Ungarn-Aufstand sowohl zeitlich als auch örtlich gesehen ein eng begrenztes Ereignis war. Und die Welt war damals insgesamt gesehen noch eine völlig andere. 1950 lebten weltweit gerade mal 2,5 Milliarden Menschen. Von diesem 2,5 Milliarden lebten 810 Millionen in den entwickelten Industriestaaten und 1,7 Millarden in den Entwicklungsländern. Der Weltluftverkehr war noch unterentwickelt und extrem teuer. Reisen über Länder und Kontinente hinweg waren noch ein Luxus für besser begüterte Menschen.
Die Ereignisse in Ungarn waren in Hinsicht auf die Asylzuwanderung auch nur kurzfristig bedeutend. Bereits im Folgejahr 1957 ging die Zahl der Asylbewerber wieder auf 3.112 zurück. 1958 beantragten 2.785 Personen Asyl in Deutschland.
1959 kamen dann noch einmal 2.267 Asylbewerber nach Deutschland. Insgesamt sind also für den Zeitraum 1953 bis 1959 etwas mehr als 30.000 Asylbewerber in die Bundesrepublik gekommen. Die meisten davon waren berechtigt und wurden dementsprechend anerkannt.
Quellen:
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), Asyl in Zahlen 2008 (http://www.bamf.de/cln_101/nn_442110/SharedDocs/Anlagen/DE/DasBAMF/Publikationen/broschuere-asyl-in-zahlen-2008.html), Seite 9, Nürnberg, Juli 2009
K.-H. Hirmer
24.01.10, 18:34
Abschließende Betrachtung der fünfziger Jahre
Bevölkerungsentwicklung
Im Jahr 1950 hatte die neu entstandene Bundesrepublik Deutschland 46,9 Millionen Einwohner. Diese Zahl stieg bis 1960 auf 55,6 Millionen Einwohner an. Das entspricht einem Zuwachs von 8,7 Millionen Menschen (1). Hauptsächlich ging dieser Bevölkerungszuwachs auf Vertriebene, Interzonen-Flüchlinge aus der DDR, Heimkehrer aus Kriegsgefangenschaft, Aussiedler und natürlich auf Geburten zurück. Ausländer, egal ob als Arbeitnehmer oder als Asylbewerber gekommen, spielen bei dieser Entwicklung - noch - keine Rolle.
Wirtschaftliche Entwicklung
Insgesamt bescherten die 50er Jahre den Deutschen eine immense wirtschaftliche Entwicklung und einen Wohlstand, der bis dahin in der breiten Bevölkerung unbekannt war. Das hat verschiedene Gründe:
1. Relativ unbeschädigte Industriebetriebe
Die Industriebetriebe waren durch den Krieg lange nicht in dem Ausmaß zerstört, wie der Wohnraum und das Transportsystem für Personen und Waren. Die Instandsetzung der Industriebetriebe gelang deshalb weitaus schneller, als die Wiederherstellung des Wohnraums und der Transportwege. Als die Transportwege aber 1950 soweit wieder hergestellt waren, dass Waren in großer Menge auch zeitnah transportiert werden konnten, war der Weg in den Aufschwung für die längst instandgesetzten Industrien frei. Dazu kam, dass Industriebetriebe wegen des noch mangelnden Wohnraums mit mietgünstigen Werkswohnungen - meist versehen mit kleinen Gartenparzellen - nahezu beliebig viel Arbeitskräfte anwerben konnten.
2. Moderne Industriebetriebe
Die deutschen Industriebetriebe waren weitestgehend auf einem modernen Stand der Technik. Durch die Produktionsanstrengungen für den "totalen Krieg" und den Krieg überhaupt, hatten sich modernste Produktionsmethoden durchgesetzt. Man mag es kaum glauben, aber Höhepunkt der Produktion in der deutschen Industrie war - trotz des Bombenkrieges - erst 1944 erreicht.
3. Pool qualifizierte Arbeitskräfte
Die Nazis griffen im Dritten Reich Diskussionen wieder auf, in denen sich bereits in den 20er Jahren der Weimarer Republik Gewerkschaften, Arbeitgeber und Wirtschaftswissenschaftler mit der Reform der Berufsausbildung befasst hatten. Zu der Zeit fanden die immer größer werdenden Industrien qualifizierte Arbeiter oft nur dadurch, dass sie von den Handwerksbetrieben recht gut ausgebildete Arbeitskräfte abwarben. Und damit natürlich mehr und mehr die Handwerksbetriebe in Personalnot brachten.
In der Weimarer Republik nicht mehr realisierbar, wurde dann mit dem Reichsschulgesetz von 1938 die duale Berufsausbildung (Lehre im Betrieb + Berufsschule) ins Leben gerufen. Und damit für alle Betriebe vergleichbare Ausbildungsbedingungen und vor allem eine hohe Qualifikation der Arbeiter ermöglicht. In der Zeit von 1938 bis zum Kriegsende hatte so gut wie jeder Schulabgänger (abgesehen von Studenten, etc.) eine dreijährige Lehre absolviert. Zwar versuchten die Nazis im Zuge des "totalen Krieges" für die Gewinnung von Frontsoldaten die duale Ausbildung noch mal zu kippen. Wirklich gelungen ist ihnen das aber nicht mehr. Die Industrien konnten deshalb in den 50er Jahren auf einen großen Bestand an gut ausgebildeten Fachkräften zurückgreifen. (2)
4. Manuelle Arbeit, wenig Automatisierung
Arbeit war in den 50er Jahren oft noch schwere körperliche Arbeit. Nach einer Berechnung des Soziologen Morris Janowitz traf das auf mindestens die Hälfte der Beschäftigten zu (3). Auch wenn - für die damalige Zeit gesehen - moderne Fertigungsmethoden angewendet wurden, so war der Automatisierungsgrad noch gering. Das führte u. a. auch dazu, dass Rationalisierungs- und Automatisierungsbestrebungen überwiegend als Arbeitserleichterung angesehen und deshalb kaum kritisiert wurden. Zumal der Verlust des Arbeitsplatzes durch solche Maßnahmen damals noch nicht zu befürchten war.
5. Rückkehr zu den Weltmärkten
Deutschland gelang die Rückkehr zu den Weltmärkten. Ausgelöst durch den "Korea-Boom", in dessen Folge sämtliche Produktionsbeschränkungen aufgehoben wurden, die der jungen Bundesrepublik noch auferlegt waren, gelang es den Deutschen an alte Handelsbeziehungen anzuknüpfen und auch nach dem Abklingen des "Korea-Boom" auf den Weltmärkten präsent zu bleiben.
Das hat immense Folgen!
Kohle, Stahl, Massen-Chemieprodukte, Fahrzeuge, Maschinen und vieles mehr konnten wieder in großen Mengen exportiert werden. Exporte verlangen aber nach Schiffsraum, so dass bald auch die deutsche Werftindustrie am Boom der 50er Jahre teilhatte.
Diese fünf Faktoren (und sicher noch andere) führten dazu, dass die Zahl der Beschäftigten von ca. 20 Millionen im Jahr 1950 auf 26,2 Millionen im Jahr 1960 stieg. Einem Anstieg der Bevölkerungszahl um 8,7 Millionen Menschen dieser Dekade, stand also ein Ansieg von 6,2 Millionen Arbeitsverhältnissen gegenüber.
Grafik Beschäftigungsentwicklung von 1950 bis 1960 (http://www.pictureupload.de/originals/pictures/190809003853_Besch__ftigungsentwicklung_50er_Jahre .JPG) (1)
Nimmt man an, dass das Bevölkerungswachstum zur Hälfte aus männlichen und weiblichen Personen bestand, wird klar, dass nicht allein die dazugekommenen Männer in Arbeit kamen. Die 50er Jahre sind auch die Jahre, in denen Frauen zunehmend und massiv in Arbeitsverhältnissen sichtbar wurden. Die 1950 noch anzutreffende Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik konnte bis 1959 fast vollständig abgebaut werden. Es herrschte nahezu Vollbeschäftigung. Im Jahr 1960 übertraf die Zahl der offenen Stellen sogar erstmals die Zahl der Arbeitslosen. Den in dem Jahr 465.000 gemeldeten offene Stellen standen nur noch 270.000 Arbeitslose gegenüber. (4)
Grafik Entwicklung der Arbeitslosigkeit und der offenen Stellen von 1950 bis 1960 (http://www.pictureupload.de/originals/pictures/190809004313_Arbeitslose_und_offene_Stellen_50er_J ahre.JPG)
Die Entwicklung, dass immer mehr offene Stellen einer immer kleiner werdenden Zahl von Arbeitslosen gegenüber stand, setzte sich in den 60er Jahren nicht nur fort, sondern verschärfte sich noch ganz erheblich! (Dazu mehr in den nächsten Beiträgen)
Das alles liest sich jetzt wie eine Abhandlung zur Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik. Ist es ja auch. Es hat aber seinen Sinn, diese Entwicklung so ausführlich darzustellen.
Sie liefert nämlich die Begründung dafür, warum in den 60er Jahren Millionen ausländischer Arbeitnehmer angeworben wurden. Und damit die erste Einwanderungswelle in die Bundesrepublik ausgelöst wurde.
Die übersehene Gefahr
Allerdings wird in der Rückschau auf diese Entwicklung eine Gefahr sichtbar. Der gesamte Boom der 50er Jahre basierte auf abhängigen Beschäftigungsverhältnissen, überwiegend in der Industrie. Sehen Sie sich dazu bitte nochmal die Grafik der Beschäftigungsentwicklung an.
Grafik Beschäftigungsentwicklung von 1950 bis 1960 (http://www.pictureupload.de/originals/pictures/190809003853_Besch__ftigungsentwicklung_50er_Jahre .JPG) (1)
Die Zahl der Selbständigen (inkl. im Betrieb mithelfender Familienangehöriger) stagniert nicht nur, sondern geht von 6,3 Millionen im Jahr 1950 auf ca. 6 Millionen im Jahr 1960 zurück (4). Der gesamte Boom basiert also tasächlich auf abhängiger Beschäftigung.
Das hat zur Folge, dass eine Volkswirtschaft, die auf dem Fundament abhängiger Beschäftigung in Industrien basiert, mit in Schlingern gerät, wenn diese Industrien ins Schlingern geraten (z. B. "Zechensterben", "Werftensterben", etc.). Erst recht dann, wenn aus dem Ausland angeworbene Arbeitskräfte nicht etwa als Selbständige angeworben werden, die einen gewissen Ausgleich zu dem Überhang an abhängiger Beschäftigung schaffen sollen, sondern diese ebenfalls für Arbeit in abhängiger Beschäftigung angeworben werden. Noch dazu mit oft geringen Qualifikationen. Und so kam es ja auch. Aber auch dazu in weiteren Beiträgen mehr.
Ausländer-Bestandszahlen 1960
Wie schon erwähnt haben ausländische Arbeitskräfte in der Dekade der 50er Jahre weder am Bevölkerungswachstum noch an den Beschäftigtenzahlen einen größeren Anteil. Der Vollständigkeit halber seien die Zahlen aber trotzdem genannt.
Ausländische Beschäftigte insgesamt: 329.400 (5)
Davon aus:
Italien:_______________144.200
Griechenland:___________20.800
Spanien:_______________16.500
Jugoslawien:_____________8.800
Türkei:__________________2.500
Andere Länder zus.:_____136.600
Quellen:
(1): Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 2006, Seite 76, Wiesbaden 2006
(2): Für die unter Punkt 1 - 3 getroffenen Aussagen vgl:
Werner Abelshauser, Deutsche Wirschaftsgeschichte seit 1945, Unterkapitel "Fordismus und Kriegswirtschaft", Seite 48ff, Verlag C. H. Beck, München 2004
(3): Themenheft Deutschland in den fünfziger Jahren ( http://www.bpb.de/publikationen/04624034836769121550798576502668,0,Deutschland_in_ den_50er_Jahren.html), Seite 5, aus der Schriftenreihe "Informationen zur politischen Bildung" der Bundeszentrale für politische Bildung.
(4): Ulrich Herbert, Geschichte der Ausländerpolitik in Deutschland (http://www.bpb.de/publikationen/2WSDX8,,0,Geschichte_der_Ausl%E4nderpolitik_in_Deu tschland.html), Seite 195, Verlag C. H. Beck, München 2001, Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung, ISBN: 3-89331-499-7
(5): Siehe (4), Seite 198
Zusammengefasst kann man über die 50er Jahre sagen:
Deutschland war - nahezu - "ausländerfrei". Durch den Korea-Boom, immenser Binnennachfrage durch Beseitigung von Kriegschäden, der Rückkehr zu den Weltmärkten und einer weitgehend noch ohne Automatisierung betriebenen Produktion, schaffte es Deutschland Millionen von Vertriebenen, Flüchtlingen und Heimkehrern aus der Kriegsgefangenschaft in ein Arbeitsverhältnis zu bringen und dabei bescheidenen Wohlstand wieder herzustellen. Eine Notwendigkeit Ausländer zu beschäftigen gab es nur in Randbereichen, da im großen und ganzen genügend eigene Kräfte zur Verfügung standen.
Du vergißt natürlich zu erwähnen, daß die Deutschen ein ausgesprochen tüchtiges Volk sind. Obwohl die Sowjets und die Alliierten in ihren jeweiligen Besatzungszonen die deutsche Industrie demontierten und Patente in Billionenhöhe klauten, schafften wir es, uns wieder hochzuarbeiten. Wir mußten bei Null anfangen. Die meisten anderen Völker wären daran zerbrochen.
Wir sind halt Stehaufmännchen. :)
Die 50er Jahre sind zu beneiden. Kaum Ausländer, die europäischen Italiener und Portugiesen einmal ausgenommen, die ja auch keine Probleme darstellten.
Und das wichtigste: Keine Türken, die heute unser Sozialnetz belasten und unsere Straßen unsicher machen. Wir zahlen heute sogar für die Türken in der Türkei mit:
Sparen an Deutschen, um Multikultur bezahlen zu können
Deutsche müssen auf gewohnte ärztliche Versorgung verzichten, während Ausländer Erste-Klasse Behandlung zuteil wird und deren Familien zuhause königlich auf Kosten der Deutschen versorgt werden
Diese Kosten sind dafür Verantwortlich, daß die Deutschen in Zukunft auf immer mehr Rente verzichten und immer weniger ärztliche Versorgung hinnehmen müssen. "Tod den Deutschen, es lebe die Multikultur", rief kürzlich ein Türke im Überschwang seines Triumphes über die Deutschen in einem türkischen Teehaus in Berlin-Kreuzberg aus.
Dieser Triumph ist verständlich, denn die Eltern eines deutschen Krankenversicherten sind in seiner Krankenversicherung selbstverständlich NICHT mitversichert. Bei einem ausländischen Krankenversicherten hingegen genießen die Eltern des Versicherten sehr wohl Versicherungsschutz: "Deutsche Krankenversicherungen müssen für Familienmitglieder ausländischer Arbeitnehmer die Kosten für ambulante und stationäre Behandlungen bezahlen - selbst wenn diese gar nicht in Deutschland wohnen, sondern in ihrem Heimatland. Das gilt sogar für viele Eltern von in Deutschland krankenversicherten Ausländern aus der Türkei und den Nachfolgestaaten Jugoslawiens." (WamS, 13.4.2003)
Mehr noch, während die Deutschen schon jetzt schmerzhafte Einschnitte bei der ärztlichen Versorgung hinnehmen müssen, genießen sogenannte Verwandte von in Deutschland lebenden Ausländern in ihren Heimatländern ärztlich Versorgung sozusagen als Privatpatient mit allen Vorzügen, denn der deutsche Steuer- und Abgabenkuli bezahlt's ja: "Die in den erwähnten Staaten lebenden Familienangehörigen erhalten im Krankheitsfall zunächst Leistungen der Krankenversicherung des Wohnsitzstaates. Die Kosten werden anschließend von der deutschen Versicherung erstattet. Das geschehe je Familie in monatlichen Pauschbeträgen, die jährlich vereinbart würden." (WamS, 13.4.2003) Die Bundesregierung bestätigt keck, daß Deutsche diese Leistungen nicht in Anspruch nehmen dürfen: "Deutschen Krankenversicherten ist die Einbeziehung von Eltern in die Familienmitversicherung verwehrt." (WamS, 13.4.2003)
http://globalfire.tv/nj/03de/multikultur/multikultipleite.htm
K.-H. Hirmer
25.01.10, 11:57
Wir mußten bei Null anfangen.
Nein, eben nicht. Das Wirtschafts"wunder" der 50er war keines, wie ich versucht habe zu zeigen.
Den Unsinn mit den Sozialversicherungsabkommen widerlege ich Dir nur deswegen nicht, weil es hier nicht zum Thema passt.
Stolzdeutscher
25.01.10, 14:30
Du vergißt natürlich zu erwähnen, daß die Deutschen ein ausgesprochen tüchtiges Volk sind. Obwohl die Sowjets und die Alliierten in ihren jeweiligen Besatzungszonen die deutsche Industrie demontierten und Patente in Billionenhöhe klauten, schafften wir es, uns wieder hochzuarbeiten. Wir mußten bei Null anfangen. Die meisten anderen Völker wären daran zerbrochen.
Wir sind halt Stehaufmännchen. :)
Die 50er Jahre sind zu beneiden. Kaum Ausländer, die europäischen Italiener und Portugiesen einmal ausgenommen, die ja auch keine Probleme darstellten.
Und das wichtigste: Keine Türken, die heute unser Sozialnetz belasten und unsere Straßen unsicher machen. Wir zahlen heute sogar für die Türken in der Türkei mit:
Sparen an Deutschen, um Multikultur bezahlen zu können
Deutsche müssen auf gewohnte ärztliche Versorgung verzichten, während Ausländer Erste-Klasse Behandlung zuteil wird und deren Familien zuhause königlich auf Kosten der Deutschen versorgt werden
Diese Kosten sind dafür Verantwortlich, daß die Deutschen in Zukunft auf immer mehr Rente verzichten und immer weniger ärztliche Versorgung hinnehmen müssen. "Tod den Deutschen, es lebe die Multikultur", rief kürzlich ein Türke im Überschwang seines Triumphes über die Deutschen in einem türkischen Teehaus in Berlin-Kreuzberg aus.
Dieser Triumph ist verständlich, denn die Eltern eines deutschen Krankenversicherten sind in seiner Krankenversicherung selbstverständlich NICHT mitversichert. Bei einem ausländischen Krankenversicherten hingegen genießen die Eltern des Versicherten sehr wohl Versicherungsschutz: "Deutsche Krankenversicherungen müssen für Familienmitglieder ausländischer Arbeitnehmer die Kosten für ambulante und stationäre Behandlungen bezahlen - selbst wenn diese gar nicht in Deutschland wohnen, sondern in ihrem Heimatland. Das gilt sogar für viele Eltern von in Deutschland krankenversicherten Ausländern aus der Türkei und den Nachfolgestaaten Jugoslawiens." (WamS, 13.4.2003)
Mehr noch, während die Deutschen schon jetzt schmerzhafte Einschnitte bei der ärztlichen Versorgung hinnehmen müssen, genießen sogenannte Verwandte von in Deutschland lebenden Ausländern in ihren Heimatländern ärztlich Versorgung sozusagen als Privatpatient mit allen Vorzügen, denn der deutsche Steuer- und Abgabenkuli bezahlt's ja: "Die in den erwähnten Staaten lebenden Familienangehörigen erhalten im Krankheitsfall zunächst Leistungen der Krankenversicherung des Wohnsitzstaates. Die Kosten werden anschließend von der deutschen Versicherung erstattet. Das geschehe je Familie in monatlichen Pauschbeträgen, die jährlich vereinbart würden." (WamS, 13.4.2003) Die Bundesregierung bestätigt keck, daß Deutsche diese Leistungen nicht in Anspruch nehmen dürfen: "Deutschen Krankenversicherten ist die Einbeziehung von Eltern in die Familienmitversicherung verwehrt." (WamS, 13.4.2003)
http://globalfire.tv/nj/03de/multikultur/multikultipleite.htm
Obwohl dazu gesagt werden muss,das wir dieses ohne amerikanische Hilfe,die kommerziellen Grund hatte,nicht geschafft hätten!
Die Folge war die weitgehende Amerikanisierung der deutschen Wirtschaft!
Das war der zweite Sieg des amerikanischen Finanzjudentums!
K.-H. Hirmer
25.01.10, 14:45
Obwohl dazu gesagt werden muss,das wir dieses ohne amerikanische Hilfe,die kommerziellen Grund hatte,nicht geschafft hätten!
Es ist heute weitgehend unstreitig, dass der Marshall-Plan nicht die überragende Wirkung hatte, wie sie ihm landläufig zugeschrieben wird. Monentär sowieso nicht. Und auch sonst war die Wirkung eher eine sehr indirekte.
Das Wirtschafts"wunder" der 50er Jahre schafften die Deutschen ohne diesen Plan.
Die Folge war die weitgehende Amerikanisierung der deutschen Wirtschaft! Das war der zweite Sieg des amerikanischen Finanzjudentums!
Wie einfach doch die Welt sein kann. :augenrollen:
Dieser Triumph ist verständlich, denn die Eltern eines deutschen Krankenversicherten sind in seiner Krankenversicherung selbstverständlich NICHT mitversichert. Bei einem ausländischen Krankenversicherten hingegen genießen die Eltern des Versicherten sehr wohl Versicherungsschutz: "Deutsche Krankenversicherungen müssen für Familienmitglieder ausländischer Arbeitnehmer die Kosten für ambulante und stationäre Behandlungen bezahlen - selbst wenn diese gar nicht in Deutschland wohnen, sondern in ihrem Heimatland. Das gilt sogar für viele Eltern von in Deutschland krankenversicherten Ausländern aus der Türkei und den Nachfolgestaaten Jugoslawiens." (WamS, 13.4.2003)
Mehr noch, während die Deutschen schon jetzt schmerzhafte Einschnitte bei der ärztlichen Versorgung hinnehmen müssen, genießen sogenannte Verwandte von in Deutschland lebenden Ausländern in ihren Heimatländern ärztlich Versorgung sozusagen als Privatpatient mit allen Vorzügen, denn der deutsche Steuer- und Abgabenkuli bezahlt's ja: "Die in den erwähnten Staaten lebenden Familienangehörigen erhalten im Krankheitsfall zunächst Leistungen der Krankenversicherung des Wohnsitzstaates. Die Kosten werden anschließend von der deutschen Versicherung erstattet. Das geschehe je Familie in monatlichen Pauschbeträgen, die jährlich vereinbart würden." (WamS, 13.4.2003) Die Bundesregierung bestätigt keck, daß Deutsche diese Leistungen nicht in Anspruch nehmen dürfen: "Deutschen Krankenversicherten ist die Einbeziehung von Eltern in die Familienmitversicherung verwehrt." (WamS, 13.4.2003)[/I]
http://globalfire.tv/nj/03de/multikultur/multikultipleite.htm
Es war jedenfalls noch bis vor kurzem so, daß sogar die Zweit-und Drittfrau eines Musels kostenlos mitversichert ist. Ich glaube, wenn dem deutschen Michel nur die Hälfte von dem bewußt wird, wie ausländische Schmarotzer Deutschland ausplündern und das die elende Politbagage von Grün über SPD bis CDU in den letzten Jahrzehnten das alles ermöglicht hat, dann gibt es Mord und Totschlag! :angry:
K.-H. Hirmer
26.01.10, 10:25
Ich werde mich aus persönlichen Gründen für einige Wochen aus dieser Diskussion zurückziehen.
Es ist heute weitgehend unstreitig, dass der Marshall-Plan nicht die überragende Wirkung hatte, wie sie ihm landläufig zugeschrieben wird. Monentär sowieso nicht. Und auch sonst war die Wirkung eher eine sehr indirekte.
Das Wirtschafts"wunder" der 50er Jahre schafften die Deutschen ohne diesen Plan.
Wie einfach doch die Welt sein kann. :augenrollen:
Die Infrastruktur war nach dem Krieg noch weitgehend intakt, auch wenn es in vielen Städten und Industriezentren fürchterlich aussah. Viel wichtiger als der Marshallplan war die erste Hilfe bei der Versorgung der Zivilbevölkerung. Wir Kinder bekamen damals in der Schule wenigstens das Notwendigste zum Essen, und im Westen Deutschlands wurden aus den USA geschickte Carepakete ohne Ende verteilt. Das war eine große Hilfe.
Der Marshallplan war für den Wiederaufbau der Industrie vorgesehen. Einige Jahre nach Kriegsende lief die Produktion in den Fabriken wieder auf Hochtouren, und es gab Vollbeschäftigung, wohlgemerkt!!
Ein großer Teil der Finanzspritzen dieser Hilfsaktion wurde für den Wiederaufbau der Bundeswehr verwendet.
Gruß
Blitz
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