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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Tschernobyl


Itchy
17.01.10, 15:42
Bei youtube gibt es eine interessante, aber zugleich einigermaßen erschütternde Dokumentation über Tschernobyl/Pripjat.


G4RLvZ282PE

K.-H. Hirmer
17.01.10, 16:01
Bei youtube gibt es eine interessante, aber zugleich einigermaßen erschütternde Dokumentation über Tschernobyl/Pripjat.


G4RLvZ282PE

Ja, die habe ich auch gesehen. Sehr interessant.

Gideon
17.01.10, 17:34
Tja, jetzt weiss man das Graphit kein so guter Moderator ist.

Itchy
17.01.10, 17:45
Tja, jetzt weiss man das Graphit kein so guter Moderator ist.

Wollen wir hoffen, dass er sich hier nie bewirbt ! :-)

K.-H. Hirmer
18.01.10, 00:17
Tja, jetzt weiss man das Graphit kein so guter Moderator ist.

:augenrollen: :augenrollen: :augenrollen: :augenrollen: :augenrollen:

Oha! Graphit ist sogar ein ganz hervorragender Moderator. Und blöderweise sogar ein Moderator, der immer stärker wirkt, je heißer er wird!

Das war ja ein Teil des Problems. Der RBMK1000 war ein sog. "heterogener" Reaktor, der mit Graphit moderiert und mit Wasser gekühlt wird. Und damit war der erste Schritt in die Katastrophe getan. Denn die Kettenreaktion bleibt durch die Graphitmoderation auch dann erhalten, wenn die Kühlung (Wasser) schon nicht mehr vorhanden ist. Und heizt den Kern bis zur Schmelze auf.

Der zweite Faktor zur Katastrophe war, das RBMK1000 ein Druckröhrenrekator ist, bei dem man einzelne Brennstäbe während des Betriebes entnehmen kann. Zur Plutoniumgewinnung für die Kernwaffen-Produktion der UdSSR. Daraus folgt, dass er kein Containment hat und der Reaktor nur schwer zu regeln ist.

Grob vereinfacht hat sich folgendes ereignet:

Man hat den Reaktor zu Testzwecken in einen Leistungsbereich gefahren, in dem kaum noch Kühlwasser durch den Kern strömt. Da aber der Moderator noch vollständig da war, stieg die Kettenreaktion gefährlich an. Was den Kern unzulässig aufheizte und durch die gesteigerte Moderationswirkung des Graphits zu einem weiteren Anstieg der Kettenreaktion führte. Dieser Prozess schaukelte sich auf, bis man merkte, dass der Reaktor kurz vor dem durchgehen stand.

Dann kam es zum Verhängnis.

Man versuchte durch Einfahren der Steuerstäbe den Reaktor zu stoppen. Was aber bis dahin niemand bewusst geworden war, war, dass diese Steuerstäbe an ihrer Spitze ebenfalls Graphit enthielten. Dadurch kam noch mehr Moderatormaterial in die Spaltzone, was die Kettenreaktion so anschwellen ließ, dass nun sogar die sog. "schnellen Neutronen" an der Kernspaltung teilnehmen konnten, die sonst daran nicht beteiligt waren. Der Kern war dadurch so mit freien Neutronen übersättigt, dass sein Leistung in einem Sekundenbruchteil auf das 100fache seiner Nennleistung anstieg. Eine "nukleare Verpuffung" erfolgte, welche den 1000t schweren Deckel über der Reaktor sowie das Kraftwerksdach wegsprengte.

Damit war die Katastrophe perfekt. Der Reaktor zerstört. Es gab keine Eingriffsmöglichkeiten mehr für das Bedienpersonal und der ganze Kram stand "frei in der Botanik".

Die spannende Frage für mich ist bis heute:

Wieviel des radioaktiven Inventars wurde aus der Reaktorgrube und dem Kraftwerk geschleudert?

Sind es tatsächlich nur wenige Prozent (3-5%), würde der Unfall von Tschernobyl dazu führen, dass ich die Kernenergie wohl nicht mehr befürworten könnte. Denn wenn so wenige Prozent schon solche Folgen haben können, welche Folgen hätte dann eine vollständige Freisetzung des radioaktiven Inventars eines Reaktorkerns? Ein Tschernobyl von zwanzigfacher Stärke erscheint mir einfach zu unvorstellbar.

Aber egal, ich war wohl etwas in Erzähllaune.

Graphit ist jedenfalls ein guter Moderator. Man muss nur aufpassen, dass er nicht zu heiß wird ... ;-)

Wer möchte, kann sich hier den Unfallbericht und andere interessante Schriften zum Thema herunterladen:

http://www.kernenergie.de/kernenergie/Service/Downloads/index.php

K.-H. Hirmer
18.01.10, 00:18
Wollen wir hoffen, dass er sich hier nie bewirbt ! :-)
Kernkraftwerke und Politikforen haben eines gemeinsam: Ohne ordentlichen Moderator läuft nix. Gar nix!

Itchy
18.01.10, 00:21
Kernkraftwerke und Politikforen haben eines gemeinsam: Ohne ordentlichen Moderator läuft nix. Gar nix!

Stimmt. Jedoch haben wir keine Probleme mit der Wigner-Energie. Das lässt uns kalt. ;-)

K.-H. Hirmer
18.01.10, 00:30
Stimmt. Jedoch haben wir keine Probleme mit der Wigner-Energie. Das lässt uns kalt. ;-)

Menno, wie Du hier mit Fremdworten um Dich schmeißt, das imprägniert mir aber mächtig! :-D ;-)

Ihr Mods habt da was mit dem Reaktor in Tschernobyl gemeinsam. Der hatte auch keine Probleme mit der Wigner-Energie.

Dessen Problem war der Positive Dampfblasenkoeffizient (http://de.wikipedia.org/wiki/Dampfblasenkoeffizient).

Du siehst auch ich kenne ein paar Fremdworte.

Ich hoffe, dass Dir das importiert!

Itchy
18.01.10, 00:36
Dessen Problem war der Positive Dampfblasenkoeffizient (http://de.wikipedia.org/wiki/Dampfblasenkoeffizient).


Sagt die Systempresse.... und Du fällst drauf rein ! :augenrollen:

nänänä....

ThiloS
18.01.10, 00:40
:augenrollen: :augenrollen: :augenrollen: :augenrollen: :augenrollen:

Oha! Graphit ist sogar ein ganz hervorragender Moderator...

Hirmer, ich geb Dir das jetzt mal öffentlich und schriftlich. Ich mag Deine gebildeten und fachkundigen Beiträge wirklich. Sie sind eine Bereicherung für dieses Forum.

Ganz anders als die grosse Masse des pseudowissenschaftlichen und pseudohistorischen Stöhnens von halbgebildeten Handwerksmeistern von der Volksfront hier im Forum.

Itchy
18.01.10, 00:47
Ich hatte im Kontext Chernobyl allerdings auch schon die Deutung vernommen, nach der die spontane Freigabe der Wignerenenergie verantwortlich gewesen sein soll. Ich denke, bei solch einem schnell ablaufenden Vorgang kann man auch schwer die verantwortlichen Phänomene deutlich auseinanderhalten (v.a. in der Nachbetrachtung eines vollends zerstörten Systems) , so dass es natürlicherweis zu Differenzen in der Deutung kommen kann. Letztlich handelt es sich dabei ja um einen nicht beobachtbaren Prozess. Dies nur noch als mein laienhafter Erklärungsveruch/Ausflucht....

K.-H. Hirmer
18.01.10, 00:59
Hirmer, ich geb Dir das jetzt mal öffentlich und schriftlich. Ich mag Deine gebildeten und fachkundigen Beiträge wirklich. Sie sind eine Bereicherung für dieses Forum.
Meinen herzlichsten Dank!

Das ging runter wie warmes Motoröl! :) :)

K.-H. Hirmer
18.01.10, 01:03
Ich hatte im Kontext Chernobyl allerdings auch schon die Deutung vernommen, nach der die spontane Freigabe der Wignerenenergie verantwortlich gewesen sein soll. Ich denke, bei solch einem schnell ablaufenden Vorgang kann man auch schwer die verantwortlichen Phänomene deutlich auseinanderhalten (v.a. in der Nachbetrachtung eines vollends zerstörten Systems) , so dass es natürlicherweis zu Differenzen in der Deutung kommen kann.
Das mag so sein. Ich kenne natürlich die Vorgänge auch nur aus Medien und Berichten, die dazu veröffentlicht wurden. Einen kleinen Vorteil habe ich - vielleicht.

Durch meine Kontakte zum Kernkraftwerk Unterweser darf ich ab und zu mal dem Reaktorphysiker ein paar Fragen stellen. Die dieser dann auch beantwortet.

Aber wirklich wissen können das wohl nur die Leute, die diese Maschinen konstruiert haben. Und selbst die mussten oft genug Überraschungen hinnehmen ...