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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Walter Kempowski der Chronist des deutschen Jahrhunderts


MarschallPilsudski
23.12.09, 16:17
Ich lese gerade Somnia, Walter Kempowskis Tagebuch von 1991. Ich bin wirklich beeindruckt, wie dieser Mann schreiben konnte.
Ich habe schon die Bücher der deutschen Chronik durch, sowie Sirius das Tagebuch von 1983. Die Tagebücher von 1989 und 1990 fehlen mir leider noch.

Für mich ist Walter Kempowski wahrlich ein Chronist. So wie er schreibt, könnte man denken dabei gewesen zu sein.

Auchg die Filme sind hervorragende Umsetzungen seiner Bücher.

Wer von euch ist auch Kempowskisüchtig? Wer von euch benutzt auch die Sprüche wie Tadellöser und Wolf oder Miesnitzdörfer und Jensen? Für wen ist es eine klare Sache und damit hopp Kempowski zu verehren?

Eine spezielle Frage an eifrige Kempowskianer: Lebt Robert Kempowski noch und hatte er Familie?
Haben die Kinder von Walter Kempowski Nachkommen?

Diese Informationen werden in den Tagebüchern leider verschwiegen.

Zu Kempowski aus www.kempowski.de:


1929
Am 29. April wird Walter Kempowski in Rostock geboren. Sein Vater Karl Georg Kempowski ist Schiffsmakler und Reeder, seine Mutter Margarethe, geb. Collasius, stammt aus einer Hamburger Kaufmannsfamilie, Schwester Ulla und Bruder Robert.

1935
Einschulung in die St. Georg Schule für Knaben

1939
Eintritt ins Realgymnasium.

1944
Im September Einweisung in eine Strafeinheit der Hitlerjugend

1945
Am 17. Februar Einberufung als Luftwaffenkurier. Am 26. April fällt der Vater auf der Frischen Nehrung.

1946
Im Frühjahr muß Walter Kempowski die Schule verlassen, arbeitet kurze Zeit als Laufbursche für ein Reformhaus und für einen Steuerberater, im Herbst Beginn einer kaufmännischen Lehre in einer Druckerei.

1947
Im November geht er nach Hamburg. Eine Lehrstelle im Rowohlt Verlag kann wegen der fehlenden Genehmigung der Stadtverwaltung nicht angetreten werden. Mitte Dezember fährt er nach Wiesbaden und arbeitet in einer Labour-Kompanie der US-Army als Verkäufer in einem Lebensmittellager.

1948
Besuch in Rostock, am 8. März Verhaftung, am 20. August zusammen mit seinem Bruder von einem sowjetischen Militärtribunal wegen Spionage zu 25 Jahren Arbeitslager verurteilt, seit Anfang September im Zuchthaus Bautzen. Verurteilung der Mutter zu zehn Jahren Strafarbeitslager im Frauengefängnis Hoheneck wegen »Nichtanzeigen von Agenten des ausländischen Nachrichtendienstes«.

1953
Ab März Arbeit als Schreiber in der Sattlerei des Zuchthauses, im November mehrere Wochen Einzelhaft wegen des Vorwurfs der Gründung einer christlichen Untergrundbewegung.

1954
Entlassung der Mutter, die nach Hamburg geht. Walter Kempowski wird Leiter des Gefängnis-Chors.

1956
Vorzeitige Entlassung am 8. März nach Hamburg zu seiner Mutter. Erste Aufzeichnungen über die Haftzeit. Beginn der täglichen Tagebuchaufzeichnungen

1957
In Göttingen Abitur und Studium an der Pädagogischen Hochschule Göttingen. Beginn der Recherchen für eine umfangreiche Familien-Chronik. Im September wird Robert Kempowski entlassen.

Elch
25.12.09, 14:23
Schade, kein Kempowskianer im Forum... :(

Koslowsky macht Urlaub ...

... auf Malle!

:-D

Elch
25.12.09, 14:27
Du kennst Walter Kempowski und sein Werk nicht, oder?!

Ist das jetzt Pflicht?

:-D

Elch
25.12.09, 14:32
Der hätte dir echt gefallen. Ein deutscher Chronist, der gegen die SPD ist. Das wär doch was, oder?!

Natürlich!

Aber meinst Du wirklich, dass ich dies ...

„Ich bin konservativ und liberal, und das darf man in Deutschland nicht sein. [...] Man darf ja auch heute nicht seine Meinung sagen in Deutschland. Versuchen Sie das doch mal! Ein Schritt vom Wege, und Sie sind erledigt.“

... nicht auch ohne Kempowski weiß - schon lange?!

:-D

Wer weiß das nicht, der alle Latten am Zaun hat?!

Elch
25.12.09, 14:47
Ähm...

Mein Tipp als Germanist: "Tadellöser&Wolf" von Walter Kempowski lesen! Es wird die wirklich gefallen, ebenso die Fortsetzung "Uns gehts ja noch Gold".
Auch sein Knastbuch (ja, er saß im Bau) ist lesenswert.

Danke für die Tipps!

Kann ja nicht schaden, das zu lesen!

Dyrnwyn
25.12.09, 18:09
Ich schätze Kempowski. Er schreibt authentische Berichte der damaligen Zeit aus der Froschperspektive des einfachen unpolitischen Mittelstandsbürgers. Um größere Zusammenhänge zu verstehen sind andere Autoren eher geeignet, z.B. Hellmut Diwald u.a.