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mentecaptus
06.08.09, 22:50
35 Jahre Nixon-Rücktritt: Trickser im Weißen Haus

Rassist, Kontrollfreak, Größenwahnsinniger: Richard Nixon war ein Mann der Extreme, selbst bei seinem Abgang. Als erster US-Präsident der Geschichte trat er 1974 zurück - um seiner Amtsenthebung zuvorzukommen. Seine Vorliebe fürs Unkonventionelle zeigte sich nicht erst in der Watergate-Affäre.

Zum Schluss besaß der 37. Präsident der USA nicht einmal mehr das Vertrauen des Militärs. Verteidigungsminister James Rodney Schlesinger hielt seinen Chef für amtsunfähig und gab die Direktive aus, dass "jegliche dringliche Order des Präsidenten" nicht ausgeführt werden dürfe, ohne dass er sie vorher geprüft habe. Richard Nixon, von Depressionen gebeutelt und vollgepumpt mit Psychopharmaka, war in den letzten Wochen vor seinem Rücktritt im Sommer 1974 ein Präsident ohne jede Macht und Rückhalt. Das Detail aus den letzten Tagen seiner Amtszeit wurde erst im Jahre 2000 bekannt. Dem Bild Nixons in der Öffentlichkeit konnte es nichts mehr anhaben, dafür fügte es ihm eine weitere skurrile Facette hinzu.

Richard Nixon war der "vielleicht merkwürdigste Mann, der jemals ins Weiße Haus einzog", befand 2001 das "Time"-Magazin. Da war schon eine ganze Reihe der Protokolle und Telefonmitschnitte, die sogenannten Nixontapes, aus dem Weißen Haus veröffentlicht und hatten sich einstige Mitstreiter zu Wort gemeldet. Der Präsident gebärdete sich demnach mal als Antisemit und Rassist ("Gottverdammtes New York voll von Juden, Katholiken, Schwarzen und Puerto-Ricanern"), mal als ätzender Spötter zum Beispiel über den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt ("Wenn der Deutschlands Hoffnung ist, dann hat Deutschland nicht viel Hoffnung"), mal als Größenwahnsinniger ("Bombardiert den Flughafen von Damaskus" nach einer Flugzeugentführung 1969) oder als fluchender Unflat ("Die italienische Lira interessiert mich einen Scheißdreck!"). So kann es kaum verwundern, dass ihn ausgerechnet ein eher harmloser Einbruch im Hauptquartier der Demokraten im Washingtoner Watergate-Hotel zu Fall brachte.

Mehr... (http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/4664/trickser_im_weissen_haus.html)

Eugen_Levine
07.08.09, 11:09
Selbst ein altes vulkanisches Sprichwort sagt aber: Nur Nixon konnte nach China gehen. Und für diese Leistung gab's "Pardon" durch Ford und Staatsbegräbnis erster Klasse.

Btw., "Nixon" mit einem großartigen Athony Hopkins ist m.E. immer noch einer der am meisten unterschätzten Filme der letzten Jahre, man lernt darin zumindest mehr über Politik als in der Schule.

mentecaptus
07.08.09, 12:08
Selbst ein altes vulkanisches Sprichwort sagt aber: Nur Nixon konnte nach China gehen. Und für diese Leistung gab's "Pardon" durch Ford und Staatsbegräbnis erster Klasse.

Btw., "Nixon" mit einem großartigen Athony Hopkins ist m.E. immer noch einer der am meisten unterschätzten Filme der letzten Jahre, man lernt darin zumindest mehr über Politik als in der Schule.

Da hast du Recht. Nixon wird ja ausschließlich mit der Watergate-Affäre in Verbindung gebracht, der Rest seines politischen Lebens und seiner Amtsführung als Präsident ist völlig in Vergessenheit geraten im öffentlichen Bewusstsein. Der Film ist da ein Meisterwerk und zeigt den Menschen mit all seinen Absichten und Abgründen hinter der Maske, als die man Nixon wahrnimmt.