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mentecaptus
04.08.09, 16:40
GUTACHTEN DER MONOPOLKOMMISSION
Deutsche zahlen zu viel für Energie
Vernichtendes Urteil für Deutschland: Auf dem Strom- und Gasmarkt gibt es laut Monopolkommission immer noch zu wenig Anbieter, zu hohe Barrieren und nur eine einseitige Förderung. Leidtragende sind die Verbraucher, Schuld ist auch die Bundesregierung.
Berlin - Nach Ansicht von Experten ist der deutsche Strom- und Gasmarkt nach wie vor weit von einem funktionierenden Wettbewerb entfernt. "Wir sind sehr unzufrieden mit der Wettbewerbssituation", sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Justus Haucap, am Dienstag in Berlin. Die große Marktmacht weniger Konzerne bei der Stromerzeugung führe zu "signifikanten" Problemen auf dem Markt.
Etwa 85 Prozent des Stroms in Deutschland werden von den vier großen Versorgern E.on, RWE, EnBW und Vattenfall produziert.
(...)
Zwingende Voraussetzung für mehr Konkurrenz seien verlässliche politische Rahmenbedingungen, die Investitionen in neue Kraftwerke möglich machten. Diese Sicherheit vermissten Investoren allerdings, sagte Haucap.
Zudem sei der Strommarkt in Deutschland immer noch stark abgeschottet, da es an Übergangsstellen für Strom an den Grenzen fehle, heißt es in einem Sondergutachten der Kommission. Auch blockiere der Vorrang für Ökostrom im Netz einen zunehmenden Teil des Marktes für neue Anbieter von konventionell erzeugter Elektrizität.
Mehr... (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,640339,00.html)
mente meint: Als Mitglied im Aufsichtsrat eines mittelständischen Energiesversorgers, der zu 100 Prozent in öffentlicher Hand (der Stadt) ist, kann ich die Einschätzung leider nur teilen. Die einzige Konkurrenz zu den "Big 4" der Energiebranche sind die Stadtwerke - und die sind zumeist zu klein, um selbst Kraftwerke betreiben zu können. Also müssen sie den Strom kaufen, über die Strombörse oder durch langrfistige Lieferverträge mit den Großkonzernen. Leider greift die Bundesregierung seit Jahren über die Regulierungsbehörde in den Markt ein und zwar nicht zulasten der Großen, sondern zulasten der Stadtwerke. Die werden zunehmend in die Enge getrieben und ihre Margen schmelzen immer weiter ab, während die Milliarden-Konzerne noch mehr Milliarden scheffeln. Lobbyismus scheint sich hier in Heller und Pfennig auszuzahlen! Also, support your local Stadtwerk! =)
unsere stadtwerke kommen auch gut ohne mich aus , nciht umsonst wurden die lange zeit als einer der wenigen potenziellen käufer der thüga gehandelt:grin:
rondo bavarese
05.08.09, 00:01
Meiner Meinung nach haben wir hier in Deutschland auf dem Energiesektor eine Oligarchie und zwar in Reinkultur.
Da werden komplette Gesetzestexte von der Energie-Lobby 1:1 übernommen und die Mitgliedschaft im Energie-Ausschuss sichert jedem Abgeordneten quasi einen lukrativen Job bei einem Energieversorger.
Es ist eine Melange zwischen Wirtschaft und Politik,
wie wir sie nur noch aus Rußland kennen.
Da passt es auch gut ins Bild, dass EU-Forderungen, wie z.B. die Trennung der Netze mit den Erzeugern, einfach ignoriert.
Das Kartellamt wird von den jeweiligen Wirtschaftsministern ganz einfach ausgehebelt.
Die Liste lässt sich noch lange fortsetzen.
Bei den Kommunen sieht es auch nicht besser aus,
da werden Verträge abgeschlossen, die bis zum St. Nimmerleinstag gelten, nach Möglichkeit mit extrem teuren Service-Verträgen, die oftmals auch noch die nötigen Renovierungen behindern.
Warum soll ein Stromlieferant moderne Stromsparlampen in der Straßenbeleuchtung einsetzen, wenn er dadurch weniger Strom verkauft. Die Verbraucher und der Steuerzahler zahlt ja - bis er schwarz wird.
Der größte Witz ist die Ölpreisbindung. Die wurde bis jetzt nirgends gefunden. Anstatt dass mal einer sagt, eine kwh Öl kostet heute 0,10 EUR und das entspricht einer kwh Gas, die 0,10 *1,3 kostet, herrscht dagegen maximale Intransparenz. Steigende Ölpreise führen zu entsprechenden Gaspreisen, aber keiner sagt, auf welche Basis sich die Erhöhung bezieht und bei fallenden Ölpreisen wird kaum etwas davon weitergegeben. Ich verstehe nicht, wie der Verbraucherschutz sich derart für dumm verkaufen lässt. Keiner hakt nach, alle nehmen es hin, was irgendwo auch auf den Intellekt der Bundesbürger Rückschlüsse ziehen lässt.
mentecaptus
05.08.09, 10:41
Der größte Witz ist die Ölpreisbindung. Die wurde bis jetzt nirgends gefunden. Anstatt dass mal einer sagt, eine kwh Öl kostet heute 0,10 EUR und das entspricht einer kwh Gas, die 0,10 *1,3 kostet, herrscht dagegen maximale Intransparenz. Steigende Ölpreise führen zu entsprechenden Gaspreisen, aber keiner sagt, auf welche Basis sich die Erhöhung bezieht und bei fallenden Ölpreisen wird kaum etwas davon weitergegeben. Ich verstehe nicht, wie der Verbraucherschutz sich derart für dumm verkaufen lässt. Keiner hakt nach, alle nehmen es hin, was irgendwo auch auf den Intellekt der Bundesbürger Rückschlüsse ziehen lässt.
Die Ölpreisbindung besteht, weil seit 30 oder 40 Jahren in den Lieferveträgen eine entsprechende Klausel enthalten ist. Und da es nur wenige Gasproduzenten gibt (Russland, dann kommt lange Zeit nichts), besteht auch wenig Chance, diese Bindungsklausel aus den Verträgen mit Russland herauszubekommen.
Die Ölpreisbindung ist aber so ausgestaltet, dass der Gaspreis mit 6 bis 9 Monaten Zeitverzögerung dem Ölpreis folgt. Das bedeutet, dass der massive Einbruch beim Ölpreis seit Juli 2008, wo er von fast 150 USD bis auf zwischenzeitlich 40 USD einbrach (aktuell lieget er bei 70 USD), erst 6 bis 9 Monate später zu sinkenden Gaspreisen führte, nämlich ab März 2009. In der Zeit zwischen Juli 2008 und März 2009 sind die Gaspreise sogar noch deutlich gestiegen bei bereits stark sinkendem Ölpreis, weil der Ölpreis sich zwischen Januar 2008 und Juli 2008 von 100 USD auf 150 USD erhöht hatte und die Gaspreise diese Entwicklung nachzeichneten.
Es ist also jetzt mit einem deutlichen Ruck nach unten bei den Gaspreisen zu rechnen, weil der letzte Schub des sinkenden Ölpreises an die Verbraucher weitergegeben wird. Nicht vergessen sollte man, dass die Versorger in Deutschland ja fast nur Zwischenhändler sind und keine eigenen Gastquellen haben. Sie müssen daher die schwankenden Preise ihres Gaseinkaufes 1:1 an ihre Kunden weitergeben, ansonsten wären sie sehr schnell Pleite.
Die Ölpreisbindung besteht, weil seit 30 oder 40 Jahren in den Lieferveträgen eine entsprechende Klausel enthalten ist. Und da es nur wenige Gasproduzenten gibt (Russland, dann kommt lange Zeit nichts), besteht auch wenig Chance, diese Bindungsklausel aus den Verträgen mit Russland herauszubekommen.
Die Ölpreisbindung ist aber so ausgestaltet, dass der Gaspreis mit 6 bis 9 Monaten Zeitverzögerung dem Ölpreis folgt. Das bedeutet, dass der massive Einbruch beim Ölpreis seit Juli 2008, wo er von fast 150 USD bis auf zwischenzeitlich 40 USD einbrach (aktuell lieget er bei 70 USD), erst 6 bis 9 Monate später zu sinkenden Gaspreisen führte, nämlich ab März 2009. In der Zeit zwischen Juli 2008 und März 2009 sind die Gaspreise sogar noch deutlich gestiegen bei bereits stark sinkendem Ölpreis, weil der Ölpreis sich zwischen Januar 2008 und Juli 2008 von 100 USD auf 150 USD erhöht hatte und die Gaspreise diese Entwicklung nachzeichneten.
Es ist also jetzt mit einem deutlichen Ruck nach unten bei den Gaspreisen zu rechnen, weil der letzte Schub des sinkenden Ölpreises an die Verbraucher weitergegeben wird. Nicht vergessen sollte man, dass die Versorger in Deutschland ja fast nur Zwischenhändler sind und keine eigenen Gastquellen haben. Sie müssen daher die schwankenden Preise ihres Gaseinkaufes 1:1 an ihre Kunden weitergeben, ansonsten wären sie sehr schnell Pleite.
Du hast mich nicht verstanden. Diese Klausel kannst du nicht finden, weil es sie nicht gibt. Die Ölpreisbindung ist nichts weiter als eine in der Luft hängende, quasi freiwillige und unverbindliche Möglichkeit, das Verhältnis von Gas- zu Ölpreis irgendwie miteinander in Zusammenhang zu stellen. Wäre es wirklich Vertragsbestandteil, dann müsste ganz klar geregelt sein, wie genau die Kosten einer kwh Gas mit einer kwh Öl im Verhältnis stehen und mit welcher Verzögerung und in welchen Abständen Anpassungen vorgenommen werden. So wie die Praxis aber ist, gibt es keine konkreten Vereinbarungen, sondern die Preise zwischen Produktionsländern und Großhändlern bzw. Stadtwerken sind fast vollkommen der Willkür ausgeliefert.
Ich wiederhole: Die Ölpreisbindung gibt es nicht in schriftlicher Form. Die Preisbildung Russlands als Hauptlieferland ist maximal intransparent und niemand hat die Möglichkeit, Kalkulationen offen legen zu lassen. Dass selbst das Bundeskartellamt nur die Möglichkeit gibt, nicht nachvollziehbare Preiserhöhungen auf Verbraucherebene abzulehnen und anscheinend nicht begreift oder begreifen soll, dass das Problem höher angesiedelt sind, macht mich wütend. Denn hier wird der Verbraucher wirklich für komplett bescheuert erklärt weil ihn im Einzelfall niemand nachhaltig vor der Willkür der Gasmafia schützt.
Mir lag eine Grafik vor, aus der hervorging, dass über die letzten zehn Jahre die kwh Gas im Durchschnitt permanent mindestens 30% über der kwh Heizöl lag. Und der Ölpreisverfall des letzten Herbstes hätte viel früher weitergereicht werden müssen. Er liegt jetzt noch zu hoch und die nächste Erhöhung wird viel früher kommen als die ausgefallene Senkung. Das Volk da draußen ist aber dermaßen verblödet, dass es keinen Zusammenhang herstellen kann zwischen der Wäremeeinheit der einen und der anderen Energiequelle. Die sagen dann einfach "Gas ist ja viel sauberer als Öl, nicht flüssig, stinkt nicht und deshalb können die Preise nicht direkt verglichen werden".
mentecaptus
05.08.09, 11:58
Du hast mich nicht verstanden. Diese Klausel kannst du nicht finden, weil es sie nicht gibt. Die Ölpreisbindung ist nichts weiter als eine in der Luft hängende, quasi freiwillige und unverbindliche Möglichkeit, das Verhältnis von Gas- zu Ölpreis irgendwie miteinander in Zusammenhang zu stellen. Wäre es wirklich Vertragsbestandteil, dann müsste ganz klar geregelt sein, wie genau die Kosten einer kwh Gas mit einer kwh Öl im Verhältnis stehen und mit welcher Verzögerung und in welchen Abständen Anpassungen vorgenommen werden. So wie die Praxis aber ist, gibt es keine konkreten Vereinbarungen, sondern die Preise zwischen Produktionsländern und Großhändlern bzw. Stadtwerken sind fast vollkommen der Willkür ausgeliefert.
Na, dann wollen wir mal Erleuchtung bringen: Russland liefert gar kein Gas. Russische Konzerne (iw zB Gazprom), die die Lizenzen des russischen Staates zur Gasförderung haben, schließen Verträge mit deutschen Energieversorgern (wie e.on oder Wintershall) zur Lieferung von Erdgas. In diesen Vertägen ist seit annodazumal die Ölpreisbindung vertraglich festgelegt und die Russen werden einen Teufel tun, diese Klauseln aufzugeben. Denn dann müssten sie sich vielleicht wirklich dem Wettbewerb stellen und das es viel mehr Erdgas gibt als Erdöl, würde - rein theoretisch - der Preis für Erdgas niedriger sein müssen als für Erdöl, selbst bei dem höheren Wirkungsgrad des Erdgases.
Nun könnten die deutschen (und andere europäische) Versorger natürlich die Klauseln angreifen und wenn das nicht klappt zu einem anderen Lieferanten wechseln. Doch, oh Schreck, da ist kein anderer! Beim Erdgas ist Russland quasi seine eigene OPEC, ist Beinahe-Monopolist. Und deshalb kommen die westlichen Versorger nicht aus der Klausel raus.
Im Übrigen haben die auch kein gesteigertes Interesse an der Abschaffung der Ölpreisbindung. Die deutschen Energieversorger sind nur Zwischenhändler, die auf das bezogene Erdgas eine Marge aufschlagen, an der sie verdienen. Der Grundpreis ist für sie ein durchlaufender Posten, denn die leute verbrauchen ja nicht mehr Erdgas zum Heizen oder Kochen, nur weil der Preis sinkt.
Na, dann wollen wir mal Erleuchtung bringen: Russland liefert gar kein Gas. Russische Konzerne (iw zB Gazprom), die die Lizenzen des russischen Staates zur Gasförderung haben, schließen Verträge mit deutschen Energieversorgern (wie e.on oder Wintershall) zur Lieferung von Erdgas. In diesen Vertägen ist seit annodazumal die Ölpreisbindung vertraglich festgelegt und die Russen werden einen Teufel tun, diese Klauseln aufzugeben. Denn dann müssten sie sich vielleicht wirklich dem Wettbewerb stellen und das es viel mehr Erdgas gibt als Erdöl, würde - rein theoretisch - der Preis für Erdgas niedriger sein müssen als für Erdöl, selbst bei dem höheren Wirkungsgrad des Erdgases.
Nun könnten die deutschen (und andere europäische) Versorger natürlich die Klauseln angreifen und wenn das nicht klappt zu einem anderen Lieferanten wechseln. Doch, oh Schreck, da ist kein anderer! Beim Erdgas ist Russland quasi seine eigene OPEC, ist Beinahe-Monopolist. Und deshalb kommen die westlichen Versorger nicht aus der Klausel raus.
Im Übrigen haben die auch kein gesteigertes Interesse an der Abschaffung der Ölpreisbindung. Die deutschen Energieversorger sind nur Zwischenhändler, die auf das bezogene Erdgas eine Marge aufschlagen, an der sie verdienen. Der Grundpreis ist für sie ein durchlaufender Posten, denn die leute verbrauchen ja nicht mehr Erdgas zum Heizen oder Kochen, nur weil der Preis sinkt.
Du hast auf Fragen geantwortet, die ich nicht gestellt habe. Du vermutest die Existenz der Ölpreisbindung nur. Fakt ist aber, dass sie in schriftlicher Form nicht existiert. Die Bindung des Gaspreises von bspw. Gazprom an den Rohölpreis ist nicht nachprüfbar. Niemand kann einen von Gazprom festgesetzten Verkaufspreis an einen inländischen Gaskonzern anhand der Ölpreisbindung nachvollziehen. De facto setzt Gazprom die Gaspreise willkürlich und irgendwie am Ölpreis orientiert fest. Besonders krass waren da der extreme Preisnachlass bis vor kurzem ja an die Ukraine und Weißrussland.
Warum glaubst du immer noch, dass die Ölpreisbindung ein knallharter Vertragsbestandteil wäre? Internationale Energiekommissionen wissen schon lange, dass diese Ölpreisbindung nur eine ungefähre Richtschnur ist. Die Preisbildung geschieht nach wie vor nach Gutdünken von Gazprom. Oder warum glaubst du, gibt es keine offen einsehbaren kwh-Preise an die jeweiligen Lieferländer, im krassen Gegensatz zu Geschäften mit Rohöl, für das es eine funktionierende Preisbildung gibt? Hier verweist du wieder auf die Ölpreisbildung aber wie ich schon sagte, es gibt keinen Faktor, der angewendet wird, sondern allenfalls "Pi mal Daumen". Das weiß auch die Bundesregierung. Sie tut aber nichts dagegen.
mentecaptus
05.08.09, 12:34
Du hast auf Fragen geantwortet, die ich nicht gestellt habe. Du vermutest die Existenz der Ölpreisbindung nur. Fakt ist aber, dass sie in schriftlicher Form nicht existiert.
Du kennst also die Verträge zwischen Gazprom und e.on? Interessant... Fakt ist nur, dass du keine Ahnung hast, ob eine solche Klausel existiert. Du erhebst deine Unwissenheit aber zum Dogma und behauptest, wenn du es nicht weißt, dann kann besteht es auch nicht.
Niemand kann einen von Gazprom festgesetzten Verkaufspreis an einen inländischen Gaskonzern anhand der Ölpreisbindung nachvollziehen.
Das ist mal korrekt, die Vertragsdetails sind Internas der Konzerne und nicht öffentlich zugänglich. Das hat aber nichts mit deinen Falschbehauptungen von oben zu tun. Denn nur weil du die Regelung nicht kennst, bedeutet das nicht, dass es sie nicht gibt.
De facto setzt Gazprom die Gaspreise willkürlich und irgendwie am Ölpreis orientiert fest.
Quatsch. Willkürlich erfolgt das gar nichts, sondern anhand von vertraglichen Vereinbarungen. Die werden idR für mindestens 5 Jahre geschlossen, nicht selten aber länger.
Besonders krass waren da der extreme Preisnachlass bis vor kurzem ja an die Ukraine und Weißrussland.
Das waren vertraglich zugesagte Rabatte an "russische Bruderstaaten". Die Verträge sind ausgelaufen und die Ukrainer wollte sie zu alten Konditionen verlängern. Die Russen nicht, da sich die Gaspreise zwischenzeitlich ja vervielfacht hatten. Darüber hinaus haben die Ukrainer Gas von den Lieferungen an die Westeuropäer abgezweigt (es wurde viel mehr Gas in das Ukrainische Gasnetz eingespeist als an den Übergängen zu den westeuropäischen Versogungspunkten ankam) und das wollte sich die russische Seite nicht länger gefallen lassen.
Aber das Thema hat ja nun überhaupt nichts mit der Ölpreisbindung zu tun!
Warum glaubst du immer noch, dass die Ölpreisbindung ein knallharter Vertragsbestandteil wäre?
Weil es so ist, ganz einfach. "Mein" Energieunternehmen, bei dem ich im Aufsichtsrat sitze, kauft kein Gas aus Russland, sondern aus Dänemark. Die Verträge enthalten ebenfalls solche Koppelvereinbarungen, weil sie "marktüblich" sind. Und die Abnahmepreise für das Gas sind fest fixiert auf eine Bezugsgröße, zB WTE oder Brent, die Vertagslaufzeit beträgt viele Jahre.
Internationale Energiekommissionen wissen schon lange, dass diese Ölpreisbindung nur eine ungefähre Richtschnur ist. Die Preisbildung geschieht nach wie vor nach Gutdünken von Gazprom. Oder warum glaubst du, gibt es keine offen einsehbaren kwh-Preise an die jeweiligen Lieferländer, im krassen Gegensatz zu Geschäften mit Rohöl, für das es eine funktionierende Preisbildung gibt?
Nochmal zum Mitmeißeln: zwei Unternehmen gehen einen Vertrag ein. Dessen Inhalt ist deren Sache, da hat niemand ein Recht darauf, diesen einzusehen, sofern nicht Rechtsverstöße und/oder kartellrechtliche Belange vorliegen. Und beim Rohöl gibt es einen funktionierenden Markt! Auch wenn mit der OPEC ein Kartell dies zu verhindern sucht, gibt es doch viele Anbieter. Beim Gas gibt es defacto fast nur einen großen Anbieter: Russland. Darüber hinaus besteht auch ein Unterschied zwischen Erdgas und Erdöl in seiner Beschaffenheit, denn Erdöl kann man relativ leicht lagern, Erdgas hingegen nicht so ohne Weiteres; das Erdgas geht zumeist gleich ins Netz, wird vom heimischen Versorger mit Luft "gestreckt" zu seinem erwünschten Wirkungsgrad und direkt an den Kunden geliefert. Per Gasleitung, nicht via LKW in den Gastank im Keller.
Hier verweist du wieder auf die Ölpreisbildung aber wie ich schon sagte, es gibt keinen Faktor, der angewendet wird, sondern allenfalls "Pi mal Daumen". Das weiß auch die Bundesregierung. Sie tut aber nichts dagegen.
Die Bundesregierung ist nicht Vertragspartner der Gaslieferanten in Russland, sondern deutsche Energieversorger. Die Bundesregierung kann deshalb auch nicht eingreifen, außer durch Apelle und durch Restriktionen seitens der Regulierungsbehörde. Aber die sind bisher eher Oligopol- als marktstärkend. Des Weiteren kann sie sich ggf. in die Netzverwaltung einmischen, denn das Durchleiten "fremden" Gases wird bisher von vielen Gasnetzbetreibern noch blockiert. Hier könnte wirklich Druck gemacht werden von Seiten der Regierung, um im heimischen Gasmarkt mehr Wettbewerb zu erzielen. An den hohen Einkaufspreisen ändert das allerdings erstmal nichts.
Du kennst also die Verträge zwischen Gazprom und e.on? Interessant... Fakt ist nur, dass du keine Ahnung hast, ob eine solche Klausel existiert. Du erhebst deine Unwissenheit aber zum Dogma und behauptest, wenn du es nicht weißt, dann kann besteht es auch nicht.
Sag mal? Das ist alles längst bekannt und fast schon Allgemeinbildung! Ein Plusminus-Bericht von vor ca. einem Jahr hat das aufgedeckt und die Energiekonzerne dazu befragt. Der Fakt, dass die Ölpreisbindung nichts als eine leere Hülse ist, wurde dabei noch nicht mal dementiert!
Es wäre schön gewesen, wenn du dich vorher informiert hättest, denn dein ganzer übriger Beitrag hätte sich dann erübrigt.
Das ist mal korrekt, die Vertragsdetails sind Internas der Konzerne und nicht öffentlich zugänglich. Das hat aber nichts mit deinen Falschbehauptungen von oben zu tun. Denn nur weil du die Regelung nicht kennst, bedeutet das nicht, dass es sie nicht gibt.
Quatsch. Willkürlich erfolgt das gar nichts, sondern anhand von vertraglichen Vereinbarungen. Die werden idR für mindestens 5 Jahre geschlossen, nicht selten aber länger.
Weil es so ist, ganz einfach. "Mein" Energieunternehmen, bei dem ich im Aufsichtsrat sitze, kauft kein Gas aus Russland, sondern aus Dänemark. Die Verträge enthalten ebenfalls solche Koppelvereinbarungen, weil sie "marktüblich" sind. Und die Abnahmepreise für das Gas sind fest fixiert auf eine Bezugsgröße, zB WTE oder Brent, die Vertagslaufzeit beträgt viele Jahre.
An den hohen Einkaufspreisen ändert das allerdings erstmal nichts.
Es bleibt also dabei, dass der Einkaufspreis der verschiedenen Versorger nicht allein durch die Ölpreisbindung hergeleitet werden kann. Schließlich bezahlt jedes Stadtwerk schon allein im Einkauf zum Teil extrem abweichende Preise, die rational nicht erklärt werden können. Und genau um diese Willkür geht es und so langsam sollte es dir auch klar sein, dass Transparenz hier unerwünscht ist. Um die abweichenden Kosten im Leitungsnetz der verschiedenen Städte, also rein durch die Infrastruktur bedingt (vor allem wie viele Verbraucher pro Meter Rohr), geht es mir gar nicht. Mir geht es wie gesagt um Transparenz der Einkaufspreise, die zum Teil um 70% voneinander abweichen. Und die haben nun reichlich wenig mit der Ölpreisbindung zu tun, sondern mit Willkür und Abzocke.
Sieh dir doch nur die Strompreise in Deutschland an. Es gibt einfach keine rationale Erklärung dafür, dass Strom gerade in Deutschland mit Abstand am teuersten ist. Fühlst du dich persönlich betroffen, weil du mit im Aufsichtsrat sitzt? Oder ist es eher so was wie Betriebsblindheit, dass du den großen Zusammenhang nicht erkennen willst?
Ich will ja nicht nachtreten, aber das hier sollte man schon kennen:
http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96lpreisbindung
Besonders der letzte Absatz ist aufschlussreich:
"Während die durchschnittlichen Erdgasimportpreise zwischen Mai 2003 und Februar 2007 lediglich von 1,30 Cent/kWh auf etwa 2,20 Cent/kWh um etwa 0,90 Cent/kWh angehoben wurden, stiegen die Endverbraucherpreise - etwa beim Oldenburger Regionalversorger EWE - teilweise zur gleichen Zeit sogar um über 1,50 Cent/kWh (netto).
Gerade darin sehen Verbraucherschützer einen Missbrauch. Es werden nicht lediglich gestiegene Erdgasimportpreise an die Verbraucher weitergegeben, sondern innerhalb der überkommenen Lieferkette ab deutscher Grenze erhebliche zusätzliche Gewinne erzielt.
Die für den Preisanstieg oft gegebene pauschale Begründung unter Verweis auf eine Ölpreisbindung erweist sich daher als unzutreffend. Jedenfalls richten sich die Erdgasimportpreise nach einer gänzlich anderen Ölpreisbindung.
Besonders deutlich trat dieser Missbrauch in der Heizperiode 2004/2005 zu Tage. Hatten sich die Erdgasimportpreise vom Mai 2003 bis zum Mai 2005 lediglich von 1,30 Cent/kWh auf 1,45 Cent/kWh, also um 0,15 Cent/kWh erhöht, erreichten die Verbraucher in gleicher Zeit Preiserhöhungen um über 0,50 Cent/kWh." (Und das, obwohl der reine Warenwert nur einen Bruchteil der Endverbraucherpreise ausmacht). Merkst du jetzt was?
Und ganz kurios wird es, wenn Stadtwerke auch gleich noch ihre eigene Ölpreisbindung anwenden, also der gleiche Faktor nochmal obendraufgeschlagen wird.
Wie du siehst, ist es also nicht so einfach, wie du bisher geglaubt hast. Es gibt de facto keine Relation zwischen Ölpreisbindung und kwh-Preis beim Endverbraucher. Die Preiserhöhungen werden immer überproportional ausfallen. Weil der deutsche Verbraucher besonders dumm ist.
rondo bavarese
05.08.09, 14:08
GUTACHTEN DER MONOPOLKOMMISSION
Deutsche zahlen zu viel für Energie
Vernichtendes Urteil für Deutschland: Auf dem Strom- und Gasmarkt gibt es laut Monopolkommission immer noch zu wenig Anbieter, zu hohe Barrieren und nur eine einseitige Förderung. Leidtragende sind die Verbraucher, Schuld ist auch die Bundesregierung.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,640339,00.html
Bin mal gespannt, wie lange die Politiker brauchen,
um diese Monopolkommision zum Schweigen zu bringen.
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