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Enigma
02.08.09, 19:39
hier in diesem strang würde ich gerne über das svs diskutieren , das ohne zweifel reformen bedarf.



meiner meinung nach müssen wir die sozialversicherung stärker über die umsatzsteuer finanzieren um zum einen die areitskosten zu senken (dadurch werden mehr leute ingestellt) und um die gefahren der prozyklität der sozialversicherung abzumildern , wenn nicht sogar abzuschaffen (die sozialversicherung verschärft krisen , da sie sich bei der entlassung von mitarbeitern deutlich verteuert und somit wiedreum zu weiteren entlassungen führt)

ich würde gerne eure meinungen und vorschläge hören=)

mentecaptus
02.08.09, 19:50
Ich weiß nicht, ob ich auf den Zug wirklich aufspringen möchte...

Einfach nur die Mehrwertsteuer zu erhöhen, um höhere Zuschüsse in die SV zu pumpen, bringt ja erstmal nüscht. Und wenn du die Umlagefinanzierung der SV ausschalten willst, brauchste einen hohen milliardenbetrag, der schwer über die Mehrwertsteuer alleine zu finanzieren sein dürfte. Denn einen MwSt-Satz von 40% wirste kaum durchhalten können, weil dann die Schwarzarbeit so attraktiv wird, dass du dem gar nicht mehr Herr werden kannst.

Also kommst du fast unweigerlich zum Thema begingungsloses Grundeinkommen, weil man da ein größeres Fass aufmacht und so auch über einen alternativen Finanzierungsweg nachdenken kann, weil parallel eben alle Sozialtransfers eingestellt werden und man auch die Krenkanversicherung im gleichen Abwasch mit abhandeln kann.

Enigma
02.08.09, 19:55
das bedingungslose grundeinkommen , das wurde ja schon in einer studie bewiesen , sorgt dafür, dass die menschen deutlich weniger arbeiten und das ist ja auch nicht der sinn der sache , denn das bge muss ja auch erstmal durch arbeit erwirtschaftet werden

mentecaptus
02.08.09, 20:06
das bedingungslose grundeinkommen , das wurde ja schon in einer studie bewiesen , sorgt dafür, dass die menschen deutlich weniger arbeiten und das ist ja auch nicht der sinn der sache , denn das bge muss ja auch erstmal durch arbeit erwirtschaftet werden

Diese Studie halte ich für Tinnef, denn sie widerspricht dem gesunden Menschenverstand und der Logik. Es kommt eben darauf an, von welcher Basis man ausgeht. Die Gegner des BGE stellen eine ideale wirtschaftsliberale Welt gegen die BGE-Welt. Also eine Welt, in der es keine Sozialversicherung gibt und alle nur dann etwas bekommen, wenn sie dafür etwas leisten. Und das ist eben Blödsinn, denn in so einer Welt leben wir nicht. Der Vergleich muss also mit unserer jetztigen Realität erfolgen! Und da haben wir 57 Behörden, die sich mit irgendwelchen Sozialtransfers beschäftigen, also mit der Umverteilung von Steuergeld. Wir haben ALG, ALG2, Kosten der Unterkunft, Wohngeld, Grundsicherung, Kindergeld, Erziehungsgeld uswusf. All das würde abgeschafft und in einem einheitlichen Grundeinkommen zusammengefasst. Womit schon mal rund 70 bis 80 Prozent des BGE finanziert wären.

Jetzt kommen wir zu der Behauptung, ein BGE würde Arbeitsanreize verringern. Das ist definitiv falsch! Wenn sich heute ein ALG2-Empfänger Geld hinzuverdient, muss er davon etwa 85% abführen. DAS ist ein Leistungsanreizkiller! Beim BGE gibt es keine solchen Beschränkungen. Oberhalb des BGE sind alle Einkünfte zu versteuern, von jedem (!) Bürger. Wer sich also etwas hinzuverdient, zahlt darauf den Steuersatz. Je nach Modell also einen Einheitssatz von zB 35% oder aber den auf die Person zutreffenden der 3 Sätze (30%, 35%, 40%). Bei einem ALG2-Empfänger können wir aber vom niedrigsten Steuersatz ausgehen, also 30%. Das klingt viel, ist aber im Vergleich zu den aktuellen 85% ein Fliegenschiss! Von 100 EUR Zuverdienst bleiben also nicht 15 EUR, sondern 70 EUR über. Also ein Plus von 55 EUR bei gleicher Arbeit. Wenn DAS mal nicht ein LeistungsANREIZ ist, was dann?

Enigma
02.08.09, 20:24
nicht jeder mensch denkt so wie du , die meisten menschen sind mit einer kleinen steigerung ihres lebensstandarts zufrieden .

nehmen wir mal ein beispiel ein ehepaar mit zwei kindern. der mann bringt 2500 netto nach hause , die frau 1500...das bge wird eingeführt 800€ pro erwachsenen 600€ pro kind ..macht 2800€ ohne einen finger krummzumachen.
nun kann entweder die frau zuhause bleiben , der mann zu hause bleben oder beide ihre arbeitszeit reduzieren und trotzdem geht es ihnen noch besser.

mentecaptus
02.08.09, 20:37
nicht jeder mensch denkt so wie du , die meisten menschen sind mit einer kleinen steigerung ihres lebensstandarts zufrieden .

nehmen wir mal ein beispiel ein ehepaar mit zwei kindern. der mann bringt 2500 netto nach hause , die frau 1500...das bge wird eingeführt 800€ pro erwachsenen 600€ pro kind ..macht 2800€ ohne einen finger krummzumachen.
nun kann entweder die frau zuhause bleiben , der mann zu hause bleben oder beide ihre arbeitszeit reduzieren und trotzdem geht es ihnen noch besser.

Denkfehler: das BGE erhält diese Familie zusätzlich zum Einkommen!

Ich nehme bei 2500 EUR Netto jetzt mal 3800 EUR Brutto an. Das wären dann also 3800 EUR + 2800 EUR = 6600 EUR an Familieneinkommen. Davon werden die Freibeträge abgezogen und der Rest muss voll versteuert werden, kein Schlupfloch, keine Absetzmöglichkeiten. Betragen die Freibeträge*) also für alle vier zusammen 4000 EUR, verblieben 2600 EUR an zu versteuerndem Einkommen, das dann zu zB 35% versteuert würde. Also gut 1200 EUR Steuern. Unterm Strich bleiben also 5400 EUR über.

Glaubst du, der Mann würde seinen Job aufgeben und das Famileineinkommen von 5400 auf 2800 EUR absenken? Nur, um den ganzen Tag zuhause rumzulümmeln? Im Einzelfall mag das sogar passieren, aber für die meisten Menschen ist Arbeit nicht nur Einkommenserzielung, sondern auch Selbstbestätigung und wichtiger sozialer Faktor.





*) Hab ich nicht im Kopf, müsste ich nachsehen, was da so geplant ist.

Enigma
02.08.09, 20:46
mente du vergisst aber auch die frau die ja auch noch verdient
und in diesem fall kann sie einfach ihre arbeitszeit reduzieren ohne dass die familie finanziell schlechter dasteht

GG146
02.08.09, 20:47
hier in diesem strang würde ich gerne über das svs diskutieren , das ohne zweifel reformen bedarf.



meiner meinung nach müssen wir die sozialversicherung stärker über die umsatzsteuer finanzieren um zum einen die areitskosten zu senken (dadurch werden mehr leute ingestellt) und um die gefahren der prozyklität der sozialversicherung abzumildern , wenn nicht sogar abzuschaffen (die sozialversicherung verschärft krisen , da sie sich bei der entlassung von mitarbeitern deutlich verteuert und somit wiedreum zu weiteren entlassungen führt)

ich würde gerne eure meinungen und vorschläge hören=)

Jede Art von weiterer Belastung der Arbeitseinkommen zur Bewältigung der Riesenlasten des Sozialsystems ist, auch über Konsumsteuern, ist gleich schädlich bzw. selbstzerstörerisch für das System.

Es hilft nur noch eine einmalige Vermögensabgabe und die Schaffung eines privatrechtlichen - genossenschaftlichen - Sondervermögens, dessen Erträge die SV - Kosten mittragen und die Arbeitseinkommen entlasten.

Enigma
02.08.09, 20:54
Jede Art von weiterer Belastung der Arbeitseinkommen zur Bewältigung der Riesenlasten des Sozialsystems ist, auch über Konsumsteuern, ist gleich schädlich bzw. selbstzerstörerisch für das System.

Es hilft nur noch eine einmalige Vermögensabgabe und die Schaffung eines privatrechtlichen - genossenschaftlichen - Sondervermögens, dessen Erträge die SV - Kosten mittragen und die Arbeitseinkommen entlasten.

also enteignung um die sv zu finanzieren ?
davon mal abgesehen , dass die idee aufgrund unseres grundgesetzes nicht zu verwirklichen ist , finde ich die idee auch nicht.

vorallem..wer soll wieviel aus deinem system erhalten . jeder nur ne grundsicherung oder alle ein möglichst hohes geld oder dann doch nach arbeitsleistung?

mentecaptus
02.08.09, 20:54
mente du vergisst aber auch die frau die ja auch noch verdient
und in diesem fall kann sie einfach ihre arbeitszeit reduzieren ohne dass die familie finanziell schlechter dasteht

Schön für sie! Wenn sie weniger arbeiten will und ihr das BGE ermöglicht, sich mehr um die Kinder zu kümmern, dann soll sie das gerne machen. Allerdings übersiehst du, dass zu deinen genannten Einkommen ja auch noch staatliche Transfers, wie das Kindergeld, hinzukommen. Die haste zwar nicht genannt, aber die kommen ja noch oben drauf - und sind beim BGE entsprechend zu kürzen, da sie Bestandteil des BGE sind.

Wenn aber trotzdem die Frau zuhause bleiben will, kann sie das genauso tun, wie heute auch schon. Ein anderer wird ihren Job gerne nehmen, der dann entsprechend nicht mehr auf seiner Couch sitzt.

mentecaptus
02.08.09, 20:56
Jede Art von weiterer Belastung der Arbeitseinkommen zur Bewältigung der Riesenlasten des Sozialsystems ist, auch über Konsumsteuern, ist gleich schädlich bzw. selbstzerstörerisch für das System.

Es hilft nur noch eine einmalige Vermögensabgabe und die Schaffung eines privatrechtlichen - genossenschaftlichen - Sondervermögens, dessen Erträge die SV - Kosten mittragen und die Arbeitseinkommen entlasten.

Achso. Und dieses "Sondervermögen" wird dann angelegt, damit es Erträge bringt. Bis vor 9 Monaten also in bestimmten Anleihen und Derivaten von Lehman Brothers oder Kolpting Bank. Aber wenn dieses Vermögen dann dummerweise mal weg ist, kann ja eine zweite Enteignungsrunde anlaufen lassen... :mad:

GG146
02.08.09, 21:07
also enteignung um die sv zu finanzieren ?
davon mal abgesehen , dass die idee aufgrund unseres grundgesetzes nicht zu verwirklichen ist , finde ich die idee auch nicht.

vorallem..wer soll wieviel aus deinem system erhalten . jeder nur ne grundsicherung oder alle ein möglichst hohes geld oder dann doch nach arbeitsleistung?

Als das Lastenausgleichsgesetz beschlossen wurde, gab es das Grundgesetz auch schon.

Ich meine eine einmalige Vermögensabgabe, das ist die volkswirtschaftlich unschädlichste - genau genommen einzig denkbare völlig unschädliche - Methode, den Finanztrümmerhaufen wegzuräumen.

GG146
02.08.09, 21:09
Achso. Und dieses "Sondervermögen" wird dann angelegt, damit es Erträge bringt. Bis vor 9 Monaten also in bestimmten Anleihen und Derivaten von Lehman Brothers oder Kolpting Bank. Aber wenn dieses Vermögen dann dummerweise mal weg ist, kann ja eine zweite Enteignungsrunde anlaufen lassen... :mad:


Ich schrieb gerade etwas von genossenschaftlichem Privatvermögen, also einer neuen Art von kollektivem privatrechtlich verfasstem Volksvermögen. Da hätten weder die staatlichen Wirtschaftsbürokraten alter Art noch Finanzhaie ihre Finger drin.

Enigma
02.08.09, 21:10
Als das Lastenausgleichsgesetz beschlossen wurde, gab es das Grundgesetz auch schon.

Ich meine eine einmalige Vermögensabgabe, das ist die volkswirtschaftlich unschädlichste - genau genommen einzig denkbare völlig unschädliche - Methode, den Finanztrümmerhaufen wegzuräumen.

in was soll denn das geld , das sind ja alle vermögenswerte außer unternehmen ,grund und boden sowie immoblien ,investiert werden.
eine so gewaltige summe kann man nicht mal eben so anlegen

mentecaptus
02.08.09, 21:23
Ich schrieb gerade etwas von genossenschaftlichem Privatvermögen, also einer neuen Art von kollektivem privatrechtlich verfasstem Volksvermögen. Da hätten weder die staatlichen Wirtschaftsbürokraten alter Art noch Finanzhaie ihre Finger drin.

Das ist unerheblich, weil das Geld ja verwaltet werden muss. Und dafür benötigt man Fachleute - jene Leute, die bis vor kurzem noch die ganzen "Schrottanleihen" für rentabele und sichere Wertpapiere hielten.

GG146
02.08.09, 21:29
in was soll denn das geld , das sind ja alle vermögenswerte außer unternehmen ,grund und boden sowie immoblien ,investiert werden.
eine so gewaltige summe kann man nicht mal eben so anlegen

Daraus wird erst ein Schuh, wenn man diesem kollektiven Privatvermögen das Privileg verschafft, nicht marktwirtschaftskompatible Unternehmen zu besitzen und allen sonstigen Privatvermögen dieses Recht wegnimmt.

Damit meine ich Unternehmen der Grundversorgung, Energie, Bahn, Pharmabereich.

Dass da Mondpreise entstehen, kann man so oder so nicht verhindern, auch nicht durch eine Rückkehr zur Staatswirtschaft. Aber wenn diese hohen Preise direkt die SV`en entlasten bzw. später* ein bedingungsloses Grundeinkommen der ganzen Bevölkerung decken, geht das nicht auf Kosten der arbeitenden Menschen, weil die im selben Umfang entlastet werden, wie sie unvermeidlich in den kritischen Wirtschaftsbereichen belastet werden.

*darstellbar, wenn man das durch eine einmalige Vermögensabgabe erlangte kollektive Privatvermögen 20 - 30 Jahre lang durch eine Erbschaftsabgabe aufstockt, die in dieser Zeit die Erbschaftssteuer ersetzt.

GG146
02.08.09, 21:31
Das ist unerheblich, weil das Geld ja verwaltet werden muss. Und dafür benötigt man Fachleute - jene Leute, die bis vor kurzem noch die ganzen "Schrottanleihen" für rentabele und sichere Wertpapiere hielten.


Nein, dafür benötigt man vertrauenswürdige Instanzen, die Bundesbank als Dachorganisation der gesetzlichen Versicherungsträger und einen neu zu bildenden BGH - Senat (Zivilrecht wg. mündelsicherer Anlagen) als Kontrollinstanz.

Enigma
02.08.09, 21:43
Nein, dafür benötigt man vertrauenswürdige Instanzen, die Bundesbank als Dachorganisation der gesetzlichen Versicherungsträger und einen neu zu bildenden BGH - Senat (Zivilrecht wg. mündelsicherer Anlagen) als Kontrollinstanz.

du hast aber imer noch nicht geklärt in was investiert werden soll;-)

GG146
02.08.09, 21:55
du hast aber imer noch nicht geklärt in was investiert werden soll;-)

Sicher habe ich das:


Daraus wird erst ein Schuh, wenn man diesem kollektiven Privatvermögen das Privileg verschafft, nicht marktwirtschaftskompatible Unternehmen zu besitzen und allen sonstigen Privatvermögen dieses Recht wegnimmt.

Damit meine ich Unternehmen der Grundversorgung, Energie, Bahn, Pharmabereich.

Dass da Mondpreise entstehen, kann man so oder so nicht verhindern, auch nicht durch eine Rückkehr zur Staatswirtschaft. Aber wenn diese hohen Preise direkt die SV`en entlasten bzw. später* ein bedingungsloses Grundeinkommen der ganzen Bevölkerung decken, geht das nicht auf Kosten der arbeitenden Menschen, weil die im selben Umfang entlastet werden, wie sie unvermeidlich in den kritischen Wirtschaftsbereichen belastet werden.