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Vivian
16.09.09, 16:00
Bundeswehrinspekteur kritisiert Rüstungsindustrie

Der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr, Johann-Georg Dora, hat die deutsche Rüstungsindustrie massiv kritisiert. Im Rahmen der Konferenz zu Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie des Handelsblatts forderte er von den Konzernen mehr Flexibilität und firmenübergreifende Kooperationen.

Weiterlesen... (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bundeswehrinspekteur-kritisiert-ruestungsindustrie;2457514)

Walter Hofer
16.09.09, 16:35
Um die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr zu verbessern, stellte er eine ganze Reihe an Forderungen an die Verteidigungindustrie.

Die Forderungen der Militärs sind teils überzogen, teils nicht realisierbar! Beispiel: Schützenpanzer Puma

"Besonders in Großprojekten komme es regelmäßig zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen hinsichtlich der Projektrealisierung," sagte Dora. Diese führe zu deutlichen Kostensteigerungen.

weil die Militärs immer neue Zusatzforderungen nachkarren, bis aus der ursprünglich bestellten Fregatte eine Kombination aus U-Boot und Helikopterträger wird!

Walter Hofer
16.09.09, 16:44
Ich bin beileibe kein Freund der Linken, aber in dem Skandalfall haben sie recht:

Ohne Fremdeinwirkung
Milliardenteure Schützenpanzer der Bundeswehr schrottreif.
Die Linke kritisiert Geldgeschenke an Rüstungskonzerne, aber freut sich über untaugliches Kriegsgerät!

Das Ministerium kompensiert die technischen Pleiten mit euphemistischer Wortwahl. So habe die Industrie »die technischen Lösungsansätze« aufgezeigt und diese »mit guten Teilergebnissen weitergeführt«. Geradezu brillant ist die Formulierung, daß die Testpanzer zwar »nicht einzeln, aber zusammen das geforderte Leistungs- und Funktionsspektrum des Waffensystems« abbilden.

Auf einen Autokauf übertragen:
Das eine hat keine Bremsen, dafür hat das andere kein Licht – beide zusammen würden aber einwandfrei fahren. :haha:

Der Puma soll den alten Marder ablösen, schneller, wendiger und besser gepanzert sein und höheren Schutz gegen Minen bieten. Die Probleme liegen dem Bericht zufolge, den jW einsehen konnte, vor allem beim Laufwerk und Antrieb. Genannt werden auch die Sprengkörperwurfanlage und das Selbstschutzsystem gegen anfliegende Lenkflugkörper. Zu den Problemen am Laufwerk heißt es, erste Ergebnisse zeigten »eine deutliche verbesserte« Qualität. »Die Leistungsschwächen im Antriebsbereich sollen« (!) behoben werden. Ob der Panzer am Ende ins Kriegsgebiet verlegt werden kann, ist auch unklar. Für den Transport im Militärairbus A 400 M müssen erst noch »gewichtsreduzierende Maßnahmen« ergriffen werden.

Der Puma kann voraussichtlich nur in der Schutzstufe A im zukünftigen militärischen Transportflugzeug Airbus A400M transportiert werden. Um für drei Pumas die Module für die Schutzstufe C nachzuliefern, wird ein weiterer Flug benötigt, wodurch der Transportaufwand um ein Drittel höher ist als bei seinem Vorgänger, dem Marder. Dazu kommt auch noch der Aufwand für die Demontage der Module sowie für die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft. Der Aufwand und die zu nehmende Rücksicht im Transport und der Einsatzplanung, die aus dem höheren Gewicht resultieren, gleicht mehr denen eines Kampfpanzers.

Der Puma ist mit seinen Kosten um 7 Millionen Euro/Stück bisher der teuerste Schützenpanzer der Welt. Die Russen bieten ihre bessere Version zum halben Preis an!

Kostenpunkt: Gegenwärtig 3,7 Milliarden Euro. Die Beute teilen sich Krauss Maffei Wegmann und Rheinmetall.

Skeptiker
16.09.09, 19:21
Ohne Fremdeinwirkung
Milliardenteure Schützenpanzer der Bundeswehr schrottreif.
Die Linke kritisiert Geldgeschenke an Rüstungskonzerne, aber freut sich über untaugliches Kriegsgerät!

Das Ministerium kompensiert die technischen Pleiten mit euphemistischer Wortwahl. So habe die Industrie »die technischen Lösungsansätze« aufgezeigt und diese »mit guten Teilergebnissen weitergeführt«. Geradezu brillant ist die Formulierung, daß die Testpanzer zwar »nicht einzeln, aber zusammen das geforderte Leistungs- und Funktionsspektrum des Waffensystems« abbilden.





Der Puma ist mit seinen Kosten um 7 Millionen Euro/Stück bisher der teuerste Schützenpanzer der Welt. Die Russen bieten ihre bessere Version zum halben Preis an!

Kostenpunkt: Gegenwärtig 3,7 Milliarden Euro. Die Beute teilen sich Krauss Maffei Wegmann und Rheinmetall.


Das die Panzer, welche die Deutsche Rüstungsindustrie dem Deutschen Militär liefert, bei Auslieferung nicht kampfbereit oder nur bedingt einsatzfähig sind, hat eine lange desaströse Tradition in Deutschland.

Schon der erste Deutsche Panzer A7V, der Kaiserlichen Armee, eine Antwort auf die Tanks der Engländer und Franzosen, konnte, wegen seiner Kompliziertheit und Störanfälligkeit, nie erfolgreich auf dem Schlachtfeld eingesetzt werden.

Der Panzer IV, der 1938- 1942 schwerste Kampfpanzer der Deutschen Wehrmacht, hatte am Anfang eine kurze Stummelkanone, die es den Besatzungen nicht ermöglichte, die relativ schweren englischen Matilda Tanks und die schweren französischen Char B2 überhaupt im Gefecht zu knacken.
Ohne die Deutsche 8,8 cm Flak und die Deutschen Stukas, wäre der Frankreichfeldzug in einer Katastrophe geendet.
Das gleiche Drama, als die Deutschen Panzer III und Panzer IV auf den russischen T34/76 trafen, dem diese beiden Panertypen hoffnungslos unterlegen waren.
Als die neuen Panzer Tiger I und Panther in der Panzerschlacht von Kursk zum ersten Mal in Massen eingesetzt wurden, blieben mehr Tiger und Panther durch Motor- und Laufwerkschäden liegen und mussten gesprengt werden, als das sie durch Feindbeschuss zerstört wurden.
Der Tiger II (Königstiger) war dermaßen untermotorisiert, dass er eigentlich nur als stehender Bunker, aus dem Hinterhalt oder einer gedeckten Stellung, angreifen konnte.
Außerdem war das Getriebe den enormen Belastungen nicht mehr gewachsen, was zu unzähligen Ausfällen durch Getriebeschäden führte.

Das erste selbstentwickelte Nachkriegspanzer der Deutschen, der Leopard 1, hatte von Anfang an gegenüber seinen Konkurrenten des Warschauer Paktes (T 64, T62, ab 1972 T 72) eine zu schwache Panzerung, was die Panzertruppe schon Ende 1960 nach einem neuen Panzer fordern ließ.

Der Leopard 2 war dagegen eine gelungene Konstruktion, die auch heute noch die Anforderungen des modernen Panzereinsatzes erfüllt.

Das der Puma nicht einsatzbereit oder nur bedingt kampffähig ist, ist also nicht weiter verwunderlich.

Walter Hofer
16.09.09, 20:14
Danke für den kurzen, historischen Abriss des Versagens! :)

Werden unsere hochbezahlten Panzerbauer denn nie aus ihren Fehlern lernen? :rolleyes:

Skeptiker
16.09.09, 21:37
Danke für den kurzen, historischen Abriss des Versagens! :)

Werden unsere hochbezahlten Panzerbauer denn nie aus ihren Fehlern lernen? :rolleyes:

Da die anderen Nationen auch eher selten Kampffahrzeuge konstruieren und produzieren, die man als überlegene Konstruktion bezeichnen kann, konnten Deutsche Panzerfahrzeuge nach Nachbesserungen und Kampfwertsteigerungen, mit ihren ausländischen Konkurrenten bisher immer mithalten.

Die Frage bleibt natürlich, warum es zwischen Panzertruppe und Ingenieurbüros und späteren Panzerbauern, keine effektive Zusammenarbeit gibt, die solche technischen Macken der Kampffahrzeuge nicht von vornherein verhindern.

Das mit Abstand schlechteste Kampffahrzeug der Bundeswehr, war bis jetzt der Schützenpanzer HS 30.
Der damalige Verteidigungsminister Strauß soll schon bei der Beschaffung von den eklatanten Mängeln dieses Kampffahrzeuges gewusst haben, es aber trotzdem angeschafft haben.
Angeblich sind damals Bestechungsgelder in zweistelliger Millionenhöhe an Strauß geflossen.
Das Gleiche mit dem "Witwenmacher", dem Starfighter.
Auch hier sollen an Strauß Schmiergelder geflossen sein.