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mentecaptus
29.07.09, 01:36
Ich weiß, es ist kein ganz neuer Aufsatz von mir, stammt bereits von Ende 2005, aber das Thema ist nach wie vor aktuell. Daher stelle ich ihn hier mal ein und zur Diskussion.
...und Keynes irrt sich doch!
John Maynard Keynes und seine gegenwärtigen Apologethen, wie Bofinger und Hickel, fordern exzessive Lohnerhöhungen als Antwort auf Konsumflaute, Massenarbeitslosigkeit und Standtortverlagerungen der Unternehmen. Andersdenkende werden als "Neoliberale" etikettiert und dabei die Unterschiede der Ansätze gar nicht mehr auseinandergehalten - es wird immer nur das gleiche selbst vergebene Etikett gesehen. Dabei müssten sich die Anhänger der Angebots- und der Nachfragelehre gar nicht dermaßen unversöhnlich gegenüberstehen, da ihre Lehren weitgehend gleich sind und die gleichen Argumente und Begründungen für die gleichen Sachverhalte verwenden. Doch wie kommt das?
Niemand setzt alleine auf eine Seite, Angebot und Nachfrage sind voneinander abhängig. Und bei der Frage nach wirtschaftlicher Stimulanz geht es immer darum, die Nachfrageseite zu stärken - nur mit unterschiedlichen Methoden.
Die Einen meinen, man müsse den Nachfragern nur mehr Geld zur Verfügung stellen, dann würde sich die Nachfrage erhöhen. Das klingt einfach, hat jedoch den Haken, dass die Angebotsseite diejenige ist, die das Geld zur Verfügung stellen soll/muss. Und die hat das Geld nicht "über", so dass sie ihre Kosten reduzieren wird (Leute entlassen, Fabriken schließen), um das Mehr leisten zu können - unterm Strich kommt also nicht mehr Nachfrage dabei heraus, sondern weniger Leute können mehr nachfragen, aber mehr Leute stehen auf der Straße (und ihr Einkommen hat sich verringert).
Und die Anderen meinen, man müsse die Angebotsseite von Kosten entlasten, damit sie mehr Leute einstellen kann oder die Preise senken, oder investieren (was Nachfrage nach Maschinen, Grundstücken, Personal usw. bedeutet). Die Krux hierbei ist, dass die Entlastung durch Einsparungen bei den Nachfragern finanziert werden sollen - und sich die Angebotsseite mit Investitionen zurückhält, wenn sie eine sinkende Nachfrage erkennt/befürchtet.
Beide Ansätze funktionieren also als "abgeschlossener Kreis" nicht wirklich, solange nicht von außen ein Input kommt: Geld. Daher ist doch die entscheidende Frage, wie dieser Input am ehesten und schnellsten zu bekommen ist und wie man sicherstellt, dass er nicht an anderer Stelle wieder aus dem Kreislauf herausgezogen wird.
Der Input kann nur aus der ausländischen Direktinvestitionen oder dem Staat bestehen. Das Ausland investiert in Deutschland nur, wenn die Arbeitskosten (Lohnstückkosten) im internationalen Vergleich gleichwertig oder noch günstiger als anderswo sind und/ oder der Absatzmarkt es erfordert, "vor Ort" präsent zu sein. Bei den hohen Energiepreisen und damit einhergehenden steigenden Transportkosten ein zunehmend wichtiger Entscheidungsfaktor. Die Direktinvestitionen orientieren sich nicht an der Nachfragekraft in Deutschland, da diese auch durch Produktion im Ausland abgedeckt werden kann, sondern an den Standortfaktoren. Entscheidend sind also die Kosten (und die Bürokratiehemmnisse, wie komplexes Steuersystem, lange Bearbeitungszeiten in der Verwaltung usw.).
Wenn der Staat Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpt, geht dies nur über neue Schulden - denn wenn er auf der anderen Seite die zusätzlichen Gelder einspart, sinkt genau dort ja die Nachfragekraft. Generell sind weitere Schulden jedoch Gift, im konkreten Fall allerdings als zielgerichtete einmalige Stimulanz sind sie der Schlüssel, da sie den nötigen Wachstumsimpuls geben.
Nun gibt es Leute, die diesen Impuls über den Staat als Nachfrager (für Infrastruktur oder durch ein Konjunkturprogramm) setzen wollen und parallel hierzu die Bruttolöhne stark anheben wollen (zB Keynes, Hickel, Bofinger). Der Haken bei diesem Ansatz ist, dass die Lohnstückkosten deutlich ansteigen und der erhöhte Nachfrage des Staates ein Absinken der Direktinvestitionen aus dem Ausland gegenüber stehen, sowie eine erhöhte Zahl von Unternehmensverlagerungen aus Deutschland ins Ausland - denn es wird für die deutschen Unternehmer hierdurch noch günstiger, im benachbarten Ausland zu produzieren und trotzdem ihren deutschen Absatzmarkt zu behalten.
Also muss der Staat das Geld anders zur Verfügung stellen, und zwar so, dass die Lohnstückkosten der Unternehmen sinken. Er kann seinen Zuschuss zur Rentenversicherung oder zur Arbeitslosenversicherung erhöhen, so dass sowohl Unternehmer als auch Angestellte weniger Abzüge zu zahlen haben; die Unternhmer bekommen Geld für Investitionen zur Verfügung, während die Arbeitnehmer mehr konsumieren können.
Diesem Ansatz ist eindeutig der Vorzug zu geben, denn Direktinvestitionen aus dem Ausland werden "günstiger", da die private Nachfrage steigt (weniger Abzüge bedeutet mehr Netto auf dem Konto), die Unternehmen mehr Nachfrage generieren (nach Maschinen, Personal) und so eine KETTENREAKTION ausgelöst wird: weil die Gesamtlohnkosten defacto sinken (obwohl die Arbeitnehmer mehr Geld auf dem Konto haben), können Unternehmen zusätzliches Personal einstellen und die Nachfrage nach ihren Produkten steigt ebenfalls (durch Private und Unternehmen), so dass die Anzahl der Leistungsempfänger aus den Sozialen Sicherungssystemen sinkt, während gleichzeitig die Anzahl der Einzahler wieder steigt - mit dem Effekt, dass bei unserem Umlagesystem die Beiträge aus eigener Kraft weiter sinken werden (ohne weitere Stimulanz durch den Staat). Und dies sinkenden Beiträge wiederum senken die Lohnstückkosten nochmals, so dass sich der Impuls "von selbst" verstärkt.
Aber da war doch noch was... genau, die zusätzliche Verschuldung des Staates, die am Anfang der Entwicklung stand. Die wird zeitversetzt kompensiert, da der der zusätzliche Zufluss von Staatsgeld in die Sozialversicherung nicht dauerhaft sein muss (da weniger Abreitslose weniger Kosten verursachen, kann der Zuschuss wieder auf das vorherige Maß zurückgesetzt werden), während auf der anderen Seite die erhöhte Nachfrage nicht nur höhere Umsatzsteuereinnahmen bringen, sondern auch erhöhte Einkommen- und Gewerbe-, sowie Körperschaftssteuern. Der ursprüngliche Input über die zusätzliche Staatsverschuldung finanziert sich letztlich (mit Zeitverzögerung von ein bis zwei Jahren, weil die Steuereinnahmen und Investitionen ja nicht üner Nacht sprunghaft in die Höhe schießen) von selbst und kann dennoch die Abwärtsspirale der letzten 20 Jahre außer Kraft setzen und umdrehen.
Und das sind "gute Schulden", weil sie nicht einfach im Haushalt verkonsumiert werden, sondern gezielt Wachstumsimpulse auslösen.
Guter Beitrag. Grundsätzlich gebe ich Dir völlig recht: der Keynsche Ansatz ist längst gescheitert. Er scheitert ja allein schon daran, daß es kaum etwas nützen kann, einseitig die Nachfrage auf nationaler Ebene zu erhöhen in einem Land, das größtenteils vom Export abhängig ist. Außerdem sind die Bundesbürger Weltmeister im Sparen.
Das Gegenteil von Keynes ist allerdings auch falsch, es kommt auf einen Mittelweg an.
Allerdings schreibst Du erst dieses:
Wenn der Staat Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpt, geht dies nur über neue Schulden - denn wenn er auf der anderen Seite die zusätzlichen Gelder einspart, sinkt genau dort ja die Nachfragekraft. Generell sind weitere Schulden jedoch Gift, im konkreten Fall allerdings als zielgerichtete einmalige Stimulanz sind sie der Schlüssel, da sie den nötigen Wachstumsimpuls geben.
und anschließend dieses:
Also muss der Staat das Geld anders zur Verfügung stellen, und zwar so, dass die Lohnstückkosten der Unternehmen sinken. Er kann seinen Zuschuss zur Rentenversicherung oder zur Arbeitslosenversicherung erhöhen, so dass sowohl Unternehmer als auch Angestellte weniger Abzüge zu zahlen haben; die Unternhmer bekommen Geld für Investitionen zur Verfügung, während die Arbeitnehmer mehr konsumieren können.
Das sind 2 Seiten der gleichen Medaille, denn wenn der Staat kein Geld für Direktinvestitionen hat, hat er auch kein Geld um Rentenbeiträge in einem Maße zu senken, daß der Bürger deutlich entlastet wird. Wenn das eine nur über neue Schulden geht, dann muß das für das andere auch gelten.
Die Deutschen sind eigentlich ein sehr innovatives und fleißiges Volk. Das flaue Wachstum entsteht allein dadurch, daß wir eine Staatsquote von annähernd 50% haben. Bis Ende Juli arbeitet der deutsche Steuerzahler allein für den Staat. Genau das ist es, was jede Motivation und jeden Leistungswillen bei denen, die das alles finanzieren müssen, abtötet.
Und: der Staat könnte eine Menge sparen, und zwar ohne deutsches Wirtschaftswachstum dadurch zu bremsen.
Diese Tatsache wird von rotgrünen Politikern zwar ständig bestritten. In Wahrheit verhält es sich aber soo, daß sie über viele Ausgaben ein Tabu verhängt haben, auf dem steht "Nicht anrühren", ja schlimmer: die sie überhaupt nicht zur Sprache bringen. Darin werden sie von den großen Medien unterstützt. Die Heuchelei zeigt sich schon im persönlichen Verhalten: die gleichen Bundespolitiker, die immer behaupten, es sei kein Geld da, verschwenden auf privater Ebene durch dreiste Diätenerhöhungen und schamlosen Ausnützen von Dienstwagenprivilegien das Geld weiter ungebremst. Nicht, daß das gesamtwirtschaftlich etwas ausmachen würde. Es zeigt aber die Einstellung: ob Geld da ist oder nicht ist eine rein politische Frage und eben kein Sachzwang, wie von diesen Leuten behauptet wird.
Z.B. hat niemand deutsche Regierungen gezwungen, eine unbegrenzte Einwanderung Unqualifizierter in deutsche Sozialsysteme zuzulassen. Kein anderes Land der Welt hätte sich so unvernünftig verhalten.
Desweiteren wurden unzählige Milliarden Volksvermögen vernichtet, durch den Ausstieg aus der Kernenergie und die künstliche Verteuerung von Strom durch Energien, die nicht konkurenzfähig sind.
Ich weiß nicht, ob schon jemand ausgerechnet hat, was z.B. der ideologische Ökowahn mit unrentablen Systemen ("Gelber Punkt") an denen sich nur einige Lpbbys eine goldene Nase verdienen, an Volksvermögen vernichtet hat.
Unsere Bundespolitiker wurden auch von niemanden gezwungen, sich zum Zahlmeister der Eu und überhaupt aller internationalen Organisationen zu machen. Immer wenn es darum geht, Steuergelder im Ausland zu verschenken, sind deutsche Politiker Weltmeister, und das bereits seit dem Wirtschaftswunder nach Kriegsende.
Es ist kaum auszurechnen, was die Politik "ohne nationale Interessen" den Steuerzahler rein wirtschaftlich bereits gekostet hat.
Aber: das sind alles ideologisch vermauerte Tabuthemen, über die nicht gesprochen wird, in keiner Talkshow, in keiner großen Zeitung, und am wenigsten vom Parteienkartell selbst.
Die BRD scheitert: am Gutmenschentum, an ideologischen Barrieren und an der Nicht-Definition ihrer eigenen Interessen. Insofern ist die Saat der Sieger von 1945 tatsächlich aufgegangen.
mentecaptus
29.07.09, 10:17
Allerdings schreibst Du erst dieses:
und anschließend dieses:
Das sind 2 Seiten der gleichen Medaille, denn wenn der Staat kein Geld für Direktinvestitionen hat, hat er auch kein Geld um Rentenbeiträge in einem Maße zu senken, daß der Bürger deutlich entlastet wird. Wenn das eine nur über neue Schulden geht, dann muß das für das andere auch gelten.
Das ist kein wirklicher Widerspruch. Ich halte eine chronische Finanzierung über Schulden für brandgefährlich und unverantwortlich. In konkreten Problemsituationen, zB um einen Startimpuls zu setzen, sehe ich sie hingegen als nötig an. Ob die so verfügbar gemachten Gelder dann als Investitionen zB in die Infrastruktur oder aber über Senkungen der Steuern/Lohnnebenkosten in den Kreislauf fließen, ist dabei erstmal zweitrangig. Wichtig ist, dass auch diese Maßnahmen auf Zeit stattfinden und nicht auf Dauer. Sie müssen sich selbst tragen können, also die Beitragssenkungen sich durch Mehreinnahmen aufgrund neuer Einzahler wieder ausgleichen oder die Mehrausgaben für Infrastruktur in Form von höheren Steuerzahlungen der Unternehmen wieder reinkommen.
Die Deutschen sind eigentlich ein sehr innovatives und fleißiges Volk. Das flaue Wachstum entsteht allein dadurch, daß wir eine Staatsquote von annähernd 50% haben. Bis Ende Juli arbeitet der deutsche Steuerzahler allein für den Staat. Genau das ist es, was jede Motivation und jeden Leistungswillen bei denen, die das alles finanzieren müssen, abtötet.
Ne, die "Staatsquote" ist der Anteil des Staates am BIP - und je niedriger dieser ist, desto wohlhabender und wirtschaftsstärker ist der Staat. Du beschreibst etwas anderes, man könnte es "Abgabequote" nennen. Inhaltlich haste Recht, die Summe der Abgaben ist mehr als demotivierend und führt dazu, dass viele (jeder?) sich seine "Schlupflöcher" sucht, zB in Form von Schwarzarbeit. Doch die hieraus resultierenden fehlenden Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge sind wiederum der Grund führt die hohen Abgabenquote, denn der Staat muss für seine Ausgaben das Geld ja irgendwo herbekommen.
Und: der Staat könnte eine Menge sparen, und zwar ohne deutsches Wirtschaftswachstum dadurch zu bremsen.
Diese Tatsache wird von rotgrünen Politikern zwar ständig bestritten. In Wahrheit verhält es sich aber soo, daß sie über viele Ausgaben ein Tabu verhängt haben, auf dem steht "Nicht anrühren", ja schlimmer: die sie überhaupt nicht zur Sprache bringen. Darin werden sie von den großen Medien unterstützt. Die Heuchelei zeigt sich schon im persönlichen Verhalten: die gleichen Bundespolitiker, die immer behaupten, es sei kein Geld da, verschwenden auf privater Ebene durch dreiste Diätenerhöhungen und schamlosen Ausnützen von Dienstwagenprivilegien das Geld weiter ungebremst. Nicht, daß das gesamtwirtschaftlich etwas ausmachen würde. Es zeigt aber die Einstellung: ob Geld da ist oder nicht ist eine rein politische Frage und eben kein Sachzwang, wie von diesen Leuten behauptet wird.
Du sprichst es selbst an: jeder Euro, den der Staat nicht ausgibt, reduziert auch die Nachfrage des Staates. Da der Staat aber eben nicht nur in die Bereiche "investiert", wo es sinnvoll ist, sondern viele alte Zöpfe durchsubventioniert, verhält er sich nicht nur dumm sondern auch schädlich gegen sich selbst. Daher ist ja eine möglichst niedrige Staatsquote so wichtig! Der Staat soll sich um seine Kernkompetenzen kümmern und alle anderen Bereiche Privaten überlassen. Hier kann - und muss - er die Rahmenbedingungen vorgeben, sich aber aus dem operativen Bereich heraushalten. Vor allem darf er keine (bevorzugte) staatliche Konkurrenz zu den Privaten aufbauen, zB über aufgeblähte Bauhöfe, die dann den örtlichen handwerkern die Aufträge abgrasen.
Z.B. hat niemand deutsche Regierungen gezwungen, eine unbegrenzte Einwanderung Unqualifizierter in deutsche Sozialsysteme zuzulassen. Kein anderes Land der Welt hätte sich so unvernünftig verhalten.
Ja, es war falsch, so viele Zuwanderer ins Land zu lassen, die nicht unseren Ansprüchen genügen. Das meine ich nicht "rassisch", sondern im Sinne von qialifiziert, selbständig, motiviert, produktiv.
Desweiteren wurden unzählige Milliarden Volksvermögen vernichtet, durch den Ausstieg aus der Kernenergie und die künstliche Verteuerung von Strom durch Energien, die nicht konkurenzfähig sind.
Ich weiß nicht, ob schon jemand ausgerechnet hat, was z.B. der ideologische Ökowahn mit unrentablen Systemen ("Gelber Punkt") an denen sich nur einige Lobbys eine goldene Nase verdienen, an Volksvermögen vernichtet hat.
Ich bin nun wahrlich kein Freund von Subventionen, aber im Bereich der Ökoenergien sind sie grundsätzlich sinnvoll. Aber auch hier gilt: als Anschubsubvention, um neuen Technologien auf die Beine zu helfen - anders als bei Kohle, Werften usw. Inzwischen sind sie allerdings zu Dauersubventionen verkommen, die die Preise künstlich hochhalten und den Strompreis immer teurer machen.
Die BRD scheitert: am Gutmenschentum, an ideologischen Barrieren und an der Nicht-Definition ihrer eigenen Interessen. Insofern ist die Saat der Sieger von 1945 tatsächlich aufgegangen.
Die BRD scheitert nicht. Sie steht zyklisch vor Problemen und löst sie, sie entwickelt sich fort und sichert den Menschen Frieden und Wohlstand. Das hat zuvor keine andere Gesellschafts- und Regierungsform vermocht - das ist aber nicht das Thema hier.
Das ist kein wirklicher Widerspruch. Ich halte eine chronische Finanzierung über Schulden für brandgefährlich und unverantwortlich. In konkreten Problemsituationen, zB um einen Startimpuls zu setzen, sehe ich sie hingegen als nötig an. Ob die so verfügbar gemachten Gelder dann als Investitionen zB in die Infrastruktur oder aber über Senkungen der Steuern/Lohnnebenkosten in den Kreislauf fließen, ist dabei erstmal zweitrangig. Wichtig ist, dass auch diese Maßnahmen auf Zeit stattfinden und nicht auf Dauer. Sie müssen sich selbst tragen können, also die Beitragssenkungen sich durch Mehreinnahmen aufgrund neuer Einzahler wieder ausgleichen oder die Mehrausgaben für Infrastruktur in Form von höheren Steuerzahlungen der Unternehmen wieder reinkommen.
Sorry, ich hatte Deinen Text nicht genau genug gelesen, da Du ja im nächsten Satz schreibst, daß Du neue Schulden begrenzt aufnehmen würdest.
Im Ziel bin ich mit Dir einig, ich denke jedoch, daß neue Schulden gar nicht unbedingt notwendig wären, wenn tatsächlich mal wirklich gespart würde bzw. eine andere Politik gemacht.
Ne, die "Staatsquote" ist der Anteil des Staates am BIP - und je niedriger dieser ist, desto wohlhabender und wirtschaftsstärker ist der Staat. Du beschreibst etwas anderes, man könnte es "Abgabequote" nennen. Inhaltlich haste Recht, die Summe der Abgaben ist mehr als demotivierend und führt dazu, dass viele (jeder?) sich seine "Schlupflöcher" sucht, zB in Form von Schwarzarbeit. Doch die hieraus resultierenden fehlenden Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge sind wiederum der Grund führt die hohen Abgabenquote, denn der Staat muss für seine Ausgaben das Geld ja irgendwo herbekommen.
Schon klar, ich kenne den Unterschied, aber mir ging es um die Gesamtbelastung ("was netto übrig bleibt"), und die ist eben deswegen so hoch, weil die Staatsquote so hoch ist, weniger wegen der Sozialversichungsbeiträge, die Amerikaner z.B. zahlen mehr für ihre Krankenversicherung als wir. Aber wenn man alle Steurearten zusammenzählt, dürfte die Steuerbelastung in der BRD ziemlich einmalig sein.
Du sprichst es selbst an: jeder Euro, den der Staat nicht ausgibt, reduziert auch die Nachfrage des Staates. Da der Staat aber eben nicht nur in die Bereiche "investiert", wo es sinnvoll ist, sondern viele alte Zöpfe durchsubventioniert, verhält er sich nicht nur dumm sondern auch schädlich gegen sich selbst. Daher ist ja eine möglichst niedrige Staatsquote so wichtig! Der Staat soll sich um seine Kernkompetenzen kümmern und alle anderen Bereiche Privaten überlassen. Hier kann - und muss - er die Rahmenbedingungen vorgeben, sich aber aus dem operativen Bereich heraushalten. Vor allem darf er keine (bevorzugte) staatliche Konkurrenz zu den Privaten aufbauen, zB über aufgeblähte Bauhöfe, die dann den örtlichen handwerkern die Aufträge abgrasen.
Das halte ich für eine sehr vordergründige Sichtweise. Es geht ja nicht nur um ein paar alte Zöpfe wie die Steinkohlesubvention. Es geht um die geistige Verfassung der BRD, die letztlich aus der Nachkriegssituation und der 68er Bewegung resultiert. Ich habe die Beispiele schon genannt: daß wir in aller Welt die Zahlmeisterrolle übernehmen, keine eigenen Interessen vertreten, aufgrund des geringsten Drucks aus dem Ausland masssiv unsere Exporte zurückfahren (Iran). Oder z.B. daß wir uns ein in der Welt einmaliges Asylrecht leisten, Masseneinwanderung zulassen, geradezu fördern (Fischers Visaaktion in der russischen Botschaft) usw. Das alles hängt miteinander zusammen, das sind nur Symptome einer tiefer sitzenden Krankheit, und es ist eine geistige Krankheit der BRD, das fehlende Nationalbewußtsein die wohl nur von einer neuen Generation noch überwunden werden kann. Denn das zerstört letztllich auch unseren materiellen Wohlstand.
Ich bin nun wahrlich kein Freund von Subventionen, aber im Bereich der Ökoenergien sind sie grundsätzlich sinnvoll. Aber auch hier gilt: als Anschubsubvention, um neuen Technologien auf die Beine zu helfen - anders als bei Kohle, Werften usw. Inzwischen sind sie allerdings zu Dauersubventionen verkommen, die die Preise künstlich hochhalten und den Strompreis immer teurer machen.
Unabhängig davon, wie man zur Kernenergie steht, ist eine Tatsache bei den Gegnern ja schon verräterisch: Überall um uns herum werden AKWs gebaut, und zwar vorzugsweise in Nähe der deutschen Grenze (Schweiz Tschechien, Frankreich). Das scheint aber mysteriöserweise keinen Grünen wirklich zu stören, dagegen gibt es kaum Proteste, weder von Politikern noch auf der Straße. Da herrscht plötzlich ein erstaunliches "Sankt Florians-Prinzip", so als würde der befürchtete Super-Gau an der deutschen Grenze haltmachen. Das verrät mir, daß es diesen Leuten eigentlich gar nicht um die Sicherheit geht, sondern wieder nur um Selbstgeißelung und wirtschaftliche Schädigung des eigenen Volkes.
Die BRD scheitert nicht. Sie steht zyklisch vor Problemen und löst sie, sie entwickelt sich fort und sichert den Menschen Frieden und Wohlstand. Das hat zuvor keine andere Gesellschafts- und Regierungsform vermocht - das ist aber nicht das Thema hier.
Sie ist bereits gescheitert, es haben nur die meisten noch nicht bemerkt.
mentecaptus
29.07.09, 13:40
Im Ziel bin ich mit Dir einig, ich denke jedoch, daß neue Schulden gar nicht unbedingt notwendig wären, wenn tatsächlich mal wirklich gespart würde bzw. eine andere Politik gemacht.
In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechung würde das aber eine Delle hinterlassen, dabei ist es nämlich egal, ob private oder staatliche Ausgaben getätigt werden.
Schon klar, ich kenne den Unterschied, aber mir ging es um die Gesamtbelastung ("was netto übrig bleibt"), und die ist eben deswegen so hoch, weil die Staatsquote so hoch ist, weniger wegen der Sozialversichungsbeiträge, die Amerikaner z.B. zahlen mehr für ihre Krankenversicherung als wir. Aber wenn man alle Steurearten zusammenzählt, dürfte die Steuerbelastung in der BRD ziemlich einmalig sein.
Naja, wir leisten und das reichhaltigste Sozialsystem und das wird alleine durch Umverteilung finanziert. Das muss irgendwo herkommen. Wenn man dann bedenkt, dass rund 80 Mrd. EUR des Bundeshaushalts (also etwa ein Viertel) für Zuschüsse der Renten- und Pensionen anfällt, erklärt sich auch die hohe Steuerlast - neben den hohen Sozialversicherungsbeiträgen. Und bei einer alternden Gesellschaft wird sich dieser Trend ja eher verstärken, denn abschwächen.
Das halte ich für eine sehr vordergründige Sichtweise. Es geht ja nicht nur um ein paar alte Zöpfe wie die Steinkohlesubvention. Es geht um die geistige Verfassung der BRD, die letztlich aus der Nachkriegssituation und der 68er Bewegung resultiert. Ich habe die Beispiele schon genannt: daß wir in aller Welt die Zahlmeisterrolle übernehmen, keine eigenen Interessen vertreten, aufgrund des geringsten Drucks aus dem Ausland masssiv unsere Exporte zurückfahren (Iran). Oder z.B. daß wir uns ein in der Welt einmaliges Asylrecht leisten, Masseneinwanderung zulassen, geradezu fördern (Fischers Visaaktion in der russischen Botschaft) usw.
In den nächsten 5 Jahren spätestens macht sich die drastisch gesunkene Vermehrungsrate bereits bemerkbar und es werden viele Arbeitsplätze nicht mehr besetzt werden können. Zwar wird es weiterhin viele Arbeitslose geben, aber eben, weil sie nicht gebildet und/oder qualifiziert genug sind. Diese Lücke kann daher nur durch gezielte Zuwanderung geschlossen werden, wenn nicht die "dummen" Deutschen anfangen, sich zu bilden und wir wieder mehr Kinder in die Welt setzen (was natürlich erst in 20 jahren für Abhilfe sorgen würde). Ansonsten musste Dir mal die Zahlen ansehen bei Zuwanderung und Asylanträgen. Da kommt fast keiner mehr, es ist eher ein Beißreflex aus alter Zeit, hier noch ein Problem zu sehen.
Unabhängig davon, wie man zur Kernenergie steht, ist eine Tatsache bei den Gegnern ja schon verräterisch: Überall um uns herum werden AKWs gebaut, und zwar vorzugsweise in Nähe der deutschen Grenze (Schweiz Tschechien, Frankreich). Das scheint aber mysteriöserweise keinen Grünen wirklich zu stören, dagegen gibt es kaum Proteste, weder von Politikern noch auf der Straße. Da herrscht plötzlich ein erstaunliches "Sankt Florians-Prinzip", so als würde der befürchtete Super-Gau an der deutschen Grenze haltmachen. Das verrät mir, daß es diesen Leuten eigentlich gar nicht um die Sicherheit geht, sondern wieder nur um Selbstgeißelung und wirtschaftliche Schädigung des eigenen Volkes.
EnBW bezieht schon heute Strom aus Frankreich in einer Menge, die zwei AKWs ausmacht. Und du hast völlig Recht, fast alle Nachbarländer bauen AKWs und zwar gerne auch in Grenznähe zu Deutschland. Eben weil der billige Strom dann auch zu uns geliefert werden kann, das blenden die Grünen (und Roten) aber einfach aus. Ich habe eine sehr erhellende Ausführung hierzu aus dem Wirtschaftsministerium SH, als es noch von Austermann geleitet wurde. Darin wird mit Gabriel und seinen "Ökoenergie kann alles ersetzen und zwar gleich"-Spinnereien fundiert und belegt aufgeräumt. Quintessenz ist: wer jetzt die AKWs abschaltet, muss Kohle- (und Gas-)Kraftwerke bauen, weil die reg Energien das nicht alles auffangen können. Deren Aufbau wird noch Jah(zehnt)e dauern.
Also muss der Staat das Geld anders zur Verfügung stellen, und zwar so, dass die Lohnstückkosten der Unternehmen sinken. Er kann seinen Zuschuss zur Rentenversicherung oder zur Arbeitslosenversicherung erhöhen, so dass sowohl Unternehmer als auch Angestellte weniger Abzüge zu zahlen haben; die Unternhmer bekommen Geld für Investitionen zur Verfügung, während die Arbeitnehmer mehr konsumieren können.
Das ist auch meine Meinung - nur sehe ich nicht zwingend in einer Staatsverschuldung den Weg zu mehr Geld im System.
Eine möglichkeit Geld in den Markt zu werfen ist, wenn die EZB z.B. Rohstoffe einkauft und lagert - wenn die Rohstoffe im Preis gerade sehr günstig sind. Dadurch verhindert sie, dass im Konjunkturtal die Rohstoffproduzenten in Schwierigkeiten kommen - ein Pleite wird dadurch verhindert - und im Aufschwung gibt es dann genügend Rohstoffe - es kommt also nicht zu Engpässen und nicht zu importierter Inflation.
Gleichzeitig haben die Produzenten dann auch in der Krise Geld, mit dem sie z.B. unsere Produkte nachfragen können.
Die Auffassung, dass hohe Lohnabschlüsse den Konsum erhöhen und die Nachfrage nach heimischen Gütern stärkt ist in der Tat in einer offen Volkswirtschaft ewas kurz gedacht.
Was auch immer gern vergessen wird: Nicht nur die Arbeitnehmer fragen Güter und Dienstleistungen nach - auch die Artionäre mit ihren Dividenden. Was der Arbeitnehmer mehr verdient - bekommt der Aktionär also weniger.
Eine moderate und zuverlässige Tarifpolitik ist deswegen ein wichtiger Grundstein - für stabiles Geld und eine wachsende Wirtschaft.
mentecaptus
02.08.09, 14:13
Das ist auch meine Meinung - nur sehe ich nicht zwingend in einer Staatsverschuldung den Weg zu mehr Geld im System.
Eine möglichkeit Geld in den Markt zu werfen ist, wenn die EZB z.B. Rohstoffe einkauft und lagert - wenn die Rohstoffe im Preis gerade sehr günstig sind. Dadurch verhindert sie, dass im Konjunkturtal die Rohstoffproduzenten in Schwierigkeiten kommen - ein Pleite wird dadurch verhindert - und im Aufschwung gibt es dann genügend Rohstoffe - es kommt also nicht zu Engpässen und nicht zu importierter Inflation.
Also nicht über Optionsgeschäfte nur den Preis absichern, sondern faktisch kaufen? Um eine signifikante Größe zu erreichen, die nachher auch etwas bringt, müsste ja mindestens ein Monatsvorrat (gemessen am Verbrauch der EU) an den wichtigsten Rohstoffen angelegt werden, oder besser ein Vorrat für mindestens 3 Monate. Dann stellt sich die Frage nach dem Ort der Lagerung, nach den Kosten dafür, insbesondere auch für die Bewachung. Ich halte das für nicht praktikabel.
Die Auffassung, dass hohe Lohnabschlüsse den Konsum erhöhen und die Nachfrage nach heimischen Gütern stärkt ist in der Tat in einer offen Volkswirtschaft ewas kurz gedacht.
Was auch immer gern vergessen wird: Nicht nur die Arbeitnehmer fragen Güter und Dienstleistungen nach - auch die Artionäre mit ihren Dividenden. Was der Arbeitnehmer mehr verdient - bekommt der Aktionär also weniger.
Eine moderate und zuverlässige Tarifpolitik ist deswegen ein wichtiger Grundstein - für stabiles Geld und eine wachsende Wirtschaft.
Richtig. Vor allem in Zeiten mit einer Nullinflation bzw. (wie aktuell) mit sogar negativen Inflationsraten, wenn also das Geld sogar mehr (!) Wert wird. Da sind Tarifabschlüsse von mehr als 2 oder 3 Prozent völlig verantwortungslos.
frei nach erhard :die löhne dürfen nur so stark steigen wie die produktivität, dabei gibt das schwächste glied den takt vor =)
ursprünglich war ja von keynes auch angedacht die antizyklischen handlungen über gelder zu finanzieren , die in hochphasen gespart worden waren.
nur dumm dass die anhänger sich mal wieder nicht an ihren meister halten.
war auch bei marx das gleiche spiel:banana:
mentecaptus
03.08.09, 13:03
"Spare in der Zeit, dann haste in der Not".
(Altes deutsches Sprichwort)
Da haben die unionsgeführten Bundesländer in den letzten Jahren einen großen Schritt drauf zu gemacht, indem sie auf ausgeglichene Haushalte zusteuerten - und sie teilweise auch erreicht hatten. Das ist jetzt dank der Wirtschaftskrise natürklich (erstmal) wieder Makulatur, aber schon ein richtiges und wichtiges Ziel für die "Zeit danach"...
"Spare in der Zeit, dann haste in der Not".
(Altes deutsches Sprichwort)
Da haben die unionsgeführten Bundesländer in den letzten Jahren einen großen Schritt drauf zu gemacht, indem sie auf ausgeglichene Haushalte zusteuerten - und sie teilweise auch erreicht hatten. Das ist jetzt dank der Wirtschaftskrise natürklich (erstmal) wieder Makulatur, aber schon ein richtiges und wichtiges Ziel für die "Zeit danach"...
da möchte ich hier mal der spd mc-pomm zugutehalten:)
mentecaptus
03.08.09, 13:29
da möchte ich hier mal der spd mc-pomm zugutehalten:)
...seit sie in einer SPD-CDU-Regierung ist mit einem CDU-Finanzminister. ;-)
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