ThiloS
10.05.11, 21:33
Man sagt, die meisten Generäle aller Armeen dieser Welt neigten dazu, den letzten Krieg noch einmal zu kämpfen. Wenn dieser Satz je Bedeutung hatte, dann am 10.Mai 1940, als es über Belgien und Holland deutsche Fallschirmjäger regnete und der französische Generalstab in einem Anfall von kollektivem Versagen seine komplette Armee in den Untergang riss.
Als im Pariser Elysee die Nachricht des deutschen Einmarsches in Holland und Belgien bekannt wurde, trat der französische Premierminister auf seinen innenpolitischen Feind, den Generalissimus Gamelin zu, sah diesem in die Augen, drückte ihm die Hand und sagte: "Von nun an gibt es nur Eines: Siegen!" Gamelin erwiederte den Händedruck und antwortete pathetisch: "Ich sehe hier nur eine Antwort: Frankreich."
Nun war das leichter gesagt als getan.
Frankreich hatte in den letzten 10 Jahren Unmengen von Geldern für einen defensiven Schutzwall, die "Maginot-Linie" aufgewendet, die allerdings drei kleine, aber entscheidende Schönheitsfehler aufwies: zum einen endete sie ausgerechnet bei Sedan, zum anderen hatte die Linie die besten Truppen Frankreichs wie ein Schwamm aufgesogen. Und, nicht zuletzt: die Maginotlinie sperrte die Deutschen nicht nur aus - sondern die Franzosen auch ein.
Nichtsdestotrotz sah der französische Generalstab der Auseinandersetzung mit dem militärischen Emporkömmling Deutschland recht gelassen entgegen. Die Franzosen hatten mehr Panzer als die Deutschen aufzubieten und würden zudem noch Hilfe von den Engländern bekommen. Man war sich in Paris recht sicher, zum Einen den Krieg möglichst weit weg auf belgischem oder holländischem Boden zu führen, außerdem hätten die Deutschen sowieso nur die Wahl, den schon einmal schiefgegangenen Schlieffen-Plan des ersten Weltkrieges erneut auszuführen.
Nach französischer Lesart teilte sich die Front in drei Abschnitte: in einen langen Abschnitt mit recht wenig Tätigkeit an der Maginot-Linie.
Einen ziemlich kurzen Abschnitt mit begrenzter Aktivität am Scharnier zwischen Maginotlinie und den "aktiven Armeen", die nach Belgien einrücken sollten.
Und natürlich einen operativ-offensiven Abschnitt in Belgien und Holland, den Holländer und Belgier selbstverständlich so lange halten würden, bis die Alliierten herangerückt wären. Die deutsche Wehrmacht wurde in den Planungen so behandelt, als sässe sie einfach nur still da und würde der französischen Planung folgen.
Vier Tage.
Vier Tage hätten die Holländer ihre Linien halten und ihre Gebiete überschwemmen sollen. Was möglicherweise auch funktioniert hätte, wären nicht in der Zwischenzeit Funk und Luftfahrt erfunden worden.
Danach sollten sich die Truppen in den "Vestring Holland" zurückziehen und der Alliierten harren.
Tatsächlich wurde der "Vestring Holland" und die entsprechenden Brücken bereits am ersten Tage durch Fallschirmjäger geknackt und erobert.
In Belgien ein ähnliches Bild. Über dem Albert-Kanal thronte das damals modernste Sperrfort der Welt, Fort Eben Emael. Uneinnehmbar, ein harter Brocken. Und an einem Vormittag von einer Handvoll Fallschirmjäger erobert.
All dies waren eigentlich bereits am ersten Tage, in den ersten Stunden, Warnschüsse für den französischen Generalstab, dass sich ihr geplanter Feldzug vielleicht nicht wie geplant entwickeln könnte.
Nichtsdestotrotz marschierten am 10 Mai um 7:30 die ersten französischen Einheiten - gegen den Widerstand der beiden zweitwichtigsten Generäle des Abschnitts, Prioux und Blanchard, die statt des Planes "Dyle" lieber den Plan "Schelde" umgesetzt hätten, in Frankreich ein, weil Gamelin eben oberster Chef war und der Ober den Unter nun einmal sticht.
Und tatsächlich: zuerst lief alles wie am Schnürchen. Am Abend des 10. Mai erreichten die ersten französischen schnellen Einheiten Bergen op Zoom in Holland und schwenkten auf Breda ein.
Rechts von ihnen bezogen neun englische Divisionen Stellung zwischen Löwen und Wavre in Belgien. Und schliesslich, auf der rechten Flanke, an der Nahtstelle zwischen der Maginot-Linie und den Engländern, marschierten die besten französischen Einheiten, die mit Panzern und Panzerabwehrwaffen und Artillerie und sonstigem militärischen Zipp und Zapp ausgerüstet waren, unter ihrem energischen, wenngleich auch pessimistischen General Blanchard auf.
Während Blanchard pro Division noch relativ überschaubare 6 Kilometer Frontlänge zu verteidigen hatte, hatte es sein wiederum rechter Nachbar, der alte Rifkrieger Corap, der seine Meriten noch gegen arabische Reiterscharen verdient hatte, mit 20 Kilometern Frontlänge pro Division (durch die unzähligen Maasschleifen in Wirklichkeit mehr) doch deutlich schwerer, dafür bekam er aber nur die Hälfte der Artillerie, die er eigentlich für seinen passiven Auftrag benötigt hätte. Der französische Generalstab hatte beschlossen, dass die Deutschen an dieser Stelle nicht angreifen würden und dabei blieb es - trotz Coraps massiver Beschwerden.
Last but not least sass direkt auf dem Scharnier zwischen Maginotlinie und den beweglichen Truppen die 2. Armee des Generals Huntziger, die die auslaufende Linie der Maginot einigermassen leidlich mit Unterständen, gedeckten Kasematten und ein paar Maschinengewehren bestückt hatten, um die Ausgänge des Waldes von Marfee zu decken. Der Großteil seiner Truppen war nur mässig ausgerüstet und bestand aus alten Reservisten, die lieber heute als morgen wieder nach Hause auf ihre Höfe wollten.
Während also sich hinter der Maginotlinie in Richtung Schweizer Grenze aus irgendwelchen bizarren Gründen sich insgesamt 40 Divisionen mit modernstem Material gesammelt hatten, um eine Überlegenheit von 2:1 gegenüber den dort passiven Deutschen aufrechtzuerhalten, marschierten in Holland und Belgien relativ schache Kräfte dem Angreifer entgegen und an der sensibelsten Stelle der ganzen Front hockten zweitklassige Einheiten mit drittklassiger Bewaffnung. Jetzt musste nur noch die Wehrmacht mitspielen und schon war Frankreich wieder einmal Sieger.
Am 12. Mai stellte man im französischen Generalstab erstmals fest, dass irgendetwas mit dem grandiosen französischen Schlachtplan nicht stimmte: die Holländer waren bereits zusammengebrochen und man sah sich genötigt, die eigenen Truppen über die Schelde zurückzuziehen. Bei einem gemeinsamen Kriegsrat bei Mons in Belgien überschütteten sich Franzosen, Belgier und Engländer bereits gegenseitig mit Vorwürfen. Die Belgier waren sauer über die zu langsamen Franzosen, die Franzosen wütend darüber, die Dylestellung nicht so vorbereitet gefunden zu haben, wie sie das erwartet hatten und warfen den Belgiern vor, den Albert-Kanal zu schnell verlassen zu haben, diese wiederum verlangten Erklärungen, warum die französische und britische Luftwaffe sie im Stich gelassen habe.
Nichtsdestotrotz schien sich immer noch alles nach Plan zu entwickeln. Die Deutschen waren brav in Belgien einmarschiert - nur eben schneller, als die Franzosen berechnet hatten. Corap und Huntziger hatten schon Stellung bezogen - oder vielmehr das, was sie dafür hielten - und im Semois-Tal waren augenscheinlich schwache deutsche Einheiten festgestellt worden.
In diesem kleinen malerischen Tal nächst des Semois-Flusses saß in dem Örtchen Bouillon, dem letzten Ort auf belgischer Seite, zu diesem Zeitpunkt ein deutscher General namens Guderian, der soeben fast von einem Wildschweinkopf erschlagen worden wäre, der aufgrund der Erschütterungen des Bombenangriffs einer französischen Fliegerstaffel soeben von der Wand gefallen war. Die Deutschen waren da.
Guderian hatte eigentlich einen wahnwitzigen Befehl erhalten: er sollte so gut wie ohne Artillerie eine der schwierigsten militärischen Operationen durchführen, den Übergang über einen Fluss unter feindlichem Feuer. Und das mit Kräften, die noch nicht einmal voll versammelt waren.
Seine einzige Hoffnung bestand darin, dass sich sein Kollege General Sperrle von der Luftwaffe an seine Zusage halten würde, ihn "mit allen verfügbaren Kräften" zu unterstützen.
Ihm gegenüber lag der alte Divisionär Lafontaine, der der festen Überzeugung war, dass die Maas für eine Armee, die Bug und San überschritten hatte, kein wesentliches Hindernis war und hatte diese Bedenken auch Huntziger mitgeteilt. Dieser hatte abgewunken und "Polen ist Polen, dies hier ist Frankreich" als moralische Stütze ausgegeben. Und nun doch immerhin die Hauptreserve freigegeben, was allerdings den Effekt hatte, bei den bereits an der Maas stehenden Einheiten für Verwirrung zu sorgen, da diese nun enger zusammenrücken mussten.
Und so kam es, dass die unglückselige französische 53ste Infanteriedivision, die Guderian gegenüber lag, einem derartigen Bombardement durch Sturzkampfbomber ausgesetzt war, dass die braven Reservisten den Eindruck gewannen, jedes Flugzeug ziele individuell auf sie.
Während die 53ste Infanteriedivision auseinanderspritze, setzten die Deutschen innerhalb weniger Minuten schwimmend oder auf Schlauchbooten, allen voran das Regiment "Großdeutschland" über die Maas. Gegen 19.00 Uhr hatten die Deutschen ihren Brückenkopf ohne Brücke und ohne einen einzigen Panzer, da es keine Brücken gab.
Ungefähr zur gleichen Zeit liess sich General Huntziger 50 Kilometer entfernt im angenehmen Senue sein Abendessen von weissbehandschuhten Ordonnanzen servieren, während sein Gegenspieler Guderian in einem der ersten Schlauchboote gesessen hatte. Als die Meldung eintraf, 40 Deutsche hätten die Maas überschritten, entgegnete er sinngemäss "Prima. Das sind 40 Gefangene für uns."
Als im Pariser Elysee die Nachricht des deutschen Einmarsches in Holland und Belgien bekannt wurde, trat der französische Premierminister auf seinen innenpolitischen Feind, den Generalissimus Gamelin zu, sah diesem in die Augen, drückte ihm die Hand und sagte: "Von nun an gibt es nur Eines: Siegen!" Gamelin erwiederte den Händedruck und antwortete pathetisch: "Ich sehe hier nur eine Antwort: Frankreich."
Nun war das leichter gesagt als getan.
Frankreich hatte in den letzten 10 Jahren Unmengen von Geldern für einen defensiven Schutzwall, die "Maginot-Linie" aufgewendet, die allerdings drei kleine, aber entscheidende Schönheitsfehler aufwies: zum einen endete sie ausgerechnet bei Sedan, zum anderen hatte die Linie die besten Truppen Frankreichs wie ein Schwamm aufgesogen. Und, nicht zuletzt: die Maginotlinie sperrte die Deutschen nicht nur aus - sondern die Franzosen auch ein.
Nichtsdestotrotz sah der französische Generalstab der Auseinandersetzung mit dem militärischen Emporkömmling Deutschland recht gelassen entgegen. Die Franzosen hatten mehr Panzer als die Deutschen aufzubieten und würden zudem noch Hilfe von den Engländern bekommen. Man war sich in Paris recht sicher, zum Einen den Krieg möglichst weit weg auf belgischem oder holländischem Boden zu führen, außerdem hätten die Deutschen sowieso nur die Wahl, den schon einmal schiefgegangenen Schlieffen-Plan des ersten Weltkrieges erneut auszuführen.
Nach französischer Lesart teilte sich die Front in drei Abschnitte: in einen langen Abschnitt mit recht wenig Tätigkeit an der Maginot-Linie.
Einen ziemlich kurzen Abschnitt mit begrenzter Aktivität am Scharnier zwischen Maginotlinie und den "aktiven Armeen", die nach Belgien einrücken sollten.
Und natürlich einen operativ-offensiven Abschnitt in Belgien und Holland, den Holländer und Belgier selbstverständlich so lange halten würden, bis die Alliierten herangerückt wären. Die deutsche Wehrmacht wurde in den Planungen so behandelt, als sässe sie einfach nur still da und würde der französischen Planung folgen.
Vier Tage.
Vier Tage hätten die Holländer ihre Linien halten und ihre Gebiete überschwemmen sollen. Was möglicherweise auch funktioniert hätte, wären nicht in der Zwischenzeit Funk und Luftfahrt erfunden worden.
Danach sollten sich die Truppen in den "Vestring Holland" zurückziehen und der Alliierten harren.
Tatsächlich wurde der "Vestring Holland" und die entsprechenden Brücken bereits am ersten Tage durch Fallschirmjäger geknackt und erobert.
In Belgien ein ähnliches Bild. Über dem Albert-Kanal thronte das damals modernste Sperrfort der Welt, Fort Eben Emael. Uneinnehmbar, ein harter Brocken. Und an einem Vormittag von einer Handvoll Fallschirmjäger erobert.
All dies waren eigentlich bereits am ersten Tage, in den ersten Stunden, Warnschüsse für den französischen Generalstab, dass sich ihr geplanter Feldzug vielleicht nicht wie geplant entwickeln könnte.
Nichtsdestotrotz marschierten am 10 Mai um 7:30 die ersten französischen Einheiten - gegen den Widerstand der beiden zweitwichtigsten Generäle des Abschnitts, Prioux und Blanchard, die statt des Planes "Dyle" lieber den Plan "Schelde" umgesetzt hätten, in Frankreich ein, weil Gamelin eben oberster Chef war und der Ober den Unter nun einmal sticht.
Und tatsächlich: zuerst lief alles wie am Schnürchen. Am Abend des 10. Mai erreichten die ersten französischen schnellen Einheiten Bergen op Zoom in Holland und schwenkten auf Breda ein.
Rechts von ihnen bezogen neun englische Divisionen Stellung zwischen Löwen und Wavre in Belgien. Und schliesslich, auf der rechten Flanke, an der Nahtstelle zwischen der Maginot-Linie und den Engländern, marschierten die besten französischen Einheiten, die mit Panzern und Panzerabwehrwaffen und Artillerie und sonstigem militärischen Zipp und Zapp ausgerüstet waren, unter ihrem energischen, wenngleich auch pessimistischen General Blanchard auf.
Während Blanchard pro Division noch relativ überschaubare 6 Kilometer Frontlänge zu verteidigen hatte, hatte es sein wiederum rechter Nachbar, der alte Rifkrieger Corap, der seine Meriten noch gegen arabische Reiterscharen verdient hatte, mit 20 Kilometern Frontlänge pro Division (durch die unzähligen Maasschleifen in Wirklichkeit mehr) doch deutlich schwerer, dafür bekam er aber nur die Hälfte der Artillerie, die er eigentlich für seinen passiven Auftrag benötigt hätte. Der französische Generalstab hatte beschlossen, dass die Deutschen an dieser Stelle nicht angreifen würden und dabei blieb es - trotz Coraps massiver Beschwerden.
Last but not least sass direkt auf dem Scharnier zwischen Maginotlinie und den beweglichen Truppen die 2. Armee des Generals Huntziger, die die auslaufende Linie der Maginot einigermassen leidlich mit Unterständen, gedeckten Kasematten und ein paar Maschinengewehren bestückt hatten, um die Ausgänge des Waldes von Marfee zu decken. Der Großteil seiner Truppen war nur mässig ausgerüstet und bestand aus alten Reservisten, die lieber heute als morgen wieder nach Hause auf ihre Höfe wollten.
Während also sich hinter der Maginotlinie in Richtung Schweizer Grenze aus irgendwelchen bizarren Gründen sich insgesamt 40 Divisionen mit modernstem Material gesammelt hatten, um eine Überlegenheit von 2:1 gegenüber den dort passiven Deutschen aufrechtzuerhalten, marschierten in Holland und Belgien relativ schache Kräfte dem Angreifer entgegen und an der sensibelsten Stelle der ganzen Front hockten zweitklassige Einheiten mit drittklassiger Bewaffnung. Jetzt musste nur noch die Wehrmacht mitspielen und schon war Frankreich wieder einmal Sieger.
Am 12. Mai stellte man im französischen Generalstab erstmals fest, dass irgendetwas mit dem grandiosen französischen Schlachtplan nicht stimmte: die Holländer waren bereits zusammengebrochen und man sah sich genötigt, die eigenen Truppen über die Schelde zurückzuziehen. Bei einem gemeinsamen Kriegsrat bei Mons in Belgien überschütteten sich Franzosen, Belgier und Engländer bereits gegenseitig mit Vorwürfen. Die Belgier waren sauer über die zu langsamen Franzosen, die Franzosen wütend darüber, die Dylestellung nicht so vorbereitet gefunden zu haben, wie sie das erwartet hatten und warfen den Belgiern vor, den Albert-Kanal zu schnell verlassen zu haben, diese wiederum verlangten Erklärungen, warum die französische und britische Luftwaffe sie im Stich gelassen habe.
Nichtsdestotrotz schien sich immer noch alles nach Plan zu entwickeln. Die Deutschen waren brav in Belgien einmarschiert - nur eben schneller, als die Franzosen berechnet hatten. Corap und Huntziger hatten schon Stellung bezogen - oder vielmehr das, was sie dafür hielten - und im Semois-Tal waren augenscheinlich schwache deutsche Einheiten festgestellt worden.
In diesem kleinen malerischen Tal nächst des Semois-Flusses saß in dem Örtchen Bouillon, dem letzten Ort auf belgischer Seite, zu diesem Zeitpunkt ein deutscher General namens Guderian, der soeben fast von einem Wildschweinkopf erschlagen worden wäre, der aufgrund der Erschütterungen des Bombenangriffs einer französischen Fliegerstaffel soeben von der Wand gefallen war. Die Deutschen waren da.
Guderian hatte eigentlich einen wahnwitzigen Befehl erhalten: er sollte so gut wie ohne Artillerie eine der schwierigsten militärischen Operationen durchführen, den Übergang über einen Fluss unter feindlichem Feuer. Und das mit Kräften, die noch nicht einmal voll versammelt waren.
Seine einzige Hoffnung bestand darin, dass sich sein Kollege General Sperrle von der Luftwaffe an seine Zusage halten würde, ihn "mit allen verfügbaren Kräften" zu unterstützen.
Ihm gegenüber lag der alte Divisionär Lafontaine, der der festen Überzeugung war, dass die Maas für eine Armee, die Bug und San überschritten hatte, kein wesentliches Hindernis war und hatte diese Bedenken auch Huntziger mitgeteilt. Dieser hatte abgewunken und "Polen ist Polen, dies hier ist Frankreich" als moralische Stütze ausgegeben. Und nun doch immerhin die Hauptreserve freigegeben, was allerdings den Effekt hatte, bei den bereits an der Maas stehenden Einheiten für Verwirrung zu sorgen, da diese nun enger zusammenrücken mussten.
Und so kam es, dass die unglückselige französische 53ste Infanteriedivision, die Guderian gegenüber lag, einem derartigen Bombardement durch Sturzkampfbomber ausgesetzt war, dass die braven Reservisten den Eindruck gewannen, jedes Flugzeug ziele individuell auf sie.
Während die 53ste Infanteriedivision auseinanderspritze, setzten die Deutschen innerhalb weniger Minuten schwimmend oder auf Schlauchbooten, allen voran das Regiment "Großdeutschland" über die Maas. Gegen 19.00 Uhr hatten die Deutschen ihren Brückenkopf ohne Brücke und ohne einen einzigen Panzer, da es keine Brücken gab.
Ungefähr zur gleichen Zeit liess sich General Huntziger 50 Kilometer entfernt im angenehmen Senue sein Abendessen von weissbehandschuhten Ordonnanzen servieren, während sein Gegenspieler Guderian in einem der ersten Schlauchboote gesessen hatte. Als die Meldung eintraf, 40 Deutsche hätten die Maas überschritten, entgegnete er sinngemäss "Prima. Das sind 40 Gefangene für uns."